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Homo sapiens ist ein spezialisierter Generalist und damit einzigartig

Homo sapiens ist ein spezialisierter Generalist und damit einzigartig
Die Verbreitungsgebiete von Homo erectus, Denisovas, Neandertaler und Homo sapiens. Sie unterscheiden sich deutlich.
Grafik: © Roberts,Stewart | Bearbeitung Ramuck
Warum war der Homo sapiens so erfolgreich und hat sich über die gesamte Welt ausbreiten können, während alle anderen Menschenarten ausgestorben sind? Weil er ein "Spezialisierter Generalist" war, schreiben Forscher des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte und der Universität Michigan in einem Beitrag für das Magazin "Nature Human Behaviour".
Es waren nicht Kunst, Sprache oder Technologie, die den modernen Menschen so erfolgreich gemacht haben, sondern seine Fähigkeit, Lebensräume zu besiedeln, in denen archaische Menschenarten nicht klar kamen. Die Spezies Homo sapiens ist vor allem ökologisch einzigartig, so Erstautor Patrick Roberts und seine Kollegen.

Keine Angst vor extremen Lebensräumen

Die Forscher haben nahezu alle archäologischen und paläoökologischen Datensätze über die Lebensräume ausgestorbener Menschenarten ausgewertet und dann mit denen des Homo sapiens verglichen. Dabei stellten sie fest, dass der Homo erectus, der Neandertaler und die Denisovas ein Landschaftsmosaik aus Wald und Grasflächen bewohnt haben. Wüsten, Regenwälder, Berge und die Arktis mieden sie.
Ganz anders der Homo sapiens. Er besiedelte diese extremen Lebensräume nicht nur, sondern schaffte es auch, sich ihnen körperlich anzupassen. Er lernte, in größen Höhen mit wenig Sauerstoff auszukommen, der Kälte der Arktis zu trotzen und die klebrige Hitze tropischer Regenwälder auszuhalten.

Der Homo sapiens ist ein "Spezialisierter Generalist"

Studienleiter Patrick Roberts: "Es gibt eine traditionelle ökologische Zweiteilung zwischen Generalisten, die eine Vielzahl von verschiedenen Ressourcen nutzen und vielfältige Lebensräume bewohnen können, und Spezialisten, die eine spezifischere Ernährung und geringere Toleranz gegenüber wechselnden Umweltbedingungen haben. Der Homo sapiens als eigentlich generalistische Art umfasst jedoch auch spezialisierte Populationen, wie z. B. die Bewohner von Bergregenwäldern oder paläoarktische Mammutjäger."
Heißt im Klartext: Der moderne Mensch ist eigentlich ein Generalist und kommt in vielen Lebensräumen klar. Doch wenn es darauf ankommt, kann er sich auch hochgradig spezialisieren. Nur deshalb gibt es heute Buschmänner, Hochland-Tibeter und Eskimos - extreme Anpassungen an extreme Lebensräume.

Den ökologischen Aspekt mehr beachten

Die Forscher betonen, dass ihr Modell vorläufig noch eine Hypothese ist, die jederzeit durch fossile Beweise für die Besiedlung extremer Lebensräume durch anderen Homo-Arten widerlegt werden kann. Zum Beispiel durch den Schädel eines Neandertalers, der auf dem Himalaya gelebt hat.
Allerdings regen sie auch an, den ökologischen Anpassungen der verschiedenen Menschenarten künftig mehr Aufmerksamkeit zu schenken und diesen Aspekt in alle Forschungsarbeiten einzubeziehen. Schließlich geht es um die Frage: Was ist so besonders am Homo sapiens, dass er all seine Vorfahren und Vettern überlebt hat? Was bedeutet es, ein moderner Mensch zu sein?
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