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Menschen passten perfekt ins Beuteschema des Homo antecessor

Menschen passten perfekt ins Beuteschema des Homo antecessor
Hat der Homo antecessor Menschen gejagt und gegessen, weil sie im Vergleich zu anderen großen Säugetieren eine leichte Beute waren?
Grafik: © J. Rodriguez
Kannibalismus und Raubtier-Effizienz Der Urmensch Homo antecessor, der vor 900.000 Jahren in Nordspanien lebte, war ein Kannibale. Das belegen zahlreiche menschliche Knochen, die man in der Gran Dolina Höhle gefunden hat. Und spanische Forscher glauben, dass der europäische Urmensch zum Kannibalen wurde, weil Menschen damals die am leichtesten zu erlegende und nahrhafteste Beute waren.
Die spanischen Forscher haben die Fundschicht TD6.2, in der man die kannibalisch verspeisten Überreste gefunden hat, noch einmal neu analysiert und auch nach nichtmenschlichen Fossilien gesucht, um herauszufinden, wie das Beuteschema des Homo antecessor aussah. Hat er vor allem Menschen verspeist? Oder sich überwiegend von Tieren ernährt?

Möglichst viel Fleisch bei möglichst geringem Aufwand

Wie Jesus Rodriguez, Ana Mateos und Guillermo Zorrilla vom spanischen Forschungszentrum für menschliche Evolution (CENIEH) im Fachmagazin Journal of Human Evolution berichten, sind sie vor allem der Frage nachgegangen, ob sich die Optimal Foreaging Theorie auch auf den Menschen anwenden lässt.
Die Optimal Foreaging Theorie besagt - in Kürze - dass alle Raubtiere Nahrungsquellen bevorzugen, die bei möglichst geringem Aufwand den höchsten Energieertrag liefern. Oder anders formuliert: Raubtiere jagen in der Regel Beutetiere, die leicht zu erlegen sind und viel Fleisch liefern.

Menschen waren eine attraktive Nahrungsquelle

Bei ihren Untersuchungen haben Rodriguez, Mateos und Zorrilla festgestellt, dass menschliche Fossilien in der Gran Dolina Höhle gegenüber tierischen Überresten deutlich überrepräsentiert sind. Und das deckt sich mit ihren Analysen hinsichtlich der Optimal Foreaging Theorie, nach der ein Mensch damals eine reizvolle Beute war.
Jesus Rodriguez: "Unsere Analysen zeigen, dass der Homo antecessor wie jedes Raubtier seine Beute unter dem Gesichtspunkt des Aufwand-Nutzen-Verhältnisses auswählte. Ein Mensch war damals eine Beute von hohem Rang. Im Verhältnis zu anderen Beutetieren, die damals in der Region lebten, bot ein Mensch viel Fleisch bei relativ geringem Aufwand."
Ana Mateos glaubt, dass es damals für den Homo antecessor viel leichter war, einem Menschen zu begegnen, als einem anderen großen Säugetier. Und diese hohe Begegnungsrate könnte erklären, warum damals so viele Menschen von ihren Artgenossen verspeist wurden.

Menschliche Nahrung oder Bestattungsritual?

Die neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es vor 900.000 Jahren in Nordspanien wahrscheinlich nur wenige große Säugetiere gab. Und die waren mit den damaligen Jagdtechniken schwer zu erlegen. Ein Mensch war da ein bedeutend leichteres Opfer.
Ob andere Experten das ähnlich sehen, muss man abwarten. Schließlich existieren bereits Studien, die zu dem Ergebnis kamen, dass ein Mensch alles andere als eine leichte Beute ist. Menschen sind schlau, können schnell laufen und sich verteidigen. Und besonders nahrhaft sind sie auch nicht.
James Cole von der Universität Brighton hat vor zwei Jahren ausgerechnet, dass ein Mensch maximal 150.000 Kalorien liefert. Eine Homo antecessor-Sippe hätte davon gerade mal einen Tag lang leben können. Ein Mammut dagegen liefert 3,6 Millionen Kalorien - genug Nahrung für einen ganzen Monat.
Ob der Homo antecessor Menschen gegessen hat, um sich von ihnen zu ernähren, oder ob es sich um Bestattungsrituale handelte, wird also auch nach der neuen Studie umstritten bleiben.
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Mich erstaunen Leute, die das Universum begreifen wollen, wo es schwierig genug ist, in Chinatown zurechtzukommen.
Woody Allen

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