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Ist der älteste Australier weniger wert als der Brite James Cook?

Ist der älteste Australier weniger wert als der Brite James Cook?
Jim Bowler entdeckte 1974 den berühmten Mungo Man. Doch wie man heute mit dem bedeutenden Fossil umgeht, bezeichnet er als "absolute Schande".
Foto: © Jim Bowler
FOSSILIEN-RASSISMUS? Gebührt dem ältesten menschlichen Fossil, das man bislang in Australien gefunden hat, der gleiche Respekt wie dem britischen Seefahrer James Cook, der Australien im Jahr 1770 entdeckt haben soll? Ja, finden die australischen Aborgines und üben enormen öffentlichen Druck auf die Regierung aus.
Der Mungo Man, wie man ihn nach seinem Fundort am Lake Mungo 740 Kilometer westlich von Sydney benannt hat, lebte vor 42.000 Jahren. Der Geologe Jim Bowler fand seine schlecht erhaltenenen, aber beinahe vollständigen Überreste im Jahr 1974. Und vierzig Jahre lang stritten die Aborigines, die ihn für einen ihrer frühen Vorfahren halten, und die Wissenschaft darüber, was aus ihm werden soll.

Namenlose Beisetzung im Jahr 2017

Vierzig Jahre lang lagerten die fossilen Knochen des Ur-Australiers in der Australischen National Universität in Canberra. Und vierzig Jahre lang forderten die australischen Aborigines von der Regierung, ihren Vorfahren würdevoll bestatten zu dürfen.
Entschieden wurde der Streit erst im Jahr 2017, als der Mungo Man in seine Heimat zurückkehren durfte und im Weltkulturerbe Willandra Lakes beigesetzt wurde. Allerdings war es eine anonyme Bestattung am Rande des Nationalparks und das von der Regierung in Aussicht gestellte Denkmal und ein Bildungszentrum wurden nie gebaut. Und es gibt offenbar auch keine Pläne, das noch zu tun.
Seither mobilisieren die Aborigines-Stämme der Mutthi Mutthi, Ngyiampaa und Paakantyi die Medien, um öffentlichen Druck auf die Regierung auszuüben. Und im TV- und Radiosender ABC scheinen sie einen starken Partner gefunden zu haben.

"Das ist eine absolute Schande"

Die Argumentation der australischen Ureinwohner ist ebenso einfach wie einleuchtend. Die australische Regierung hat viel Geld für die Erweiterung des Australian War Memorial ausgegeben und James Cook hat eine beeindruckende Statue bekommen - nur für den Mungo Man ist kein Geld da.
TV-Sender ABC unterstützt diese Bemühungen, indem man regelmäßig über den Fall berichtet. Erst kürzlich ließ man Mungo Man-Entdecker Jim Bowler zu Wort kommen. Und der fand deutliche Worte. Bowler: "Nichts für diesen Schatz der Menschheitsgeschichte auszugeben, ist eine absolute Schande."
Inzwischen hat ABC sogar eine offizielle Anfrage an die australische Regierung gestellt, was man denn im Falle des Mungo Man zu tun gedenke. Eine Antwort gab es bislang nicht. Und so ist weiterhin offen, was aus dem ältesten Australier wird. Verfaulen seine fossilen Überreste in einem namenlosen Grab oder bekommt er eine letzte Ruhestätte, die der Bedeutung dieses außergewöhnlichen Fossilfundes gerecht wird?
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