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Waren das letzte Denisovas oder schon moderne Menschen?

Waren das letzte Denisovas oder schon moderne Menschen?
Knochenspitzen und Anhänger aus Tierzähnen aus der Denisova-Höhle. Stammen sie von modernen Menschen oder von den letzten Denisovas, die dort gelebt haben?
Foto: © Katerina Douka
ICH SEH DAS ANDERS Zwei neue, im Fachmagazin Nature veröffentlichte Studien haben eine kontroverse Diskussion darüber ausgelöst, welche Menschenart die vielen fortschrittlichen Artefakte (Knochenschmuck, Speerspitzen aus Elfenbein, verzierte Werkzeuge) in der Denisova-Höhle hinterlassen hat.
Die Funde wurden auf ein Alter von 43.000 bis 49.000 Jahre datiert. Damit könnten sie von den letzten Denisovas stammen, die in der südsibirischen Höhle gelebt haben - oder von modernen Menschen, die sich früher in der Region ausgebreitet haben, als man bislang dachte.

Waren es Denisovas oder moderne Menschen?

Technologisch scheint die Sache klar. Solche Artefakte kennt man bislang nur vom Homo sapiens. Damit wären es die ältesten Spuren, die der moderne Mensch in Sibirien hinterlassen hat. Doch die Sache hat einen Haken. In den Sedimentschichten, in denen die Funde steckten, hat man weder Fossilien noch DNA von modernen Menschen finden können.
Professor Higham von der Universität Oxford und Katerina Douka vom Jenaer Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte glauben daher, dass es zurzeit noch eine offene Frage ist, ob der Denisova- oder der moderne Mensch diese persönlichen Ornamente hergestellt und in der Höhle hinterlassen hat.
Higham: "Wir hoffen, dass wir in naher Zukunft durch die Anwendung der Sediment DNA-Analyse und weiterer direkter Datierungen solcher Ornamente herausfinden können, wer diese Gegenstände hergestellt hat, die in der Archäologie oft mit symbolischem und komplexerem Verhalten assoziiert werden."

Auch wenn es nicht jedem gefällt, aber es waren Denisovas

Eine klare Position bezieht Professor Mikhail Shunkov vom Institute of Archaeology and Ethnography in Novosibirsk, der die Denisova-Höhle schon seit vielen Jahren untersucht.
Der Siberian Times sagte er: "Die Schicht, um die es geht, ist zwischen 60.000 und unter 50.000 Jahre alt. Damit kann man sagen, dass das Obere Paläolithikum in der Denisova-Höhle vor 50.000 Jahren begann. Weltweit wird diese Periode mit dem Homo sapiens in Verbindung gebracht, aber in unserem Fall waren es Denisovas."
Shunkov weiter: "Nicht jeder ist bereit, das zu akzeptieren. Aber wir verbinden diese Artekfakte nicht mit dem Homo sapiens, sondern mit den Denisovas."

Ich würde mein Geld auf den Homo sapiens setzen

Professor Chris Stringer vom Natural History Museum in London kann sich nicht vorstellen, dass der Schmuck und die anderen Artefakte aus den jüngsten Fundschichten der Denisova-Höhle von Denisova-Menschen stammen. Er weist darauf hin, dass es einen Knochenfund aus der russischen Ust-Ischim Höhle gibt, der beinahe genauso alt ist und dem modernen Menschen Homo sapiens zugeordnet wurde.
Stringer sagte dem renommierten Fachmagazin Science: "Ich würde mein Geld auf frühe moderne Menschen setzen, von denen man auch anderswo Fossilien aus dieser Zeit gefunden hat."
Letztlich geht es um die Frage: Gab es in der Zeit vor 50.000 bis 43.000 Jahren technologisch hochentwickelte und kulturell fortschrittliche Menschen, die nicht Homo sapiens waren? Waren die Denisovas dem Homo sapiens ähnlicher als ihrem genetischen Vetter, dem Neandertaler? Wie es aussieht, steht eine Antwort darauf noch aus.
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