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Der Meganthropus war kein Mensch, sondern ein Menschenaffe

Der Meganthropus war kein Mensch, sondern ein Menschenaffe
Das Kieferfragment von Meganthropus im Vergleich zu Homo erectus und Orang Utan. Die Zahnmerkmale unterscheiden sich deutlich.
Foto: © Senckenberg
RÄTSELHAFTES FOSSIL Der 1941 auf der Insel Java entdeckte und 1950 als Urmensch "Meganthropus palaeojavanicus" klassifizierte Unterkiefer Sangiran 6a stammt weder von einem frühen Menschen noch von einem Vorfahren der heutigen Orang-Utans. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam, dem auch Experten des Senckenberg Forschungszentrums in Frankfurt angehörten.
Die Forscher haben das 1,0 Millionen Jahre alte Fossil - ein fragmentierter Unterkiefer mit drei Zähnen - noch einmal mit modernster Technik analysiert und dabei festgestellt, dass sich die Zähne deutlich von Homo erectus und den Orang-Utans unterscheiden.

Ein Fossil, das in kein Schema passt

Als der deutsche Paläoanthropologe Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald in den 1930er Jahren damit begann, auf der indonesischen Insel Java nach menschlichen Fossilien zu suchen, entdeckte er zahlreiche Überreste von Homo erectus, aber auch Kiefer und Zähne, die er Menschenaffen zuordnete, die in die Entwicklungslinie des Orang-Utan gehören.
Doch ein Fossil, Sangiran 6a, wollte in kein Schema passen. Der fragmentierte Unterkiefer mit drei Zähnen war für einen Homo erectus zu groß und für einen Vorfahren der Orang-Utans zu klein. 1950 entschied sich Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald, die neue Art "Meganthropus palaeojavanicus" aus der Taufe zu heben. Und wie der Name verrät, ordnete er das Fossil der menschlichen Linie zu.
Gab es also eine zweite Menschenart, die vor 1,0 Millionen Jahren auf der Insel Java parallel zu Homo erectus lebte? Der Verdacht verdichtete sich, als der deutsche Anthropologe Hans Weinert einen Fund aus Afrika ebenfalls dem Meganthropus zuordnete.

Das war kein Vorfahre des Menschen

Das war kein Mensch, sondern ein Menschenaffe, schreiben jetzt Forscher im Fachjournal "Nature Ecology & Evolution". Das von Clement Zanolli von der Universität Bordeaux geleitete Expertenteam kommt zu dem Ergebnis, dass der Kiefer und die Zähne von einem bislang unbekannten, ausgestorbenen Menschenaffen stammen.
"Unsere mikro-computertomographischen Untersuchungen und die Analyse des Zahnschmelzes zeigen, dass die Zähne weder zu Homo erectus noch zu den Orang-Utans gehören", erläutert Zanolli und ergänzt: "Es gibt zudem keinerlei Hinweise darauf, dass es sich um einen Vorfahren des heutigen Menschen handelt."

Ein unbekannter ausgestorbener Menschenaffe

Dr. Ottmar Kullmer vom Senckenberg Forschungsinstitut: "In der Vergangenheit gab es immer wieder wissenschaftliche Kontroversen über den 'mysteriösen Hominiden Meganthropus'. Die neuen Daten zeigen nun, dass sich die Zähne sowohl von den Zähnen des Homo erectus als auch von denen der Orang-Utans deutlich unterscheiden."
Also kein aufrecht gehender Hominide oder gar ein Mensch, der vor 1,0 Millionen Jahren neben Homo erectus und den Vorfahren der Orang-Utans auf der Insel Java gelebt hat, sondern ein bislang unbekannter Menschenaffe, der irgendwann ausgestorben ist.

Keine menschliche Ernährung

Dass der Meganthropus ein Menschenaffe war, belegen auch die Abnutzungsspuren auf den Backenzähnen. Sie gleichen denen fossiler und heute lebender Orang-Utans, so die Forscher. Das heißt, der Meganthropus hat sich vorwiegend von Früchten und anderen über der Erde wachsenden Pflanzenteilen ernährt. Er war kein Bodenbewohner.
"Homo erectus dagegen war vermutlich aufgrund seiner Fähigkeit, Nahrung unterschiedlich zuzubereiten, flexibler in seiner Ernährung", erklärt Dr. Ottmar Kullmer. "Ob eine einseitigere Ernährung oder gar Homo erectus selbst zum Aussterben von Meganthropus beigetragen haben, ist aber nicht belegt."
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