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Doggerland: Forscher auf der Suche nach dem Atlantis der Eiszeit

Doggerland: Forscher auf der Suche nach dem Atlantis der Eiszeit
Zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland gab es bis vor 8000 Jahren eine Landverbindung. Man nennt sie Doggerland.
Foto: © Europe's Last Frontiers
TIEF UNTEN AM MEERESGRUND Bis vor 8000 Jahren war Großbritannien keine Insel, sondern fest mit dem europäischen Festland verbunden. Eine Landbrücke namens Doggerland, so groß wie das heutige Irland, erstreckte sich von den heutigen Küsten Dänemarks, Deutschlands, Frankreichs und Belgiens bis zu den Klippen von Dover.
Mensch und Tier konnten damals mühelos vom "Kontinent", wie es die Engländer nennen, bis nach London laufen. Und der Rhein und die Themse mündeten beide noch nicht ins Meer, sondern in einen großen Binnensee.
Doggerland gibt es nicht mehr. Es ist untergegangen. Es wurde vom steigenden Meeresspiegel am Ende der Eiszeit verschluckt und befindet sich heute am Grunde der Nordsee. Und man weiß sehr wenig über das "Atlantis der Eiszeit", wie es manche nennen. Doch das soll sich ändern.

Vom steigenden Meeresspiegel verschluckt

Lange dachte man, dass Doggerland unbewohnt war. Allenfalls ein paar Nomaden-Jäger sollen sich auf der Suche nach Beutetieren dorthin verirrt haben. Doch mehrere Fossilfunde und Werkzeugartefakte, die Fischern ins Netz gegangen sind, lassen vermuten, dass Doggerland jahrtausendelang eine fruchtbare Region war, in der es nicht nur große Mammut- und Rentierherden, sondern auch steinzeitliche Siedlungen gab, in denen tausende Menschen lebten.
Als vor 18.000 Jahren die Gletscher der Eiszeit schmolzen, begann der Meeresspiegel zu steigen. Doggerland wurde nach und nach von der Nordsee verschluckt. Und vor 8000 Jahren verschwand auch der letzte Rest von Doggerland, ein Berg namens Doggerhill, eine letzte Insel. Sie wurde von einem Tsunami davongespült.

Virtuelle Landkarte von Doggerland

Doggerland zu erforschen, wäre für die Archäologen eine große Sache. Doch Unterwasser-Archäologie ist aufwändig und teuer. Um ein solches Projekt überhaupt in Erwägung zu ziehen, müsste man genau wissen, wo man suchen soll.
Ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Professor Vince Gaffney von der Universität Bradford versucht seit zehn Jahren herauszufinden, wo genau Doggerland lag und wie es dort aussah. Und dank seismographischer Daten, die ihnen von Ölbohrfirmen zur Verfügung gestellt wurden, ist es den Forschern bereits gelungen, eine virtuelle Landkarte der einstigen Landbrücke zu erstellen.

Probebohrungen und die Suche nach DNA

Nun soll der nächste Schritt folgen. Gaffney und sein Team erkunden im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes "Europe's Last Frontiers" mit einem Spezialschiff eine Untiefe zwischen England und Holland (Brown Bank), die einst zu Doggerland gehörte. Und dort sammeln sie nicht nur geoseismische Daten, sondern sie bohren auch tiefe Löcher in den Meeresboden, um Gesteinsproben zu entnehmen.
Vor allem auf die Sediment-Proben aus den Bohrkernen setzen die Forscher große Hoffnungen. Denn inzwischen ist es dank neuer Technologien möglich, DNA aus Sand zu extrahieren. Und sollten sie menschliches Erbgut finden, dann wäre das ein eindeutiger Hinweis darauf, dass dort Menschen gelebt haben. Und man wüsste, wo man künftig zu suchen hat.
Ergebnisse liegen noch nicht vor. Zurzeit sind die Forscher dabei, Proben aus bereits vorliegenden Bohrkernen zu entnehmen und für die Untersuchungen vorzubereiten, an denen sich auch Wissenschaftler aus den Niederlanden und Belgien beteiligen werden.
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EVOLUTION & MEINUNG

Der Nachweis der Evolution ist nach wie vor erstaunlich lückenhaft. Ironischerweise haben wir im Hinblick auf evolutionäre Zwischenstufen heute sogar weniger vorzuweisen als zu Darwins Zeiten.
David M. Raup

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