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Australopithecus Little Foot lief wohl noch wie ein Schimpanse herum

Australopithecus Little Foot lief wohl noch wie ein Schimpanse herum
Der Schädel von Little Foot und ein 3-D-Modell seines Innenohrs. Dieser Australopthecus lief noch wie ein Schimpanse auf allen Vieren herum, sagen südafrikanische Forscher.
Foto: © Wits University / M. Lotter and R.J. Clarke
HOMINIDER VIERBEINER Professor Ron Clarke, Amelie Beaudet und ihre Kollegen von der südafrikanischen Universität Witwatersrand haben eine weitere Studie über Australopithecus Little Foot veröffentlicht. Dieses mal haben sich die Forscher dem Innenohr des Hominiden gewidmet, der vor etwa 3,6 Millionen Jahren lebte. Und sie kommen zu überraschenden Ergebnissen.
Das Innenohr von Little Foot ähnelt dem heutiger Schimpansen, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Sie vermuten, dass dieser Australopithecus, dessen Artzugehörigkeit noch nicht abschließend geklärt ist, noch wie ein Menschenaffe herumlief - also auf allen Vieren.

Ein Innenohr wie bei den heutigen Schimpansen

Das ist eine ziemliche Überraschung, denn bislang nahm man an, dass Australopithecus afarensis und Australopithecus africanus, die etwa zur gleichen Zeit wie Little Foot gelebt haben, schon recht gut aufrecht gehen konnten. Allerdings basierte diese Erkenntnis auf der Analyse von Bein- und Fuß-Fossilien sowie versteinerten Fußabdrücken.
Da das Innenohr für das Gleichgewicht und die Balance beim aufrechten Gang zuständig ist, erlaubt es ebenfalls Rückschlüsse darauf, wie sich ein Hominide fortbewegt hat. Und das Ohr von Little Foot unterscheidet sich deutlich von dem eines Menschen, so die Forscher. Es ähnelt dem heutiger Schimpansen, die auf allen Vieren herumlaufen (Knöchelgang).

3-D-Modell des Innenohrs

Die südafrikanischen Forscher haben ein 3-D-Modell des Innenohrs von Little Foot angefertigt und mit frühen Menschenformen und Menschenaffen verglichen. Dabei stellten sie fest, dass sich das "Knochenlabyrinth" von Little Foot "substanziell von der Gattung Homo unterscheidet". Sie nehmen daher an, dass sich Little Foot noch ganz anders fortbewegt hat.
Amelie Beaudet will nicht ausschließen, dass Little Foot auch aufrecht gehen konnte, aber sie glaubt, dass er - respektive sie, denn es soll sich ja um ein Weibchen handeln - sich noch vorwiegend auf allen Vieren fortbewegt hat - was darauf schließen lässt, dass Little Foot auf Bäumen lebte.

Neues Bild vom Australopithecus

Dass Little Foot noch vierbeinig herumlief, rüttelt an einer etablierten Theorie der Paläoanthropologie. Bislang ging man davon aus, dass sich zuerst der aufrechte Gang, dann das grazilere Gebiss und erst viel später das große Gehirn entwickelt haben. Dass der Gang von Little Foot, der ja ein Hominide gewesen sein soll, schimpansenähnlich war, will nicht so recht in dieses Bild passen.
Ob diese Erkenntnis auf alle Australopithecinen übertragbar ist, müssen künftige Forschungen zeigen. Sollte sich bestätigen, was die südafrikanischen Forscher herausgefunden haben, dann müssen wir uns vielleicht vom Bild aufrecht gehender Menschenaffen verabschieden, die vor 4,2 bis 2,0 Millionen Jahren durch Afrika spaziert sind. Dann wäre der aufrechte Gang ein exklusives Merkmal des Menschen.

Hinweis auf Makroevolution?

In den letzten Jahren häufigen sich die Hinweise, dass die Australopithecinen keineswegs so menschlich waren, wie man lange dachte. Sie waren noch gute Kletterer, lebten in Bäumen und ihr aufrechter Gang war bestenfalls "tölpelhaft". Daher gibt es inzwischen Forscher, die der Meinung sind, dass man die Wurzeln der Menschheit auf einem ganz anderen Ast der Evolution suchen muss.
Möglicherweise ist unsere Vorstellung von einer langsamen, schrittweisen Entwicklung vom Affen zum Menschen - man bezeichnet das als Graduismus - völlig falsch. Vielleicht ist der Mensch doch durch Makroevolution entstanden, wie einige Forscher glauben. Das heißt, irgendwann vor zwei Millionen Jahren hat sich eine kleine Affenpopulation rasend schnell verändert und ist zum Menschen geworden.
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EVOLUTION & MEINUNG

Die darwinistische Erklärung dafür, warum Lebewesen das, was sie tun, so gut können, ist sehr einfach. Sie sind gut durch die angehäufte Klugheit ihrer Vorfahren.
Richard Dawkins

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