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Das menschliche Gehirn schrumpft. Werden wir dadurch dümmer?

Das menschliche Gehirn schrumpft. Werden wir dadurch dümmer?
Die Gehirnentwicklung vom Australopithecus bis zum frühen Homo sapiens und Neandertaler. Das Gehirnvolumen hat sich verdreifacht. Doch nun schrumpft es wieder.
Fotomontage: MPI für evolutionäre Anthropologie / Archivfoto
BACK TO THE ROOTS? Vom Superhirn zum Schrumpfkopf? Der Homo sapiens und die Neandertaler, die während der letzten Eiszeit lebten, hatten deutlich größere Gehirne als heutige Menschen. Seit mindestens 10.000 Jahren nimmt das Gehirnvolumen wieder ab.
Woran das liegt, ist nicht so ganz klar. Es gibt mehrere Theorien. Ebenso unklar ist, welche Folgen das hat. Werden wir dümmer? Oder sind unsere kleineren Gehirne ebenso leistungsfähig wie die unserer Vorfahren? Auch hier gibt es unterschiedliche Standpunkte.

Zehn Prozent weniger Gehirn in 10.000 Jahren

Die ersten aufrecht gehenden Hominiden, zum Beispiel der Australopithecus, hatten ein Hirnvolumen von etwa 500 Kubikzentimeter. Der frühe Homo erectus brachte es schon auf 900 ccm. Und der späte Homo erectus konnte mit 1300 ccm aufwarten.
Noch mehr hatten der frühe Homo sapiens und die Neandertaler zu bieten, die während der letzten Eiszeit gelebt haben: 1500 ccm. So jedenfalls Philipp Gunz in einem Forschungsbericht für das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (siehe Grafik).
Seit 10.000 Jahren nimmt das Gehirnvolumen des Homo sapiens wieder ab. Heute liegt es im Schnitt bei nur noch 1.350 ccm. Das sind rund 10 Prozent weniger als während der letzten Eiszeit.

An der Körpermasse kann es nicht liegen

Es gibt mehrere Forschungsansätze, die versuchen, dieses rätselhafte Phänomen zu erklären. Einer geht davon aus, dass unsere Vorfahren kräftiger gebaut und schwerer waren als heutige Menschen. Und es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Gehirngröße. Mit anderen Worten: Unsere Körpermasse hat abgenommen und parallel dazu die Gehirnmasse.
Ist das plausibel? Nein, sagt Professor John Hawks von der Universität Wisconsin. Er konnte in einer Modellrechnung nachweisen, dass die Reduktion des menschlichen Körpergewichts allein nicht erklärt, warum unsere Gehirne so klein geworden sind. Das Gehirn ist deutlich stärker geschrumpft als die Körpermasse.

Spezialisierung und Auslagerung von Wissen

Andere Forscher glauben, dass unsere Gehirne immer kleiner werden, weil sich in den letzten 10.000 Jahren immer komplexere Gesellschaften gebildet haben. Durch Spezialisierung und Arbeitsteilung musste das menschliche Gehirn nicht mehr so viele Informationen speichern wie zuvor. Ein Bauer benötigte nicht mehr das Wissen eines Jägers, ein Schmied kam gut ohne die Kenntnisse eines Fischers aus.
Eine, nennen wir sie mal phantasievolle Theorie geht davon aus, dass das menschliche Gehirn geschrumpft ist, weil der Mensch gelernt hat, Informationen außerhalb seines Gehirns zu speichern. Durch Höhlenmalereien, Schrift und Bücher, und heute durch elektronische Medien kann der Mensch auf Wissen zurückgreifen, das er nicht mehr in seinem Gehirn abspeichern muss. Und diese Entlastung der grauen Zellen soll zu einem kleineren Gehirnvolumen geführt haben.

Erklärungen der modernen Medizin

Interessante Erklärungsansätze liefert möglicherweise die moderne Medizin. So haben Forscher der Yale Universität herausgefunden, dass Stress, schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung das Gehirn schrumpfen lassen. Und britische Forscher sagen, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Körperfett und Gehirnmasse gibt. Je höher der Körperfett-Anteil, desto weniger graue Gehirnmasse ist vorhanden.
Schaut man sich diese Faktoren und die gesellschaftliche Entwicklung in den letzten 10.000 Jahren an, dann könnte das passen. Immer mehr Menschen leben auf engstem Raum zusammen (Stress), die Ernährung ist durch die Erfindung des Ackerbaus einseitig geworden und wir bewegen uns deutlich weniger als unsere Vorfahren, die noch als Jäger und Sammler durchs Land streiften.

Der IQ sinkt erschreckend schnell

Umstritten ist zurzeit, ob unsere schrumpfenden Gehirne Einfluss auf unsere Intelligenz haben. Sind wir dümmer als unsere Vorfahren?
Für diese Theorie spricht, dass der menschliche IQ seit etwa 30 Jahren kontinuierlich sinkt. Wer nach 1975 geboren ist, schneidet bei Intelligenztests deutlich schlechter ab als vorherige Generationen. Das haben u.a. norwegische und britische Forscher herausgefunden. Alle zehn Jahre sinkt der IQ um drei Punkte. Sollte das stimmen und sich fortsetzen, dann mutiert der Homo sapiens in den nächsten fünfzig Jahren zum Grenzdebilen.
Der amerikanische Evolutionsbiologe Gerald Crabtree glaubt, dass der IQ weltweit sinkt, weil keine natürliche Selektion mehr stattfindet. In der Steinzeit hatten dumme Menschen mit kleinen Gehirnen wenig Chancen, alt zu werden und viele Kinder zu zeugen. Dadurch verbreiteten sich vor allem die Gene von schlauen Menschen mit großen Gehirnen. Doch diese natürliche Selektion findet nicht mehr statt. Und dadurch gibt es immer mehr Menschen mit weniger leistungsfähigen Gehirnen - und es verbreiten sich Mutationen, die dem menschlichen Gehirn schaden.
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EVOLUTION & MEINUNG

Noch sind wir keine gefährdete Art, aber es ist nicht so, dass wir nicht oft genug versucht hätten, eine zu werden.
Douglas Adams

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