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Ohne den Knöchelgang würde der Mensch heute nicht aufrecht gehen

Ohne den Knöchelgang würde der Mensch heute nicht aufrecht gehen
Der evolutionäre Stammbaum der Fußknochen nach Thomas Prang. Der US-Forscher hat zwei Knotenpunkte ausgemacht, die zur Entstehung des aufrechten Gangs geführt haben.
Quelle: © Thomas Prang / NYU
AUS VIER MACH ZWEI Nach der Entdeckung und gründlichen Untersuchung des berühmten Fossils Ardi (Ardipithecus ramidus) im Jahr 2009 hieß es, der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse sei wahrscheinlich kein Bodenbewohner gewesen, sondern habe noch auf Bäumen gelebt. Der aufrechte Gang habe sich bereits entwickelt, als die Vorfahren des Menschen noch auf Bäumen lebten.
Dem widerspricht nun Thomas Prang von der Universität New York. Er hat die Fußknochen von Ardi und Mensch mit denen von Schimpanse, Gorilla, Orang-Utan und Gibbon verglichen. Prang kommt im Fachmagazin eLive zu dem Ergebnis, dass sowohl Ardi als auch der spätere Mensch von einem auf dem Erdboden lebenden Menschenaffen abstammen.

Wie bewegte sich der letzte gemeinsame Vorfahre?

"Unsere einzigartige Art der Fortbewegung verdanken wir einem Vorfahren, der sich ähnlich wie die heutigen afrikanischen Menschenaffen fortbewegt hat", sagt Thomas Prang. "Oder anders formuliert: der gemeinsame Vorfahre, den wir uns mit den Schimpansen und Bonobos teilen, war ein afrikanischer Menschenaffe, dessen Anatomie sich bereits an das Leben auf dem Erdboden angepasst hatte."
Thomas Prang hat die Längenverhältnisse mehrerer Fußknochen von Mensch, Menschenaffe und Ardipithecus vermessen und analysiert, um herauszufinden, in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Anschließend ließ er ein Computerprogramm anhand dieser Daten berechnen, wie die Füße des letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse ausgesehen haben müssen.

Zwei evolutionäre Knotenpunkte

Prang kommt zu dem Ergebnis, dass sich der vierbeinige Knöchelgang der heutigen afrikanischen Menschenaffen herausbildete, als sich die Entwicklungslinie, die zum Gorilla, Schimpansen, Ardipithecus und Menschen führte, von den Orang-Utans und Gibbons abgespalten hat.
Eine zweite evolutionäre Aufspaltung gab es, als sich die Hominini (Ardipithecus / Mensch) von den Schimpansen/Bonobos trennten. Die Schimpansen und Bonobos blieben beim vierbeinigen Knöchelgang, während sich der Ardipithecus und die Vorfahren des Menschen auf ihre Hinterbeine stellten und fortan aufrecht gingen.

Der Knöchelgang entwickelte sich zum aufrechten Gang

"Der Mensch muss einen Vorfahren gehabt haben, der sich bereits an das Leben auf dem Erdboden angepasst hatte", sagt Thomas Prang. "Meine Ergebnisse deuten darauf hin, dass der menschliche Bipedalismus von einer Fortbewegungsart abgeleitet wurde, die der heute lebender afrikanischer Menschenaffen sehr ähnlich war."
Thomas Prang glaubt, dass der Mensch heute nicht aufrecht ginge, wenn sich zuvor nicht der vierbeinige Knöchelgang entwickelt hätte. Der aufrechte Gang ist seiner Meinung nach nur eine zweite hochspezialisierte Anpassung an das Leben auf der Erdboden.

Der Ardipithecus war kein Baumbewohner mehr

Sollte Prang richtig liegen und sein Computer richtig gerechnet haben, dann war der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse ein Knöchelgänger, der sich auf allen Vieren fortbewegte. Und er lebte definitiv auf dem Erdboden. Damit widerspricht der US-Forscher der Theorie der Ardi-Entdecker, dass sich der Ardipithecus ramidus noch vorwiegend auf Bäumen aufhielt.
Thomas Prang: "Man muss die Entstehung des Bipedalismus im evolutionären Kontext betrachten. Solche grundlegenden Veränderungen geschehen nicht spontan. Sie haben anatomische Wurzeln. Und die kann man aus dem Fossilbestand herauslesen."

Klare lineare Entwicklungslinie

Laut Prang begann die Entwicklung des aufrechten Gangs in dem Moment, als die ersten Menschenaffen die Bäume verließen und anfingen, sich auf allen Vieren fortzuwegen. Sie entwickelten den Knöchelgang.
Die Schimpansen, Bonobos und Gorillas haben diese Fortbewegungsart bis heute beibehalten. Wahrscheinlich gab es in ihrem bewaldeten Lebensraum keinen Grund, das zu ändern. Doch die Vorfahren des Menschen, die Hominini, die in offenen Savannen lebten, gingen einen anderen Weg. Sie stellten sich auf ihre Hinterbeine und begannen damit, sich aufrecht fortzuwegen.
Sollte Prang richtig liegen, dann stammen der Ardipithecus und der Mensch nicht von einem Menschenaffen ab, der sich noch durch das Geäst von Bäumen hangelte, sondern von einem Bodenbewohner, der sich auf allen Vieren fortbewegte. Und aus diesem vierbeinigen Knöchelgang entwickelte sich der aufrechte Gang.
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EVOLUTION & MEINUNG

Mir ist bis heute noch kein Problem - wie kompliziert auch immer - begegnet, dass sich nicht durch den richtigen Blickwinkel noch stärker verkomplizieren ließe.
Paul Alderson

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