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Der neue Ardipithecus ramidus lief ganz anders als die berühmte Ardi

Der neue Ardipithecus ramidus lief ganz anders als die berühmte Ardi
US-Paläoanthropologen haben neue Fossilien von Ardipithecus ramidus entdeckt. Vor allem die Fußknochen unterscheiden sich deutlich von der berühmten Ardi, sagen die Forscher.
Fotomontage: © S.W. Simpson et al; Matternes
ERSTAUNLICHE VIELFALT Als Tim White und sein Team im Jahr 2009 die Erstbeschreibung von "Ardi" veröffentlichten, wurde das als wissenschaftliche Sensation gefeiert. Die Hominiden-Dame, die vor 4,4 Millionen Jahren lebte, soll noch auf Bäumen gelebt haben und dort auf zwei Beinen herumgelaufen sein.
Nun hat ein Forscherteam unter der Leitung von Scott W. Simpson von der Case Western Reserve University in Cleveland ganz in der Nähe des Ardi-Fundortes weitere Ardipithecus ramidus-Fossilien entdeckt. Und das fragmentarische Teilskelett (Hüft- und Fußknochen, Rippen, Teile eines Knöchels) sowie mehrere Einzelknochen lassen vermuten, dass Ardi's Verwandtschaft ganz anders lief als ihre prominente Tante.

Kein akrobatischer Kletterer

Die neu entdeckten Ardipithecus-Knochen deuten darauf hin, dass andere Vertreter von Ardipithecus ramidus deutlich effizienter aufrecht gehen konnten als die berühmte Ardi. Der Knöchel, den man in der äthiopischen Gona-Region gefunden hat, hat die Beine und den Rumpf viel besser gestützt als bei Ardi, sagen Scott Simpson und seine Kollegen. Außerdem war dieser Ardipithecus ramidus in der Lage, sich mit dem großen Zeh abzustoßen, wenn er auf zwei Beinen lief - Ardi nicht.
Wahrscheinlich ist der Gona-Hominide, der vor 4,8 bis 4,3 Millionen Jahren lebte, nicht aufrecht auf Bäumen herumgelaufen, sondern auf allen Vieren herumgekraxelt, sagen die Forscher. "Er war kein akrobatischer Baumkletterer", so Scott Simpson. Seine Anatomie war bereits zu stark an den aufrechten Gang angepasst. Allerdings scheint sich auch Ardi's Verwandter noch langam und unbeholfen auf dem Erdboden fortbewegt zu haben.

Einzigartiger aufrechter Gang

Der neu entdeckte Gona-Hominide und Ardi gehörten zwar zur gleichen Art, doch ihre abweichende Anatomie lässt darauf schließen, dass sie sich unterschiedlich fortbewegt haben. Offenbar gab es innerhalb von Ardipithecus ramidus mehrere Entwicklungslinien, so die Forscher.
Nichtsdestotrotz unterscheidet sich der aufrechte Gang von Ardi & Co. deutlich von allem, was man bislang bei anderen Hominiden und Menschenaffen gefunden hat. Deshalb glauben die Forscher, dass der Ardipithecus ramidus dem letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse noch sehr nahe stand.
Scott Simpson: "Allerdings sah dieser Vorfahre nicht wie ein Schimpanse aus."
Simpson und seine Kollegen vermuten, dass sich der Ardipithecus ramidus vor 4,2 Millionen Jahren zum ersten Australopithecus weiterentwickelte. Und dieser Vormensch konnte dann schon deutlich besser auf zwei Beinen herumlaufen als der Gona-Hominide und Ardi.
ANMERKUNG: Bislang haben die Forscher nur Vorabinformationen ihrer Untersuchungen veröffentlicht. Die vollständige Studie soll in der April-Ausgabe des Fachmagazins Journal of Human Evolution erscheinen.
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Es wäre eine Illusion, anzunehmen, dass das, was wir zurzeit wissen, mehr ist als ein winziger Bruchteil der gesamten biologischen Realität.
Michael Denton

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