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Der Mensch stammt nicht vom Australopithecus sediba ab

Der Mensch stammt nicht vom Australopithecus sediba ab
Schädelfossilien von Australopithecus afarensis (l.) und Australopithecus sediba. Wer von beiden war der Vorfahre des Urmenschen Homo erectus?
Foto: © Matt Wood, UChicago
ZU JUNG, UM VORFAHRE ZU SEIN "Die Wahrscheinlichkeit, dass der im Jahr 2008 in Südafrika entdeckte Australpithecus sediba der Vorfahre des Homo erectus war, liegt bei 0,09 Prozent", schreiben Forscher der Universität Chicago in einer neuen Studie, die im Fachmagazin Science Advances erschienen ist. "Dieser Wert liegt also nahe Null", sagt Andrew Du.
Andrew Du und sein Kollege Zeresenay Alemseged haben statistisch berechnet, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Ursprungsart noch längere Zeit parallel zu ihrer Nachfolgeart existiert. "Das ist defintiv möglich", sagen die beiden Forscher. "Aber nur für einen gewissen Zeitraum."

800.000 Jahre sind eine ziemlich lange Zeit

Du und Alemseged haben sich 28 Vorfahren-Nachfahren-Paare angeschaut, von denen man annimmt, dass sie voneinander abstammen. Aber nur in einem Fall sind sie fündig geworden - und zwar bei Homo erectus und Homo antecessor. Es gibt Homo erectus-Fossilien, die 100.000 Jahre jünger sind als die ältesten Fossilien seines Nachfahren Homo antecessor, so die Forscher.
Beim Australopithecus sediba wäre dieser Abstand allerdings gewaltig, sagen Andrew Du und Zeresenay Alemseged. Der A. sediba existierte bis vor 2,0 Millionen Jahren. Das älteste Homo-Fossil, ein Kiefer aus Äthiopien, ist aber 2,8 Millionen Jahre alt. Was bedeuten würde, dass die Ursprungsart noch 800.000 Jahre existiert hat, nachdem sie bereits einen evolutionären Nachfolger hervorgebracht hatte.
"Das ist zwar theoretisch möglich", räumt Andrew Du ein. "Aber 800.000 Jahre sind eine ziemlich lange Zeit. Wir halten das für unwahrscheinlich, denn die durchschnittliche Lebensdauer einer Homininen-Art beträgt nur etwa 1,0 Millionen Jahre."

Stammt der Mensch doch von Lucy ab?

Ein viel besserer Kandidat, der Vorfahre der Gattung Homo zu sein, ist nach Ansicht der Forscher der Australopithecus afarensis. Also jene Art, zu der auch die berühmte Lucy gehörte, die vor 3,2 Millionen Jahren lebte.
Das Verschwinden des Australopithecus afarensis und das Auftauchen der ersten menschlichen Fossilien liegen zeitlich dicht beieinander, argumentieren die US-Forscher. Außerdem liegen beide Fundorte in Äthiopien, nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Und der menschliche Kiefer, den man dort gefunden hat, weist mehrere anatomische Merkmale des Australopithecus afarensis auf, "so dass man annehmen kann, dass es sich um einen direkten Nachkommen handelt", so Andrew Du.

Umstrittener Unterkiefer aus Äthiopien

"Chronologisch, geographisch und morphologisch halten wir den Australopithecus afarensis für einen deutlich besseren Kandidaten, der direkte Vorfahre der Gattung Homo zu sein, als den Australopithecus sediba", sagen Andrew Du und Zeresenay Alemseged. "Unsere mathematischen und statistischen Analysen sind dafür ein starkes Argument."
Die Ergebnisse der neuen Studie kommen nicht überraschend. Auch Lee Berger, der Entdecker des Australopithecus sediba, hat vor einigen Wochen eingeräumt, dass sein Schützling wahrscheinlich kein direkter Vorfahre des Menschen war, sondern nur ein Seitenarm der Evolution, der irgendwann ausgestorben ist.
Auf der anderen Seite hat die neue Studie auch eine Schwachstelle. Und die besteht im 2,8 Millionen Jahre alten Kiefer aus Äthiopien. Dass das Fossil einige menschenähnliche Merkmale aufweist, ist unbestritten. Aber stammen der Unterkiefer und die fünf Zähne wirklich von einem frühen Menschen? Da ist sich die Fachwelt noch nicht einig.
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