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BESIEDLUNG SKANDINAVIENS

DNA in Birkenpech beweist: Schweden wurde zweimal besiedelt

DNA in Birkenpech beweist: Schweden wurde zweimal besiedelt
Ein Steinzeit-Kaugummi aus Birkenpech und zwei Plastellin-Abdrücke des Fundstücks. Im Innern des versteinerten Klebstoffs haben Forscher menschliche DNA gefunden.
Foto: © Kashuba et al. / Stockholm University
ARCHAISCHES MULTIKULTI Forschern der Universität Stockholm ist es gelungen, in Klumpen aus Birkenpech, die Menschen vor etwa 10.000 Jahren als Klebstoff (oder Kaugummi) genutzt haben, DNA zu finden und zu sequenzieren. Und das Erbgut dieser Menschen verrät, woher sie kamen, als sie am Ende der letzten Eiszeit Skandinavien besiedelten.
Wie Natalija Kashuba, Emrah Kirdök und Hege Damlien im Fachmagazin Nature Communications berichten, stammen die Funde aus der archäologischen Fundstelle Huseby-Klev an der Westküste Schwedens. Und mit einem Alter von 10.000 Jahren handelt es sich um die älteste DNA, die man bislang in der Region gefunden hat.

Uralte DNA in gekautem Birkenpech

Birkenpech diente den Menschen der Steinzeit als Klebstoff. Das belegen zahlreiche archäologische Funde. Es wurde gekocht und - wie einige Zahnabdrücke belegen - auch gekaut, um es weich zu machen. Mit Birkenpech wurden Speer- und Pfeilspitzen an ihren Schäften befestigt und zerbrochene Töpferwaren repariert.
Eine andere Theorie lautet, dass Birkenpech auch gekaut wurde, weil es antiseptische Stoffe enthält, die Mundkrankheiten heilen können.
Wo gekaut wird, da könnte es DNA geben, dachten sich schwedische Forscher und haben nach genetischen Spuren gesucht. Und wie es aussieht, sind sie fündig geworden. Doch die Ergebnisse ihrer Analysen widersprechen den archäologischen Funden aus der Region.

Gene und Werkzeugkultur widersprechen sich

"Die DNA, die wir gefunden haben, stammt von drei Individuen, zwei Frauen und einem Mann", schreiben die Forscher in ihrer Studie. Und sie ähnelt dem Erbgut von Jägern und Sammlern, die damals in Westeuropa lebten.
Dies widerspricht aber, zumindest auf den ersten Blick, den archäologischen Funden aus der Region. Die lithische Kultur dieser Artefakte entspricht eher Werkzeugen und Waffen, wie man sie aus der osteuropäischen Tiefebene im heutigen Russland kennt.

Es gab zwei Zuwanderungswellen

Wie passt das zusammen? Natalija Kashuba und ihre Kollegen vermuten, dass es vor 10.000 Jahren zwei Besiedlungswellen gab. Eine kam aus Westeuropa, die andere aus Osteuropa. Und wie es aussieht, haben sich diese Völker zwar nicht vermischt, aber kulturell ausgetauscht.
"Dieses Szenario mit zwei Zuwanderungsrouten wurde schon in früheren Studien vorgeschlagen. Und die prähistorischen Kaugummis aus Huseby-Klev stellen nun eine direkte Verbindung zwischen den gefundenen Werkzeugen und der menschlichen Genetik her", schreiben die Forscher in ihrer Studie.

Andere Werkzeugkultur übernommen

Die Fundstelle Huseby-Klev wird schon seit den 1990er Jahren erforscht. Die Menschen, die vor 10.000 Jahren dort gelebt haben, waren noch Jäger und Sammler, betrieben aber auch Fischfang. Da es in den 90ern noch keine zuverlässigen DNA-Analysen gab, ging man aufgrund der gefundenen Werkzeug-Kultur davon aus, dass sie aus Osteuropa eingewandert sind.
Die neue Birkenpech-Studie beweist nun, dass das nur ein Teil der wahren Geschichte ist. Zumindest einige der frühen Skandinavier kamen aus Westeuropa und sind in Skandinavien auf Menschen gestoßen, deren Ursprung in Osteuropa lag. Und wie es aussieht, haben sie deren - möglicherweise fortschrittlichere - Werkzeugkultur übernommen.
Per Persson vom Museum für Kulturgeschichte in Oslo, der an der Studie beteiligt war, freut sich über die eindeutigen Ergebnisse: "DNA aus uraltem Birkenpech hat ein enormes Potenzial, nicht nur Wanderungsbewegungen und die Herkunft von Menschen nachzuvollziehen, sondern auch Einblicke in ihre sozialen Beziehungen zu bekommen."
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Mir ist bis heute noch kein Problem - wie kompliziert auch immer - begegnet, dass sich nicht durch den richtigen Blickwinkel noch stärker verkomplizieren ließe.
Paul Alderson

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