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Es gibt keine Verbindung zwischen großen Gehirnen und kleinen Zähnen

Es gibt keine Verbindung zwischen großen Gehirnen und kleinen Zähnen
Die Größe des Gehirns und die Verkleinerung der Zähne haben sich beim Menschen unabhängig voneinander entwickelt, sagen US-Forscher. Es gab keine Koppelung.
Foto: © Gomez-Robles et al.
ALTE THEORIE AUFGEBOHRT Die Entwicklung vom Menschenaffen zum Hominiden vollzog sich in drei Schritten. 1. Der aufrechte Gang. 2. Ein größeres Gehirn. 3. Ein kleineres Gebiss. Und bislang dachte man, dass die Vergrößerung des Gehirns und die Verkleinerung der Zähne parallel verliefen und einen gemeinsamen Auslöser hatten - zum Beispiel neue Nahrungsquellen.
Aida Gomez-Robles von der George Washington Universität und ihre Kollegen haben sich die Gehirnentwicklung und die Entwicklung der Zähne vom Australopithecus bis zum Homo sapiens noch einmal ganz genau angeschaut und kommen zu einem ganz anderen, überraschenden Ergebnis.

Unterschiedliche Entwicklungsmuster

Vor 7 Millionen Jahren begann die Entwicklung des Menschen. Und seither sind die Gehirne immer größer und die Zähne immer kleiner geworden. Weil beide Faktoren das Volumen und die Form des Schädels beeinflussen (und umgekehrt), dachte man, dass sich Hirnentwicklung und Zahnentwicklung gegenseitig beeinflusst haben und nach einem ähnlichen Muster verlaufen sind. Doch das scheint nicht zu stimmen.
"Die Entwicklung des menschlichen Gehirns und der Zähne sind ganz unterschiedlich verlaufen und wurden wahrscheinlich von ganz anderen ökologischen und Verhaltensfaktoren beeinflusst", sagen Aida Gomez-Robles und ihr Team.
Während sich die Zähne sehr gleichmäßig über einen langen Zeitraum verändert haben, vergrößerte sich das menschliche Gehirn in relativ kurzer Zeit, schreiben die Forscher im Fachmagazin PNAS. Daher halten sie es für sehr unwahrscheinlich, dass es einen Zusammenhang zwischen Hirn- und Zahnentwicklung gab.

Vom Australopithecus bis zum Homo sapiens

Aida Gomez-Robles, Jeroen Smaers (Stony Brook Universität) und Ralph Holloway (Columbia Universität) haben Datensätze zur Hirnentwicklung und Zahnentwicklung bei Australopithecus, Paranthropus, Homo erectus, Neandertaler und Homo sapiens miteinander verglichen und kommen zu dem Ergebnis, dass die Evolution von Gehirn und Zähnen nicht aneinander gekoppelt waren.
Die Wachstums- bzw. Verkleinerungsmuster von Hirn und Zähnen unterscheiden sich deutlich, sagen die Forscher. Sie widersprechen damit der weit verbreiteten Theorie, dass sich das menschliche Gehirn und die Zähne des Menschen parallel und aus den gleichen Gründen verändert haben - zum Beispiel durch Werkzeuggebrauch oder Nahrungsumstellung.

Ein weiterer Hinweis auf Makroevolution

Die Beobachtung, dass sich das menschliche Gehirn in relativ kurzer Zeit deutlich vergrößert hat, stützt die Theorie, dass es irgendwann in der Zeit vor 3,0 bis 2,0 Millionen Jahren zu einem "spontanen" Evolutionssprung kam und dass sich die Gattung Homo in kurzer Zeit entwickelt hat. Man nennt das auch Makroevolution.
Warum es zu dieser schnellen Abspaltung der menschlichen Linie von den anderen aufrecht gehenden Hominiden kam und wodurch sie ausgelöst wurde, ist noch unklar. Allerdings verdichten sich die Hinweise, dass der Mensch nicht über einen langen Zeitraum durch kleine gleichmäßige Evolutionsschritte entstanden ist, sondern dass es so etwas wie einen "evolutionären Urknall" gab. Ob der durch eine gravierende genetische Zufallsmutation oder durch Umwelteinflüsse ausgelöst wurde, ist zurzeit völlig offen.
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Georg Wilhelm Exler

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