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Schon vor 5.000 Jahren gab es im eisigen Norden Landwirtschaft

Schon vor 5.000 Jahren gab es im eisigen Norden Landwirtschaft
Santeri Vanhanen von der Universität Helsinki hat im kalten Norden Skandinaviens Getreidekörner entdeckt, die belegen, dass es dort schon vor 5.000 Jahren Landwirtschaft gab.
Foto: © Marko Marila
EISIGE LANDWIRTSCHAFT Während die Menchen in vielen Regionen der Erde schon seit mindestens 9.000 Jahren Ackerbau und Viehzucht betreiben, ist das im Norden Skandinaviens jenseits des 60. Breitengrades selbst heute, mit moderner Technik, nur eingeschränkt möglich. Und bisherige archäologische Funde ließen vermuten, dass die Landwirtschaft dort erst vor etwa 3.000 bis 1.500 Jahren Einzug hielt.
Finnische und schwedische Archäologen haben nun Hinweise darauf gefunden, dass die Jäger und Sammler der Grübchenkeramischen Kultur (englisch: Pitted Ware culture) schon vor über 5.000 Jahren damit begannen, Getreide anzubauen und Schweine zu züchten.

Getreidekörner und Schweineknochen

Wie Santeri Vanhanen von der Universität Helsinki und seine Kollegen im Fachmagazin Scientific Reports berichten, sind sie im Nordosten Schwedens und auf den finnischen Aland Inseln auf Gerste- und Weizenkörner sowie Schweineknochen gestoßen, die vermuten lassen, dass die nordischen Jäger und Sammler schon vor über 5.000 Jahren damit begannen, ihren Speiseplan um landwirtschaftliche Produkte zu ergänzen.
Obwohl sich die Menschen der Grübchenkeramischen Kultur vor allem von Bären, Bibern, Elchen, Wildschweinen und Seehunden ernährten, scheinen sie auch - in begrenztem Maße - Getreide angebaut und Schweine gehalten zu haben.
"Die auf den Aland Inseln gefundenen Körner sind ein Beweis dafür, dass die Grübchenkeramische Kultur den Ackerbau an Orten eingeführt hat, an denen er vorher nicht praktiziert worden ist", sagt Santeri Vanhanen. Es handelt sich um den ältesten Nachweis von Ackerbau und Viehzucht im Norden Skandinaviens.

Bei den südlichen Nachbarn abgeschaut

Die finnischen und schwedischen Forscher vermuten, dass die Jäger und Sammler der Grübchenkeramischen Kultur, die man wegen ihrer Lebensweise auch als "Inuit der Baltischen See" bezeichnet, die Landwirtschaft von der im Norden Kontinentaleuropas lebenden Trinkbecherkultur übernommen haben, zu der sie nachweislich Kontakt hatten und mit der sie Handel trieben.
"Die Menschen der Grübchenkeramischen Kultur haben möglicherweise rituelle Feste abgehalten, bei denen Schweine und Getreideprodukte konsumiert wurden" sagt Santeri Vanhanen. "Vielleicht wurde das Getreide genutzt, um daraus Bier zu brauen. Aber dafür müssen wir erst noch archäologische Beweise finden."

Landwirtschaft, um Bier zu brauen?

Im Norden Skandinaviens lebten also schon vor über 5.000 Jahren Menschen, die ihre traditionelle Lebensweise als Jäger und Sammler zumindest teilweise aufgaben und nebenher Landwirtschaft betrieben. Und vieles deutet darauf hin, dass sich die Landwirtschaft dort nicht ausgebreitet hat, indem Bauernvölker aus Mitteleuropa eingewandert sind, sondern dass die einheimischen Jäger und Sammler die neolithische Lebensweise ihrer südlichen Nachbarn übernommen haben.
Dass selbst Menschen, die in einem ökologischen Grenzgebiet zur Arktis lebten, in dem kaum etwas wächst, schon vor über 5.000 Jahren versucht haben, Landwirtschaft zu betreiben, lässt vermuten, dass diese Lebensweise durchaus ihren Reiz hatte. Ob der darin bestand, dass man aus Gerste und Weizen Bier brauen und anschließend wilde Partys feiern kann, muss aber erst noch bewiesen werden.
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