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Der Neandertaler ist überall in Europa gleichzeitig ausgestorben

Der Neandertaler ist überall in Europa gleichzeitig ausgestorben
Auch in Südspanien verschwanden vor 43.000 - 45.000 Jahren die Steinwerkzeuge des Neandertalers. Die Siedlungsspuren danach stammen vom Homo sapiens.
Foto: © Rebecca Mair, Natural History Museum London
SYNCHRONIZITÄT DES TODES Die letzte Festung der Neandertaler scheint sich als Luftschloss zu entpuppen. Südspanien war kein spätes Rückzugsgebiet der letzten Neandertaler, sagen spanische Forscher. Sie haben dort nicht länger überlebt als im restlichen Europa.
Francisco Jimenez-Espejo, Miguel Cortes-Sanchez und ihre Kollegen von der Universität Sevilla haben einige bereits bekannte und 17 neuentdeckte Werkzeug-Artefakte aus der Bajondillo Höhle in der Nähe von Malaga datiert und kommen zu dem Ergebnis, dass die Neandertaler dort vor spätestens 43.000 Jahren ausgestorben sind.

Der Homo sapiens erreichte Südspanien viel früher als gedacht

Nach wie vor gibt es Paläoanthropologen, die glauben, dass der Neandertaler in Südspanien etwa 10.000 Jahre länger überlebt hat als im übrigen Europa. Als Beweise dienen ihnen Feuerstellen, Muschelschmuck und Wandmalereien, die sie dem europäischen Urmenschen zuschreiben. Doch wie es aussieht, stammen all diese Hinterlassenschaften vom zugereisten Homo sapiens.
Die Steinwerkzeuge, die Jimenez-Espejo und seine Kollegen in der südspanischen Höhle entdeckt haben, belegen, dass die Neandertaler-Technologie des Mousterien in der Zeit vor 43.000 bis 45.000 Jahren verschwand und von der Homo sapiens-Technologie des Aurignacien abgelöst wurde.
In ihrer Studie, die im Fachmagazin Nature Ecology & Evolution veröffentlicht wurde, schreiben die Forscher: "Unsere Daten deuten darauf hin, dass die Ankunft des anatomisch modernen Menschen an der südlichsten Spitze Spaniens etwa zur gleichen Zeit erfolgte wie in anderen Regionen."

Schnelles Ende der Neandertaler

Sollte stimmen, was die Forscher herausgefunden haben, dann hat der Homo sapiens Europa vor etwa 45.000 Jahren erreicht und sich "ruckizucki" von Ost- nach West- und Südeuropa ausgebreitet. Und überall, wo der moderne Mensch auftauchte, verschwanden in nur zwei- bis dreitausend Jahren die Populationen des Neandertalers.
Demnach wären die letzten Neandertaler vor etwa 42.000 Jahren ausgestorben. Auch in Spanien. Dies deckt sich mit dem jüngsten zuverlässig datierten Neanderfossil. Das stammt aus der Mesmaiskaja-Höhle im Kaukasus und ist 41.800 Jahre alt.

Ausbreitung über Küsten-Korridore

Die Tatsache, dass der Homo sapiens nur wenige Jahrtausende brauchte, um ganz Europa zu besiedeln, erklären sich die Forscher damit, dass er Küstenkorridore entlang des Mittelmeeres nutzte, um neue Territorien zu besiedeln.
Professor Chris Stringer vom Natural History Museum in London, der an der Studie beteiligt war, sagt: "Wenn man so frühe Werkzeuge des Aurignacien (Homo sapiens) in einer Höhle nahe am Meer findet, dann drängt sich natürlich der Gedanke auf, dass sich der moderne Mensch entlang der Küstenregionen des Mittelmeeres ausgebreitet hat."
Stringer weiter: "Die neue Datierung stützt die zunehmende Zahl an Hinweisen, dass sich der Homo sapiens schon vor über 40.000 Jahren über ganz Eurasien ausgebreitet hatte."

Afrikanische Krankheiten eingeschleppt?

Im Umkehrschluss bedeutet das: Die letzten Neandertaler sind nicht erst vor 30.000 Jahren ausgestorben, sondern schon vor 42.000 oder 43.000 Jahren. Und das überall in Europa. Und alle zur gleichen Zeit.
Dies stützt natürlich die Theorie, dass der moderne Mensch entscheidend zum Aussterben der Neandertaler beigetragen hat. Wahrscheinlich hat er ihn verdrängt oder ausgerottet. Oder die Ureinwohner Europas sind an Krankheiten zugrunde gegangen, die der Homo sapiens aus Afrika eingeschleppt hat.
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EVOLUTION & MEINUNG

Der Nachweis der Evolution ist nach wie vor erstaunlich lückenhaft. Ironischerweise haben wir im Hinblick auf evolutionäre Zwischenstufen heute sogar weniger vorzuweisen als zu Darwins Zeiten.
David M. Raup

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