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Ardi konnte aufrecht gehen, lebte aber immer noch auf Bäumen

Ardi konnte sicher aufrecht gehen, lebte aber noch auf Bäumen
Der Ardipithecus ramidus ging aufrecht, war aber immer noch ein guter Kletterer. So lautet das Ergebnis einer neuen Untersuchung.
Foto: © Jay Matternes
Der im Jahr 2010 erstmals rekonstruierte und wissenschaftlich beschriebene Ardipithecus ramidus (Ardi) gibt den Paläoanthropologen nach wie vor Rätsel auf.
Das bestätigt auch eine neue Untersuchung, die Elaine Kozma and Herman Pontzer von der Universität New York durchgeführt haben. Sie analysierten noch einmal das Hüftsystem von Ardi, um herauszufinden, ob und wie sehr die Anpassung an den aufrechten Gang Ardi's Kletterkünste beeinträchtigt hat.

Ungewöhnliche Hüfte

Das Ergebnis der neuen Studie lautet: Ardi's Hüftarrangement unterscheidet sich deutlich von dem späterer Hominiden wie zum Beispiel Australopithecus afarensis, aber auch von den Hüften heutiger Menschenaffen und Menschen.
Laut Kozma und Pontzer besaß Ardi sehr kräftige Hüften, die sie zu einem guten Kletterer machten und es ihr ermöglichten, noch auf Bäumen zu leben. Auf der anderen Seite konnte Ardi aber auch sehr gut aufrecht gehen. Wenn sie sich auf ihre Hinterbeine stellte, dann dehnte sich ihre Hüfte vollständig aus, was zu einem relativ sicheren Stand führte.

Halb Affe, halb Hominide

Die neue Studie bestätigt ältere Untersuchungen, die allesamt zu dem Ergebnis kamen, dass der Ardipithecus ramidus, der vor 4,4 Millionen Jahren lebte, eine Übergangsform war, die noch auf Bäumen lebte, sich aber auch aufrecht fortwegen konnte. Wahrscheinlich stand Ardi dem ersten Menschenaffen, der sich auf seine Hinterbeine stellte und zum Hominiden wurde, sehr nahe.
Eine Studie der Stony Brook Universität hat außerdem ergeben, dass Ardi einen Daumen besaß, der dem der Gorillas viel ähnlicher war als dem eines Australopithecus oder Menschen. Dieser Daumen war offenbar noch nicht in der Lage, den Präzisionsgriff auszuführen, wie man ihn vom Menschen kennt, sondern diente vor allem dazu, sich an Ästen festzuhalten und auf Bäumen herumzuhangeln.
Vieles deutet inzwischen darauf hin, dass der Ardipithecus ramidus ein sehr ursprünglicher Hominide war, der sich anatomisch noch nicht vollständig an den aufrechten Gang angepasst hatte. Allerdings ist unklar, ob Ardi in den Stammbaum des Menschen gehört oder in einer evolutionären Sackgasse endete.
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EVOLUTION & MEINUNG

Je unwahrscheinlicher, aus statistischer Sicht, ein Vorgang ist, desto weniger können wir annehmen, dass er durch blinden Zufall geschah.
Richard Dawkins

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