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Häufige Inzucht hat zum Aussterben der Neandertaler beigetragen

Häufige Inzucht hat zum Aussterben der Neandertaler beigetragen
Spanische Forscher haben viele anatomische Anomalien bei Neandertalern entdeckt, die sie auf die damals weit verbreitete Inzucht in den kleinen Sippen zurückführen.
Foto: © Rios et al.
GESCHWISTERLIEBE Seit Jahrzehnten diskutieren die Forscher darüber, warum die Neandertaler ausgestorben sind. Spanische Paläoanthropologen, Genetiker und Archäologen haben die fossilen Überreste von 13 Neandertalern analysiert, die vor 49.000 Jahren in der Höhle El Sidron gelebt haben. Und sie sagen: Es lag (auch) an der Inzucht, dass die Neandertaler ausgestorben sind.
Die Wissenschaftler des Nationalmuseums für Naturwissenschaften in Madrid, des Instituts für Evolutionäre Biologie in Barzelona und der Universität Oviedo haben 1674 Skelettreste untersucht und sind bei ihren Analysen auf 17 Anomalien gestoßen, die sie auf Inzucht innerhalb der kleinen Neandertalergruppe zurückführen.

Inzucht macht krank und reduziert die Überlebenschancen

Studienleiter Antonio Rosas und seine Kollegen haben krankhafte Veränderungen in Nasenbereich, in den Zähnen, an den Halswirbeln, im Brustkorb und an den Füßen entdeckt, die sich durch Inzucht innerhalb der 13-köpfigen Neandertaler-Gruppe, von der man annimmt, dass es sich um eine eng verwandte Sippe handelte, verbreitet haben.
Diese genetisch vererbten Anomalien wurden durch Inzucht von Generation zu Generation weitergegeben, glauben die spanischen Forscher, und haben sich im Laufe der Jahrtausende zu einem krankhaften Ballast angesammelt, der Einfluss auf die biologische Fitness und die Überlebenschancen der Neandertaler hatte.

Sind die Neandertaler an ihren kleinen Sippen gescheitert?

Natürlich sind die Neandertaler nicht allein durch Inzucht ausgestorben, sagen Antonio Rosas und sein Team. Wahrscheinlich haben noch andere Faktoren wie Klimaveränderungen und die Ankunft des modernen Menschen in Europa eine Rolle gespielt. Aber die Inzucht innerhalb der kleinen und weitgehend isoliert lebenden Neandertaler-Gruppen hat die genetische Variabilität beeinträchtigt und zur Ausbreitung von Erbkrankheiten geführt.
Salopp könnte man sagen: Vor etwa 50.000 Jahren waren die Neandertaler nicht mehr so gesund wie vor 200.000 Jahren, als sie erstmals auftauchten. Und diese reduzierte biologische Fitness hat dazu beigetragen, dass sie vor 40.000 Jahren ausgestorben sind.
Dass Inzucht bei den Neandertalern weit verbreitet war, belegen Gen-Analysen, die man mit Neandertaler-Fossilien aus Südsibirien durchgeführt hat. Die DNA dieser Menschen zeigt, dass Halbgeschwister gemeinsamen Nachwuchs gezeugt haben. Und dieser Nachwuchs war wahrscheinlich nicht mehr so gesund wie die ursprünglichen Neandertaler.
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Richard Dawkins

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