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Der geheimnisvolle Mongolanthropus war ein Homo sapiens

Der geheimnisvolle Mongolanthropus war ein Homo sapiens
Ein rätselhafter Schädel aus der Mongolei. Bislang dachte man, dass es sich um eine archaische Menschenform handelt. Doch eine neue Untersuchung widerlegt das eindeutig.
Foto: © Maud Dahlem, Museum de Toulouse
RÄTSEL GELÖST Das einzige menschliche Fossil, das man bislang in der Mongolei entdeckt hat, der sogenannte Mongolanthropus, war kein Urmensch, sondern ein Homo sapiens, der vor 34.000 bis 35.000 Jahren gelebt hat. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Forscher der Universität Oxford, die den Schädel noch einmal neu untersucht und datiert haben.
Bislang dachte man aufgrund der vielen archaischen Merkmale, die dem Homo erectus und dem Neandertaler ähneln, dass es sich um eine frühe Menschenform gehandelt haben muss, die im mittleren oder sogar frühen Pleistozän lebte. Doch die britischen Forscher, die den Fund noch einmal mit modernster Technik unter die Lupe genommen haben, kommen zu einem ganz anderen Ergebnis.

Das Alter passt zu den entdeckten Werkzeug-Tools

Dr. Thibaut Deviese und seine Kollegen haben für ihre Datierung des mongolischen Schädels eine neue, verbesserte Radiokarbon-Methode genutzt, die sich auf nur eine in den Knochen erhaltene Aminosäure (Hydroxyprolin) konzentriert. Dadurch lassen sich Messungenauigkeiten durch Verunreinigungen weitestgehend ausschließen, so die Forscher.
Sollte das stimmen, dann hat der Mongolanthropus vor 34.950 bis 33.900 Jahren gelebt. Er muss also ein Homo sapiens gewesen sein. Dies deckt sich mit Werkzeugen, die man in der Mongolei gefunden hat. Sie stammen aus der gleichen Zeit und ihre Technologie ist charakteristisch für den Homo sapiens.

Die DNA des Mongolanthropus gibt es heute noch

Einem Forscherteam des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig unter der Leitung von Diyendo Massiliani ist es außerdem gelungen, Erbgut aus dem fossilen Schädel zu gewinnen und die mitochondriale DNA zu analysieren. Dabei fanden sie die Haplogruppe N, die heute in Eurasien weit verbreitet ist - ein weiterer Beleg dafür, dass der mongolische Schädel von einem modernen Menschen stammt.
"Dieser rätselhafte Schädel hat die Forschung lange Zeit verwirrt", sagt Professor Tom Higham, der die PalaeoChron-Forschungsgruppe an der Universität Oxford leitet. "Nun wissen wir, dass es sich um einen modernen Menschen handelte. Und das Alter des Fossils passt perfekt zu den archäologischen Funden in der Mongolei."
Der Mongolanthropus war also höchstwahrscheinlich ein Cro Magnon Mensch, wie man ihn aus Westeuropa kennt. Und von denen weiß man, dass einige noch sehr ursprünglich aussahen.
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EVOLUTION & MEINUNG

Die meisten Arten zeigen keine gerichteten Veränderungen während ihrer Existenz auf Erden. Von ihrer Erscheinungsform im Fossilbericht her sehen sie fast genauso aus wie zum Zeitpunkt ihres Verschwindens.
Stephen Jay Gould

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