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Wann knacken die Genetiker endlich den Paläo-Jackpot der DNA?

Wann knacken die Genetiker endlich den Paläo-Jackpot der DNA?
Vom Urmenschen Homo erectus hat man bislang keinerlei Zellkern-DNA entschlüsseln können. Handelt es sich um eine Mission Impossible? Oder ist das möglich?
Symbolbild
TIEGEFRORENE GENE Die Paläo-Genetiker haben schon viel erreicht. Sie haben die DNA früher moderner Menschen entschlüsselt, die Gene des Neandertalers inspiziert und den Denisova-Menschen entdeckt. Doch noch fehlt der genetische Jackpot - die DNA eines Homo erectus.
Ist das überhaupt möglich? Schließlich ist DNA sehr empfindlich. Hitze und Feuchtigkeit lassen sie zerfallen, Fremd-DNA von Bakterien kann sie kontaminieren, die Basenpaare, in denen der genetische Code gespeichert ist, verändern sich. Doch es gibt zwei Studien, die Hoffnung machen, eines Tages auch den genetischen Code des Urmenschen Homo erectus zu knacken.

Bislang hat man nur mtDNA entschlüsselt

Für Aufsehen sorgten im Jahr 2013 Genetiker des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, als es ihnen gelang, DNA aus einem 400.000 Jahre alten Oberschenkelknochen zu gewinnen, der von einem Homo heidelbergensis (später Homo erectus) stammt, den man in Spanien entdeckt hat.
Allerdings hatte die Sache einen Haken. Es handelte sich lediglich um mitochondriale DNA, also um das Erbgut in den Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle). Und die besteht nur aus knapp 17.000 Basenpaaren.
Die vollständige Zellkern-DNA ist ein ganz anderes Kaliber. Sie besteht aus 3 Milliarden Basenpaaren. Und die zu sequenzieren und zu analysieren, ist bislang nicht gelungen. Und so halten sich die Erkenntnisse, die die Genetiker über den Homo erectus gewinnen konnten, in Grenzen.

Uralte Gene im kanadischen Permafrostboden

Dass es durchaus möglich ist, noch viel ältere Zellkern-DNA komplett zu entschlüsseln, haben Forscher der Universität Stockholm bewiesen. Ihnen gelang es, das gesamte Erbgut eines Wildpferdes zu rekonstruieren, das vor stolzen 700.000 Jahren im heutigen Kanada gelebt hat - was man bis dato für vollkommen unmöglich hielt.
Doch auch hier gibt es einen Haken. Die fossilen Überreste des Pferdes waren im kanadischen Permafrostboden tiefgefroren. Nur dadurch war es möglich, dass die DNA so lange erhalten blieb. Und vom Homo erectus weiß man, dass er ausschließlich in warmen oder gemäßigten Klimazonen lebte. Das eisige Sibirien oder gar den Norden Amerikas hat er nie erreicht.

Mission Impossible?

Was man also bräuchte, um das Erbgut des Urmenschen, von dem der moderne Mensch, die Neandertaler und die Denisovas abstammen, zu entschlüsseln, wäre ein Fossilfund aus einer kalten Region. Und den hat man bislang nicht finden können. Handelt es sich also um eine Mission Impossible?
Craig Millar von der Universität Auckland und David Lambert von der Griffith Universität halten es durchaus für möglich, dass man DNA aus dem mittleren Pleistozän finden kann. Sie schätzen, dass Fossilfunde bis zu einem Alter von 1 Millionen Jahren verwertbare DNA enthalten können.

Warum es doch gelingen könnte

Ähnlich sieht es Edward Rubin, der Leiter des US-amerikanischen Joint Genome Institute. Er hofft, dass man eines Tages doch noch einen frühen Hominiden in einer kalten Klimazone findet, dessen fossile Knochen verwertbare Zellkern-DNA enthalten.
Ludovic Orlando und Eske Willerslev, die das Erbgut des 700.000 Jahre alten Wildpferdes entschlüsselt haben, sind da sogar noch optimistischer. Sie glauben, dass sich uralte Gene auch ohne arktische Kälte finden lassen. Sollte ein Fossilfund unter günstigen Umständen konserviert worden sein, dann sollte es möglich sein, auch die DNA eines Homo erectus zu entschlüsseln.
Der Jackpot ist also noch nicht geknackt. Aber es scheint nicht ausgeschlossen, dass das eines Tages gelingt. Und das wäre dann ein großer Tag für die Paläoanthropologie.
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