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Der Fall Cuvier beweist: Dominante Forscher haben viel zu viel Einfluss
Foto: © Trish, Wikimedia, CC BY-SA 2.5 Lizenz

Der Fall Cuvier beweist: Dominante Forscher haben viel zu viel Einfluss

Die Evolutionstheorie hätte sich möglicherweise fünf Jahrzehnte früher durchgesetzt, hätte es da nicht eine ägyptische Vogelmumie und den charismatischen Naturforscher Georges Cuvier gegeben. Zu diesem Ergebnis kommen Dr. Caitlin Curtis von der australischen University of Queensland und ihre Kollegen Craig Millar und David Lambert in einem Beitrag für das Wissenschaftsmagazin PLOS Biology.
Nachdem Napoleon seinen Ägypten-Feldzug beendet hatte, kehrte nicht nur seine "Grande Armee" nach Frankreich zurück, sondern auch das Wissenschaftler-Team, das ihn begleitet hatte, um die Pyramiden zu erforschen. Und so gelangten damals nicht nur zahlreiche menschliche Mumien nach Paris, sondern auch hunderte Tiermumien. Und eine davon - die eines Ibis - sorgte für eine kontroverse wissenschaftliche Debatte.
Die Naturforscher Georges Cuvier und Jean-Baptiste Lamarck verglichen den mumifizierten Ibis mit einem zeitgenössischen ausgestopften Ibis, den sie im National Museum für Naturgeschichte in Paris gefunden hatten - und mussten feststellen, dass sich der Vogel in den zurückliegenden Jahrtausenden kein bisschen verändert hatte.
Cuvier schloss daraus, dass die Arten unveränderlich sind. So etwas wie Evolution fand nicht statt. Lamarck, der schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts so etwas wie eine rudimentäre Evolutionstheorie im Kopf hatte, hielt dagegen, dass ein paar Jahrtausende einfach zu kurz seien, um evolutionäre Anpassungen feststellen zu können.

Cuvier gewinnt die wissenschaftliche Debatte

Nachdem die beiden Forscher ihre Ergebnisse der Französischen Akademie der Wissenschaften präsentiert hatten, kam es zu vielen Debatten darüber, ob nun so etwas wie Evolution stattfindet oder nicht. Einige Forscher unterstützen Lamarck, doch die große Mehrheit versammelte sich hinter Cuvier. Und so siegte ein letztes Mal die Lehrmeinung, dass sich Arten nicht verändern und schon immer so aussahen, wie sie heute aussehen. Doch spätestens seit Darwin wissen wir, dass das falsch ist.
Dr. Caitlin Curtis und ihre Kollegen kommen in ihrem Beitrag für PLOS Biology zu dem Ergebnis, dass der "Fall Ibis" ein schönes Beispiel dafür ist, wie sich falsche Forschungsergebnisse durchsetzen und verbreiten können. Denn ihrer Meinung nach hat Cuvier nur gesiegt, weil er der bekanntere Wissenschaftler und der bessere Redner war.

Das klingt ja wie ein Hilferuf

"Der Fall des Heiligen Ibis zeigt den unverhältnismäßig großen Einfluss, den charismatische und dominante Forscher-Persönlichkeiten haben können", schreiben Curtis und Co. in ihrem Artikel. "Cuvier's Verweigerungshaltung hat die Akzeptanz der Evolution um fünfzig Jahre zurückgeworfen."
Dann wird Dr. Curtis noch deutlicher: "Cuvier's Geschichte liegt zwar schon 200 Jahre zurück, aber wir haben nach wie vor Probleme mit dominanten Forschern, die unverhältnismäßig großen Einfluss darauf haben, in welche Richtung sich die Wissenschaft entwickelt."
Man soll ja nicht überinterpretieren, aber das klingt ja beinahe wie ein Hilferuf. Wen die australischen Forscher da wohl im Auge haben?
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