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Quizfrage: Wie groß war eigentlich der Penis eines Neandertalers?

Quizfrage: Wie groß war eigentlich der Penis eines Neandertalers?
Groß? Klein? Wie beim Homo sapiens? Über die Fortpflanzungsorgane des Neandertalers ist noch nicht viel publiziert worden. Wir wollen das heute mal ändern.
Foto: © Catatine, CC BY-SA 4.0 Lizenz
UNTER DER GÜRTELLINIE Heute widmen wir uns einem zentralen Thema der Paläoanthropologie. Wie groß war eigentlich der Penis eines Neandertalers? Größer als der eines Homo sapiens? Genauso groß? Kleiner? Die Antwort lautet: Wir wissen es nicht. Denn der Mensch besitzt keinen Penisknochen mehr. Und so gibt es keinerlei Fossilien, die uns diese Frage beantworten könnten.
Der Mensch ist der einzige große Menschenaffe, der keinen Penisknochen besitzt. Orang-Utan, Gorilla und Schimpanse haben noch einen. Also darf man annehmen, dass der Mensch dieses anatomische Merkmal erst sehr spät verloren hat. Doch wann war das und warum kam es dazu?

Sex mit und ohne Penisknochen

Um diese Frage beantworten zu können, muss man erst einmal wissen, wozu der Penisknochen (wissenschaftlich: Baculum) dient. Die meisten Biologen sind sich darin einig, dass der Penisknochen zwei Funktionen erfüllt: Zum einen ist ein Männchen immer paarungsbereit. Es muss nicht erst in Stimmung kommen, um sich fortzupflanzen. Außerdem kann das Männchen den Paarungsakt unterbrechen, um unliebsame Konkurrenten zu vertreiben - und sich danach sofort wieder dem Weibchen widmen.
Mit anderen Worten: Der Penisknochen ist vor allem dann ein Vorteil, wenn es dominante Männchen gibt, die das alleinige Fortpflanzungsrecht für sich beanspruchen und Konkurrenten in Schach halten müssen, die ebenfalls ihre Gene verbreiten wollen.
Das könnte auch der Grund sein, warum die Gattung Homo ihren Penisknochen verloren hat. Der Mensch hat sich irgendwann im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte von der Polygamie verabschiedet und ist zu einer monogamen Lebensweise übergegangen. Durch feste Partnerschaften wurde der Penisknochen überflüssig. Die Männchen mussten nicht immer und überall bereit sein.

Und plötzlich war das Ding nicht mehr da

Wann genau der Mensch seinen Penisknochen verloren hat, ist unklar. Einige Forscher vermuten, dass das vor zwei Millionen Jahren geschah, als der Homo erectus entstand. Allerdings ist umstritten, ob der frühe Homo erectus wirklich schon in monogamen Partnerschaften lebte.
Andere Forscher vermuten, dass der Penisknochen schon beim Australopithecus nicht mehr vorhanden war. Für diese Theorie spricht, dass man bislang kein einziges Fossil eines Hominiden-Baculums gefunden hat.
Der bekannte Evolutionsbiologe Richard Dawkins hat eine andere Theorie aufgestellt. Er glaubt, dass das Verschwinden des Penisknochens beim Menschen nichts mit Polygamie oder Monogamie zu tun hatte, sondern dass das Baculum durch sexuelle Selektion aussortiert wurde. Denn wenn ein Männchen auch ohne Penisknochen eine kräftige Erektion vorweisen konnte, dann signalisierte es den Damen, dass es gesund und biologisch fit ist und gesunden Nachwuchs zeugen kann.

Der kleine Freund von Mensch, Neandertaler und Affe

Doch zurück zum Penis des Neandertalers. Wie groß war er denn nun? Da sich die Linien von Homo sapiens und Homo neanderthalensis erst vor etwa 400.000 bis 500.000 Jahren getrennt haben und angesichts der Tatsache, dass beide Menschenarten vor 100.000 Jahren noch gemeinsamen Nachwuchs zeugen konnten, kann man davon ausgehen, dass die Penisse beider Menschenarten ähnlich aussahen und ähnlich groß waren.
Wie groß? Nun ja, definitiv größer als die Penisse von Schimpanse und Gorilla, denn die sind winzig, aber wahrscheinlich kleiner als die Penisse heutiger Männer. Denn die scheinen zu wachsen. Als Alfred Kinsey seine ersten Studien durchführte, war der Durchschnittspenis erigiert etwa 12,5 Zentimeter lang. Heute sind es 13,5 Zentimeter. Da tut sich also noch was.

Alles eine Frage der Perspektive

Die Einstellung zur Penisgröße hat sich übrigens im Laufe der Jahrtausende immer wieder verändert. Heute gelten große Penisse als attraktiv und männlich. Bei den alten Griechen war das noch vollkommen anders. Sie verachteten große Penisse, hielten deren Besitzer für grobschlächtig, primitiv und dumm. Kleine Penisse dagegen standen für Kultur, Geist und Verstand.
Wie die Neandertaler über ihre Penisse dachten, ist nicht bekannt. Allerdings scheinen sie sich weniger mit ihrer Sexualität beschäftigt zu haben als der Homo sapiens. Denn während der moderne Mensch schon vor 40.000 Jahren damit begann, Venusfiguren, Phallus-Symbole und Wandmalereien mit eindeutigen Inhalten herzustellen, ist derlei vom Neandertaler nicht bekannt.
Vielleicht jagten die Neandertaler lieber Mammuts, als ihren Frauen nachzustellen. Was erklären würde, warum es nur so wenige Neandertaler gab (die Schätzungen schwanken zwischen 10.000 und 50.000) und die Neandertaler-Damen freudig in die Hände klatschten, als vor 45.000 Jahren die ersten Zuwanderer aus Afrika vor ihrer Höhlentür standen.
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EVOLUTION & MEINUNG

Es wäre eine Illusion, anzunehmen, dass das, was wir zurzeit wissen, mehr ist als ein winziger Bruchteil der gesamten biologischen Realität.
Michael Denton

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