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Die Ur-Briten haben die Einwanderung der Bauern nicht überlebt

Die Ur-Briten haben die Einwanderung der Bauern nicht überlebt
Der Cheddar Man (Jäger und Sammler) und die Whitehawk Woman (Bauernkultur) sind genetisch vollkommen unterschiedlich, sagen britische Forscher.
Foto: © Tom Barnes Channel 4 / Royal Pavilion & Museums
KEIN SEX DER KULTUREN Forscher des Natural History Museum und des University College in London haben die Gene von Ur-Briten, die vor 11.600 bis 6.000 Jahren gelebt haben, mit denen von Briten aus der Zeit vor 6.000 bis 4.500 Jahren verglichen - und keinerlei Übereinstimmungen gefunden.
Sie kommen zu dem Ergebnis, dass es vor 6.000 Jahren einen nahezu kompletten Bevölkerungsaustausch gegeben haben muss. Die Jäger und Sammler verschwanden und wurden durch Bauernvölker ersetzt, die vom europäischen Festland her eingewandert sind.

Sogar DNA vom Cheddar Man

Dr. Selina Brace und ihre Kollegen haben die DNA von insgesamt 53 Menschen aus der Mittel- und Jungsteinzeit analysiert. Darunter auch der berühmte Cheddar Man, eines der ältesten menschlichen Fossilien, die man bislang in Großbritannien gefunden hat.
"Wir konnten DNA aus dem inneren Ohrknochen des Cheddar Man extrahieren und waren überrascht, wie gut sie erhalten war", erklärt Dr. Brace. "Das haben wir wohl den kalten trockenen Bedingungen in der Höhle Gough’s Cave zu verdanken."

Keine Vermischung mit den Ackerbauern

Als die Forscher die DNA der alten Jäger und Sammler und der jüngeren Bauernkulturen miteinander verglichen, machten sie eine überraschende Entdeckung. Es scheint keinerlei Vermischung stattgefunden zu haben. Vor 6.000 Jahren verschwanden die Ur-Briten und hinterließen keinerlei Spuren im Erbgut nachfolgender Generationen.
Professor Ian Barnes: "Weil sich die kontinentaleuropäischen Ackerbauern mit den lokalen Jäger und Sammler-Populationen vermischt haben, als sie sich entlang des Mittelmeeres und entlang des Rhein-Donau-Korridores ausbreiteten, hatten wir auch in Großbrittanien eine Vermischung erwartet. Aber die gab es offenbar nicht."
Mit anderen Worten: Die Ur-Briten und die einwanderndern Bauern sind sich aus dem Weg gegangen und hatten keinen gemeinsamen Nachwuchs.

Wurzeln der Zuwanderer in der Ägäis

Die Forscher haben auch herausgefunden, woher die Ackerbauern kamen, die Großbritannien vor 6.000 Jahren besiedelt haben. Ihre Gene ähneln dem Erbgut von Menschen aus der Ägäis zwischen Griechenland und der Türkei. Es gibt aber auch einige Übereinstimmungen mit Menschen von der Iberischen Halbinsel - also aus Spanien und Portugal.
"Unsere Studie deutet darauf hin, dass Ackerbauern nach Großbritannien eingewandert sind und die einheimische Jäger und Sammler-Bevölkerung weitestgehend ersetzt haben", schreiben die Forscher in ihrer Studie, die im Fachmagazin Nature Ecology & Evolution veröffentlicht wurde.
Die neue neolithische Lebensweise mit Landwirtschaft und Viehzucht hat sich also in Großbritannien nicht ausgebreitet, weil die Jäger und Sammler diesen Lifestyle übernommen haben, sondern weil neue Völker eingewandert sind, die bereits Ackerbau betrieben.

Zu wenige, um Spuren im Erbgut zu hinterlassen?

Wurden die Ur-Briten, die von der Jagd, vom Fischen und vom Früchtesammeln lebten, von den zuwandernden Bauern ausgerottet? Gab es Krieg zwischen den Kulturen? Die britischen Forscher äußern sich da vorsichtig. So weist Dr. Tom Booth darauf hin, dass DNA-Analysen nicht notwendigerweise das gesamte Bild zeigen.
Booth: "Die mesolithische Bevölkerung von Jägern und Sammlern war wahrscheinlich nicht sehr groß. So könnten sich die neu ankommenden Ackerbauern durchaus in einem gewissen Rahmen mit ihnen vermischt haben. Doch weil es so wenige waren, haben sie keine Spuren im Erbgut hinterlassen."
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Die größte Tragödie in der Wissenschaft überhaupt ist der Tod einer wunderschönen Hypothese durch die Hand einer hässlichen Tatsache.
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