HOMO SAPIENS
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Die 1 Million Dollar Frage: Was ist eigentlich ein Homo sapiens?

Die 1 Million Dollar Frage: Was ist eigentlich ein Homo sapiens?
Was unterscheidet den Homo sapiens von seinen Vettern und Vorfahren? Diese Frage lässt sich gar nicht so einfach beantworten.
Symbolgrafik: © Public Domain
Wenn Forscher eine neue Menschenart definieren, dann machen sie das anhand eines sogenannten Typusexemplars. In der Regel handelt es sich um ein besonders gut erhaltenes Fossil, das alle Merkmale aufweist, durch die sich die neue Art von bereits bekannten Arten unterscheidet.
Von allen Hominiden und Menschen gibt es ein solches Typusexemplar. Beim Neandertaler ist es der alte Mann aus dem Neanderthal, beim Homo erectus die Fossilien von der Insel Java und beim Australopithecus ein Fund aus Tansania. Nur für eine Spezies wurde nie ein Typusexemplar festgelegt. Und das ist der moderne Mensch Homo sapiens.

Keine Definition für den Homo sapiens

Kurioserweise wurde nie klar definiert, was eigentlich ein moderner Mensch, also ein Homo sapiens ist. Welche Merkmale unterscheiden ihn klar erkennbar vom Homo neanderthalensis und vom Homo erectus? Und das gibt den Paläoanthropologen viel Spielraum, wenn es darum geht, ein Fossil zum modernen Menschen zu erklären.
Jüngstes Beispiel sind die Funde aus Jebel Irhoud in Marokko. Ein Forscherteam nahm den relativ modernen Gesichtsschädel zum Anlass, mit der Schlagzeile "Der moderne Mensch ist 100.000 Jahre älter als gedacht" an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Tatsache, dass diese Menschen, die vor immerhin 300.000 Jahren gelebt hatten, einen noch sehr ursprünglichen, flachen Gehirnschädel besaßen, hat sie offenbar nicht gestört.

Die Grenzen verschwimmen

Früher gab es eine relativ klare Einteilung des modernen Menschen in drei Zeitspannen. Vor 250.000 Jahren sollen sich erste anatomische Frühformen entwickelt haben - man bezeichnet diese Fossilien als Archaischer Homo sapiens. Vor 200.000 Jahren entstand der echte Homo sapiens und vor etwa 120.000 Jahren der anatomisch moderne Mensch, wie wir ihn heute kennen.
Doch diese Grenzen sind in den letzten Jahren stark aufgeweicht worden. Es sind immer mehr Schädel und Knochen aufgetaucht, die sowohl ursprüngliche als auch moderne Merkmale aufweisen - nicht mehr ganz Homo erectus, aber auch noch kein vollständiger Homo sapiens. Früher hätte man diese Fossilien dem Archaischen Homo sapiens zugeordnet. Heute werden sie immer häufiger zum echten Homo sapiens gemacht. Ob zu recht oder zu unrecht, darüber streiten dann die Forscher.

Wann ist der moderne Mensch entstanden?

Das Problem mit diesen "alten" Sapiens-Funden: Alle Gen-Analysen der letzten Jahre sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der moderne Mensch erst vor 200.000 Jahren entstanden ist. Und der älteste Fossilfund, den man zweifelsfrei dem Homo sapiens zuordnen kann, ist nur 160.000 Jahre alt (Homo sapiens idaltu).
Da fällt es manchmal schwer, 300.000 oder 250.000 Jahre alte Fossilien als Homo sapiens zu akzeptieren. Selbst die 190.000 Jahre alten Schädelfunde aus Omo, die von vielen Forschern als Homo sapiens angesehen werden, sind in der Fachwelt umstritten. In ihnen steckt noch eine gute Portion Homo erectus.
Was die Paläoanthropologen also ganz dringend brauchen, ist ein Typusexemplar des Homo sapiens. Ein Fossil, das man als Referenz-Objekt heranziehen kann, um zu entscheiden: Ja, das war bereits ein Homo sapiens, oder nein, das war noch keiner. Doch das scheint nicht so einfach zu sein.

Keine klare Abgrenzung möglich

Im Jahr 2010 haben die beiden Paläoanthropologen Jeffrey Schwartz und Ian Tattersall versucht, den modernen Menschen morphologisch von anderen Menschenarten abzugrenzen. Dazu haben sie anatomische Merkmale gesammelt, die typisch für den heutigen Menschen sind, und geschaut, ab wann diese Merkmale im Fossilbestand auftauchen.
Ergebnis: Schon Fossilien aus dem späten Mittelpleistozän (250.000 bis 170.000 Jahre) besaßen anatomische Merkmale, die man vom heutigen Menschen kennt. Aber keine dieser Arten, so die Forscher, lässt sich plausibel dem Homo sapiens oder dem Neandertaler zuordnen.

Ist das Artenmodell noch zeitgemäß?

In ihrer Studie schreiben Schwartz und Tattersall: "Arten verändern sich fortlaufend. Und diese unglückliche Situation hat zu einer großen Unsicherheit geführt, welche Hominiden-Fossilien in H. sapiens enthalten sein sollten und welche man als 'archaisch' einstuft."
Wie es aussieht, ist es extrem schwer, den Homo sapiens von seinen archaischen Vorfahren abzugrenzen. Und so muss die Frage erlaubt sein: Macht es überhaupt noch Sinn, den Menschen in Arten zu unterteilen? Ist dieses Modell nicht längst überholt und ein Fossil aus dem 19. Jahrhundert? Nicht ohne Grund haben die beiden australischen Paläoanthropologen Darren Curnoe und Alan Thorne bereits vor einigen Jahren vorgeschlagen, alle Menschen, die in den letzten 2 Millionen Jahren gelebt haben, nur noch als Homo sapiens zu bezeichnen.
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Die darwinistische Erklärung dafür, warum Lebewesen das, was sie tun, so gut können, ist sehr einfach. Sie sind gut durch die angehäufte Klugheit ihrer Vorfahren.
Richard Dawkins

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