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Der Homo erectus folgte den Küstenregionen des Roten Meeres

Der Homo erectus folgte den Küstenregionen des Roten Meeres
Welchen Weg nahm der Homo erectus, um als erste Menschenart Afrika zu verlassen? Faustkeile vom Roten Meer deuten auf eine bislang unterschätzte Route hin.
Foto: © Beyin et al.
STRANDLIEBHABER Vor etwa 2 Millionen Jahren entstand in Ostafrika der Urmensch Homo erectus. Vor 1,8 Millionen Jahren tauchte er auch im Kaukasus auf, vor 1,6 Millionen Jahren in Asien und vor 1 Million Jahren in Europa. Das belegen Fossil- und Werkzeugfunde.
Unklar ist bis heute, welche Route der Homo erectus nahm, um seinen Heimatkontinent zu verlassen. Weit verbreitet sind zwei Theorien:
Viele Forscher glauben dass der Homo erectus dem fruchtbaren Flussdelta des Nil folgte und über die Sinai-Halbinsel nach Asien und Europa gelangt ist. Andere vermuten, dass es damals eine Landbrücke zwischen Ostafrika und der arabischen Halbinsel gab. Der Homo erectus soll das Rote Meer überquert und sich von Arabien nach Asien und Europa ausgebreitet haben.

Der Homo erectus folgte dem Küstenverlauf des Roten Meeres

Amanuel Beyin von der Universität Louisville, Ahmed Hamid Nassr von der Ha'il Universität und Parth Randhir Chauhan vom Forschungsinstitut Mohali bringen nun eine dritte Ausbreitungsroute ins Gespräch. Sie soll sich auf der afrikanischen Seite des Roten Meeres befunden haben und von Kenia über den Sudan und Eritrea nach Ägypten geführt haben.
Die drei Forscher glauben, dass sich der Homo erectus über Afrikas östliche Küstenregionen in Richtung Nordafrika ausgebreitet hat und von dort aus nach Asien und Europa gelangt ist. Als Beleg für diese neue Theorie dienen ihnen Faustkeile, die sie im Sudan gefunden haben.

Zahlreiche Faustkeile in den Küstenebenen

Wie die drei Forscher berichten, haben sie in den Küstenregionen des Roten Meeres, die heute auf dem Gebiet des Sudan liegen, zahlreiche Faustkeile entdeckt, die aus der Zeit vor 1,5 Millionen bis 500.000 Jahren stammen. Das heißt, der Homo erectus muss sie hinterlassen haben.
Aufgrund der großen Anzahl der Funde und der Tatsache, dass sie allesamt aus den Küstenebenen der Region stammen, glauben Beyin, Nassr und Chauhan, dass dieses Gebiet für die Ausbereitung des Homo erectus eine wichtige Rolle spielte. Sie bezeichnen ihre Theorie als Rotes Meer-Route.

Der Nil war lange Zeit ausgetrocknet

Gegen die Ausbreitung des Homo erectus entlang des Nil spricht nach Ansicht der Forscher, dass der Nil in der Zeit vor 1.8 Millionen bis 800.000 Jahren nahezu ausgetrocknet war. Es gab damals kein fruchtbares Flussdelta, dem die Urmenschen hätten folgen können.
Auch die Theorie, dass es einmal eine Landbrücke über den Golf von Aden gab, die sogenannte Bab al-Mandab-Route, steht nach Ansicht der Forscher auf tönernen Füßen. Die geologischen Beweise dafür, dass es diese Landbrücke wirklich einmal gab, sind schwach und umstritten.

Einzigartiger Teil Afrikas

Beyin, Nassr und Chauhan halten es für viel plausibler, dass sich der Urmensch Homo erectus nicht durchs Landesinnere Afrikas oder übers Meer nach Asien und Europa ausgebreitet hat, sondern entlang der östlichen Küstenregionen entlang des Roten Meeres.
"Wir glauben, dass diese Region ein wichtiger früher Ausbreitungskorridor war - und möglicherweise der erste", schreiben die Forscher im Wissenschaftsportal The Conversation.
Die Forscher betonen, dass das Gebiet noch kaum erforscht ist und dass sie weitere Grabungen durchführen wollen, um die "ökologischen und chronologischen Zusammenhänge in diesem einzigartigen Teil Afrikas" besser zu verstehen.
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