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Hat uns unser einzigartiger Schlaf zum Menschen gemacht?

Hat uns unser einzigartiger Schlaf zum Menschen gemacht?
Der Mensch schläft anders als ein Menschenaffe oder andere Primaten - viel kürzer und viel tiefer. Hat uns unser einzigartiger Schlaf vom Affen zum Menschen werden lassen?
Symbolbild
SCHLAF UND GEHIRN Das menschliche Gehirn ist einzigartig auf unserem Planeten. Das Gleiche gilt für den Schlaf des Menschen. Unser Schlaf unterscheidet sich deutlich von dem der Menschenaffen und anderer Primaten. Möglicherweise hat der menschliche Schlaf dazu beigetragen, den Menschen zu dem zu machen, was er heute ist, sagen Anthropologen der kanadischen Universität Toronto.
Geht es um die Entstehung des Menschen, dann werden immer wieder Merkmale wie der aufrechte Gang, Werkzeuggebrauch und soziale Kooperation genannt.
"Der menschliche Schlaf taucht in diesem Zusammenhang nie auf", sagt der Anthropologe David Samson. "Sollte er aber, denn der menschliche Schlaf ist wirklich einzigartig."

Schlaf und Evolution des Gehirns

Der Mensch schläft im Schnitt 7 Stunden pro Tag. Das ist deutlich weniger als ein Schimpanse (9,5 Stunden) oder andere Primaten (bis zu 17 Stunden). Doch die Tiefschlafphasen (REM) des Menschen sind bedeutend länger als bei den nicht-menschlichen Primaten.
"Der menschliche Schlaf ist kürzer und tiefer - mit anderen Worten: effizienter - als der unserer engsten Verwandten", so Samson. "Wir sind in dieser Hinsicht ein Ausreißer der Evolution".
Samson und seine Kollegen vermuten, dass diese völlig andersartige Art des Schlafens Einfluss auf die Entwicklung des menschlichen Gehirns hatte und für die Evolution des Menschen mindestens genauso wichtig war, wie der aufrechte Gang.

Wenig Schlaf und soziale Interaktion

Der menschliche Schlaf hat sich wahrscheinlich vor 2,0 Millionen Jahren mit dem Homo erectus entwickelt, sagen die kanadischen Forscher. Als unser Vorfahre zu groß wurde, um auf Bäumen zu schlafen, und sich nun dauerhaft auf dem Erdboden aufhielt, musste er neue Strategien entwickeln, um nicht im Schlaf von Raubtieren gefressen zu werden.
Das Ergebnis war ein kürzerer, dafür aber tieferer Schlaf mit mehr Wachzeiten. Außerdem begann der Homo erectus, in immer größeren Gruppen zu leben. Dies hatte den Vorteil, dass meist eines der Gruppenmitglieder wach war und Alarm schlagen konnte, wenn Gefahr drohte.
Einige afrikanische Jäger und Sammler-Völker wie die Hazda nutzen diese Strategie bis heute, sagt Samson. Das fand er heraus, indem er eine Hazda-Gruppe mit Trackern ausstattete und 20 Nächte lang ihr Schlafverhalten beobachtete. Dabei stellte sich heraus, dass es pro Nacht nur 18 Minuten gab, in denen wirklich alle Mitglieder der Gruppe schliefen. Meist waren 40 Prozent in der einen oder anderen Weise aktiv, so Samson.

Die Theorie lässt sich nur schwer beweisen

Der Schlaf unterscheidet den Menschen so elementar von den nicht-menschlichen Hominiden wie der aufrechte Gang, der Werkzeuggebrauch und die Fähigkeit, Feuer zu machen, glaubt Samson. Und er vermutet, dass diese völlig andere Art der Nachtruhe die Hirnentwicklung des Menschen stark beeinflusst hat.
Der kanadische Anthropologe räumt allerdings ein, dass seine Theorie zwar plausibel, aber nur schwer zu beweisen ist.
"Leider werden wir niemals die Möglichkeit haben, einen Homo erectus an ein EEG anzuschließen", sagt Samson augenzwinkernd.
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EVOLUTION & MEINUNG

Es gibt vielleicht wissenschaftliche Gesetze über die Evolution, aber Darwins Theorie, eine Evolution durch natürliche Auslese betreffend, ist hoffnungslos metaphysisch.
Richard Lewontin

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