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Die Opfer des Massengrabes von Koszyce waren eine Großfamilie
Grafik: © Michal Podsiadlo

Die Opfer des Massengrabes von Koszyce waren eine Großfamilie

Im Jahr 2011 haben Archäologen im polnischen Koszyce ein Massengrab mit 15 Menschen freigelegt, die vor 5.000 Jahren brutal getötet, aber sehr sorgsam bestattet wurden. Dänische und polnische Genetiker haben nun DNA-Analysen der Zähne und Knochen durchgeführt, um herauszufinden, was das für Menschen waren und warum sie ermordet wurden.
Wie Hannes Schroeder von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen im Fachmagazin PNAS berichten, handelt es sich bei den Opfern um acht Männer und sieben Frauen - viele davon noch Teenager oder Kinder. Und alle waren miteinander verwandt. Das heißt, dass da eine ganze Sippe äußerst brutal erschlagen und ausgelöscht wurde.
Bemerkenswert an dem Fund ist nach Ansicht der Forscher, dass die Opfer des Massakers sehr sorgfältig bestattet wurden. Mütter lagen neben ihren Kindern, Zwillinge dicht beieinander. Sie glauben, dass diejenigen, die sie bestattet haben, sie sehr gut kannten. Möglicherweise handelte es sich um Männer der Sippe, die auf der Jagd waren, als sich der Überfall ereignete.

Clash of Cultures - mit tödlichen Folgen

Wer waren die Opfer? Hannes Schroeder und sein Team haben in den Genen Hinweise darauf gefunden, dass die Opfer des Massakers zur Kugelamphoren-Kultur gehörten. Dabei handelte es sich um neolithische Bauern, die aus dem östlichen Mittelmeerraum nach Europa eingewandert waren.
Und die Täter? Die gehörten wahrscheinlich zur Schnurkeramischen Kultur, so die Forscher. Diese Menschen stammten aus den Steppen Südrusslands und breiteten sich zu Beginn der Bronzezeit in Mitteleuropa aus.
Wahrscheinlich konkurrierten diese beide Völker um die besten Siedlungsplätze und stritten um Nahrungsressourcen, was zu kriegerischen Auseinandersetzungen führte. Das Massaker von Koszyce könnte ein Beleg für einen solchen Konflikt sein.

Ähnlichkeit mit frühen anatolischen Bauern

Was haben die Gen-Analysen noch ergeben? Wie die Forscher berichten, hatten die Opfer von Koszyce alle braune Augen, dunkles oder dunkelblondes Haar und mitteldunkle Haut. Sie sahen wahrscheinlich neolithischen Bauern ähnlich, die einst in Ostanatolien lebten.
Ihre Feinde dagegen waren asiatische Steppenbewohner, die aus Südrussland kamen und sich vor 5.000 Jahren nach Europa ausbreiteten. Da trafen offenbar zwei Völker aufeinander, die nicht gut miteinander konnten.
Beide Kulturen hielten sich übrigens nicht sehr lange. Nur wenige Jahrhunderte nach dem Massaker von Koszyce eroberte das Steppenvolk der Jamnaja, die man auch als Grubengrab-Kultur bezeichnet, weite Teile Europas und ersetzte die ursprüngliche Bevölkerung beinahe komplett.
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EVOLUTION & MEINUNG

Je unwahrscheinlicher, aus statistischer Sicht, ein Vorgang ist, desto weniger können wir annehmen, dass er durch blinden Zufall geschah.
Richard Dawkins

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