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Darwin's Schnabeltheorie lässt sich statistisch nicht belegen

Darwin's Schnabeltheorie lässt sich statistisch nicht belegen
Charles Darwin und einer seiner berühmten Finken, die ihn zur Evolutionstheorie inspiriert haben. Doch eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Darwin falsch lag.
Foto: © Public Domain; fabulousfabs, CC BY 2.0 Lizenz
VOLL SCHNABULÖS Schlechte Nachrichten für Charles Darwin. Die unterschiedlichen Schnäbel der berühmten Darwin Finken, die den britischen Naturforscher zu seiner Evolutionstheorie inspiriert haben, sind nicht durch natürliche Selektion entstanden, weil die Vögel auf unterschiedlichen Inseln lebten und andere Nahrungsressourcen nutzten.
Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen britische, spanische und US-amerikanische Forscher, die untersucht haben, ob es einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Schnabelform eines Vogels und der Nahrung, die er frisst, gibt.

Charles Darwin entdeckt seine berühmten Finken

Während seiner mehrjährigen Forschungsreise mit der HMS Beagle nach Südamerika entdeckte Charles Darwin im Jahr 1835 auf mehreren Galapagos-Inseln vor der Küste Ecuadors Finken, die alle eng miteinander verwandt waren und von einem gemeinsamen Vorfahren abstammten, aber ganz unterschiedliche Schnäbel besaßen.
Charles Darwin schloss daraus, dass sich diese Schnäbel durch natürliche Selektion entwickelt hatten, weil sich das Nahrungsangebot auf den Inseln unterschied. Wo es nur hartfaserige Nahrung gab, besaßen die Vögel große, kräftige Schnäbel, wo die Nahrung weicher war, waren die Schnäbel kleiner und anders geformt.
Die heute "Darwin Finken" genannten Galapagos-Vögel inspirierten Charles Darwin zu der Theorie, dass sich alle Lebewesen ihrer Umwelt und den vorhandenen Nahrungsressourcen anpassen und dadurch anatomisch verändern. Und durch diese natürliche Selektion - Vögel mit den "richtigen" Schnäbeln überleben, die anderen nicht - können neue Arten entstehen.

Identische Schnäbel, ganz andere Lebensräume

Hübsche Theorie, nur leider falsch, sagen jetzt Forscher der School of Earth Sciences in Bristol, der Universidad Autonoma in Madrid und der University of South Florida. Sie haben die Schnabelform und das Fressverhalten von tausenden Vogelarten analysiert und kommen zu dem Ergebnis, dass es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Schnabelform und Fressverhalten gibt.
Studienleiter Guillermo Navalon: "Die Verbindung zwischen Schnabelform und Futterökologie war viel schwächer und komplexer, als wir erwartet hatten. Viele Vogelspezies mit nahezu identischen Schnäbeln leben in ganz unterschiedlichen Lebensräumen und nutzen ganz andere Nahrung."
"Wir haben uns eine große Auswahl an Schnabelformen und Nahrungssökologien angesehen", sagt Dr. Jen Bright von der Universität South Florida. "Kolibris, Adler, Papageien, Papageientaucher, Flamingos, so ziemlich jeder Schnabel, den Sie sich vorstellen können."

Der Schnabel ist ein Multifunktionswerkzeug

Die Forscher haben für ihre Entdeckung eine relativ simple Erklärung. Der Schnabel eines Vogels ist das einzige Werkzeug, das ihm zur Verfügung steht. Er nutzt ihn nicht nur zum Fressen, sondern erledigt damit so ziemlich alles, was ein Vogel so tut - Nester bauen, sein Gefieder reinigen, auf Bäumen herumklettern, sich verteidigen, Warnlaute von sich geben.
Das Nahrungsangebot ist nur einer von vielen Faktoren, die Einfluss darauf haben, wie der Schnabel eines Vogels beschaffen ist, sagen Guillermo Navalon und seine Kollegen. Und der Einfluss der Nahrung auf die Schnabelform ist deutlich geringer, als man bislang dachte.
Charles Darwin lag zwar nicht vollkommen falsch, als er die Schnabelform seiner Finken als selektive Anpassung an unterschiedliche Lebensräume deutete, allerdings scheint das Nahrungsangebot eine viel kleinere Rolle zu spielen, als bislang in den Lehrbüchern steht.
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