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UNGETÜME DER EISZEIT

Der Mensch hat den Riesenbiber weder gejagt noch ausgerottet

Der Mensch hat den Riesenbiber weder gejagt noch ausgerottet
Tessa Plint mit dem Modell eines Riesenbibers. Diese gewaltigen Tiere waren anders als heutige Biber, sagt die Forscherin. Was erklären könnte, warum sie nicht von Menschen gejagt wurden.
Foto: © Western University
DAS WAREN KEINE BAUMEISTER Bis vor 10.000 Jahren lebten in Nordamerika und Kanada riesige Biber, die 2 Meter lang und über 100 Kilogramm schwer wurden. Seltsamerweise hat man bislang keine archäologischen Hinweise darauf gefunden, dass diese Giganten von Menschen gejagt wurden.
Forscher der kanadischen Western University haben nun herausgefunden, woran das gelegen haben könnte. Sie kommen nach der Analyse der gewaltigen Biberzähne zu dem Ergebnis, dass diese Tiere kein Holz aßen wie heutige Biber, sondern sich wahrscheinlich von Wasserpflanzen ernährt haben. Sie lebten in schwer zugänglichen Sumpfgebieten.

Andere Zähne, andere Nahrung

Tessa Plint und Fred Longstaffe haben herausgefunden, dass sich die Schneidezähne von Riesenbiber und heutigem Biber deutlich unterscheiden. Während die Schneidezähne heutiger Biber wie Meißel geformt sind, waren die Zähne der ausgestorbenen Riesenbiber breiter und flacher. Sie haben also kein Holz zerkleinert, sondern weichere Pflanzen gekaut.
Sollte das stimmen, dann waren die Riesenbiber keine "Ökosystem-Ingenieure", die Dämme gebaut und sich ihren Lebensraum selbst gestaltet haben, sondern wahrscheinlich Sumpflandbewohner, die sich vor allem von Wasserpflanzen ernährt haben. Das bestätigen auch Isotopen-Untersuchungen der Zähne.
Dies könnte erklären, warum die riesigen Biber trotz ihrer Fleischmassen und ihres dicken Fells niemals von Menschen gejagt wurden. Sie lebten in einem Habitat, das extrem schwer zugänglich war. Mammuts, Mastodons und Wildpferde waren da eine deutlich leichtere Beute.

Das Ende der Eiszeit bedeutete das Ende des Riesenbibers

Der Mensch hat die Riesenbiber also nicht ausgerottet (Overkill-Hypothese). Trotzdem sind sie vor 10.000 Jahren ausgestorben. Tessa Plint und Fred Longstaffe vermuten, dass das mit dem Ende der Eiszeit zu tun hatte. Überall wurde es wärmer und trockener. Die ausgedehnten Sumpflandschaften, auf die sich die Riesenbiber spezialisiert hatten, verschwanden. Und da sie keine Dämme bauen konnten, verloren sie ihren Lebensraum.
"Die Fähigkeit, Dämme und Unterschlüpfe aus Holz bauen zu können, verschaffte den heutigen Bibern einen deutlichen Vorteil gegenüber den Riesenbibern", sagt Fred Longstaffe. "Als sich die Landschaft veränderte, erschufen sie sich ihre eigenen Feuchtland-Habitate. Die Riesenbiber konnten das nicht."
Die neue Studie, die im Fachmagazin Scientific Reports erschienen ist, wirft ein neues Licht auf das Aussterben der großen Säugetiere vor 13.000 bis 10.000 Jahren. Einige Arten sind offenbar nicht verschwunden, weil sie vom Menschen ausgerottet wurden oder einem Asteroideneinschlag zum Opfer fielen (so eine andere Theorie), sondern weil sie nicht in der Lage waren, sich dem Klimawandel am Ende der Eiszeit anzupassen.
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Die größte Tragödie in der Wissenschaft überhaupt ist der Tod einer wunderschönen Hypothese durch die Hand einer hässlichen Tatsache.
Thomas Henry Huxley

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