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Dieser 15.600 Jahre alte Fußabdruck aus Chile wirft viele Fragen auf

Dieser 15.600 Jahre alte Fußabdruck aus Chile wirft viele Fragen auf
Ist das wirklich ein Fußabdruck? Stammt er von einem Menschen? Falls ja, dann haben in Südamerika schon vor 15.600 Jahren Menschen gelebt.
Foto: © Moreno et al.
SPUREN IM MATSCH Wissenschaftler der Universität Austral de Chile berichten im Fachmagazin PLOS One von einem fossilen Fußabdruck, den sie in der paläo-archäologischen Fundstätte Pilauco entdeckt haben. Er soll von einem Menschen stammen und 15.600 Jahre alt sein.
Sollte sich das bestätigen, dann wird es wieder neue Diskussionen darüber geben, wann und auf welchem Weg der moderne Mensch Amerika besiedelt hat. Lebten in Südamerika schon Menschen, bevor die ersten sibirischen Jäger über die Beringstraße nach Nordamerika gelangt sind?

Zwei konkurrierende Theorien

Viele archäologische und genetische Befunde deuten darauf hin, dass asiatische Jäger und Sammler vor etwa 15.000 Jahren über die Bering-Landbrücke von Sibirien nach Alaska gelangt sind und den amerikanischen Kontinent von Nord nach Süd besiedelt haben.
Doch es gibt auch Forscher, die glauben, dass in Südamerika schon Menschen gelebt haben, bevor die ersten Neuankömmlinge aus dem Norden dort auftauchten. Einer dieser Forscher ist Tom Dillehay von der amerikanischen Vanderbilt Universität. Er hat im chilenischen Monte Verde menschliche Siedlungsspuren ausgegraben, die seiner Meinung nach deutlich älter sind als die Funde aus Nordamerika.
Dillehay hat daraus die Theorie entwickelt, dass Südamerika schon vor über 20.000 Jahren von Menschen besiedelt wurde, die mit Schiffen aus dem Südpazifik kamen. Allerdings sind sowohl Dillahay's Theorie als auch seine Datierungen in der Fachwelt umstritten.

Sehr schlecht erhaltener Fußabdruck

Nun dürfte Dillahay's Theorie neue Nahrung erhalten. Die Paläontologin Karen Moreno und der Geologe Mario Pino haben in der archäologischen Fundstätte Pilauco (800 Kilometer südlich von Santiago) einen Fußabdruck entdeckt, der ihrer Ansicht nach von einem Homo sapiens stammt und 15.600 Jahre alt ist.
Der Fußabdruck ist sehr schlecht erhalten. Und so dauerten die Untersuchungen mehrere Jahre. Doch inzwischen sind sich die Forscher sicher, dass er von einem modernen Menschen hinterlassen wurde, der barfuß ging und etwa 70 Kilogramm wog.
Für diesen Befund sprechen auch auch einige Steinwerkzeuge, die die Forscher in der gleichen Sedimentschicht entdeckt haben, in der auch der Fußabdruck steckte. Und eine Radiokarbondatierung organischen Materials hat ergeben, dass die Fundschicht 15.600 Jahre alt ist.

Was ist aus diesen Menschen geworden?

Die Argumentation der chilenischen Forscher ist einfach. Wie sollen sibirische Jäger und Sammler, die die Nordspitze Amerikas erst vor 15.000 Jahren erreicht haben, schon vor 15.600 Jahren in Südamerika präsent gewesen sein? Es muss sich um eine andere Population handeln.
"Dieser Befund könnte ein weiterer Beweis für eine Kolonisation Nord-Patagoniens vor der nordamerikanischen Clovis-Kultur sein, wie sie bereits für das nahegelegene Monte Verde vorgeschlagen wurde", schreiben Karen Moreno und Mario Pino in ihrer Studie.

Es wird wieder viele Diskussionen geben

Hat Dillehay also doch recht? Lebten in Südamerika schon Menschen, bevor sich die sibirischen Jäger dorthin ausbreiteten? Und wenn ja, was ist aus ihnen geworden? Schließlich haben Gen-Analysen ergeben, dass alle heutigen Ureinwohner Nord- und Südamerikas von den gleichen Vorfahren abstammen. Und die kamen vor 15.000 Jahren über die Beringstraße aus Sibirien.
Die Theorie von der frühen Besiedlung Südamerikas durch Menschen aus dem Pazifikraum hat in der Fachwelt nicht viele Freunde. Man wird darüber diskutieren, ob es sich wirklich um einen Fußabdruck handelt, und wahrscheinlich die Korrektheit der Datierung in Frage stellen.
Wenn die südamerikanischen Forscher wirklich punkten wollen, dann müssen sie menschliche Fossilien finden. Und die müssen sorgfältig datiert und älter sein als die Funde aus Nordamerika. Doch die gibt es bislang nicht.
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Es wird ja fleißig gearbeitet und viel mikroskopiert, aber es müsste mal wieder einer einen gescheiten Gedanken haben.
Rudolf Virchow

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