HOMO SAPIENS
Button
Menschen. Urmenschen. Hominiden
Forscher. Fossilien. Artefakte
Menübutton
SKULL.X - Der Paläo Blog

Die ersten Sesshaften aßen Suppe, Fleisch und Milchprodukte

Die ersten Sesshaften aßen Suppe, Fleisch und Milchprodukte
Kalzifizierte Lebensmittelreste auf 8000 Jahre alten Keramikscherben verraten uns, was die Bewohner der jungsteinzeitlichen Siedlung Catalhöyük gegessen haben.
Foto: © Ingmar Franz, Hendy et al.
Ein Forscherteam unter der Leitung von Dr. Jessica Hendy vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte hat Proteinrückstände auf 8000 Jahre alten Kochgefäßen aus der jungsteinzeitlichen Siedlung Catalhöyük in Anatolien untersucht, um herauszufinden, wie sich die Bewohner ernährt haben.
Es handelt sich nicht um die erste Analyse dieser Art, allerdings sind Hendy und ihre Kollegen die ersten, die sich auf die in den Lebensmittelrückständen enthaltenen Proteine konzentriert haben. Denn die, davon sind die Forscher überzeugt, geben ein detaillierteres Bild darüber ab, was diese frühen Siedler in ihre Kochtöpfe gesteckt haben.

Fleisch und Milch von Schafen und Ziegen, kaum Rind

Was haben die Forscher gefunden? Nun ja, eine bunte Mischung aus Getreide, Hülsenfrüchten, Milchprodukten und Fleisch. Eine speziesgenaue Bestimmung zeigte, dass die Milchprodukte vor allem von Schafen und Ziegen stammen, nur in wenigen Fällen von Rindern.
Das deckt sich mit älteren Studien, die bereits zu dem Ergebnis kamen, dass die Bewohner von Catalhöyük zu Beginn ihrer Siedlungsperiode nur Schafe und Ziegen hielten. Als Ergänzung ihrer Nahrung scheinen sie Wildrinder gejagt zu haben. Erst gegen Ende ihrer Siedlungszeit vor etwa 6000 Jahren domestizierten sie auch das Rind.

Wahrscheinlich gab es viel Eintopf

Dr. Jessica Hendy und ihr Team haben eine weitere interessante Entdeckung gemacht. In allen untersuchten Keramik-Artefakten haben sie Proteine von verschiedenen Lebensmitteln gefunden. Sie schließen daraus, dass die Bewohner von Catalhöyük entweder vor allem Suppen und Eintöpfe gekocht oder mehrere Nahrungsmittel nacheinander im gleichen Topf zubereitet haben. Oder beides.
Allerdings gab es eine Ausnahme. In einigen Gefäßen hat man aussschließlich Proteine gefunden, die typisch für Molke sind - also für die Rückstände, die bei der Käseproduktion entstehen.

Wozu wurde die Molke genutzt?

Dr. Hendy: "Das ist besonders interessant, weil es vermutlich bedeutet, dass die Bewohner der Siedlung eine Methode der Milchverarbeitung anwandten, bei der Milch in Molke und Käsebruch getrennt wurde. Es bedeutet auch, dass Molke nach dem Trennen in einem besonderen Gefäß aufbewahrt und zu weiteren Zwecken verwendet wurde."
Aus Molke stellt man heute zum Beispiel Energy-Drinks für Kraftsportler und karamellisierte Süßigkeiten her. Im 18. und 19. Jahrhundert schrieb man der Molke sogar eine heilende Wirkung zu. Damals erfreuten sich in Europa sogenannte "Molkenkurorte" großer Beliebtheit.

Ab und zu ging man noch auf die Jagd

Catalhöyük gehört zu den ältesten Siedlungen der Menschheit. Die ersten der 200 Häuser, die man entdeckt hat, wurden bereits vor 9000 Jahren erbaut. Die Siedlungsgeschichte endete vor etwa 6000 Jahren. Man schätzt, dass zur Blütezeit der Stadt mehrere tausend Menschen in Catalhöyük gelebt haben.
Nun wissen wir auch, was diese Menschen gegessen haben. Suppen und Eintopf, hin und wieder Fleisch, verschiedene Milchprodukte. Diese frühen Siedler haben also Gemüse und Getreide angebaut, bereits Nutztiere gehalten - und ab und zu gingen sie noch auf die Jagd.
Und noch etwas belegen die kalzifizierten Ablagerungen auf den alten Keramikscherben eindrucksvoll: Die Bewohner von Catalhöyük besaßen noch keine Spülmaschinen.
SKULL.X - Der Paläo Blog
Button Über Charles Darwin und die Evolutionstheorie
Button Wie funktioniert eigentlich Evolution?
Button Fossilien sind seltener als Diamanten
Button Menschen und Hominiden nach Gattung und Art
Das Klima gab der Evolution des Menschen einen kräftigen Schub
Wahrscheinlich stammt jeder zweite Europäer von einem Jamnaja ab
Ist die Evolution berechenbar oder nur ein planloses Chaos?

EVOLUTION & MEINUNG

Es muß eine unvorstellbare grosse Zahl von Übergangsstufen zwischen allen lebenden und ausgestorbenen Arten gegeben haben. Von ihnen fehlt fast jede Spur. Wo sind sie geblieben?
Steve Jones

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren

Eine Mutation machte den Menschen zum besten Läufer der Welt
Die Shigir-Holzfigur ist 11.500 Jahre alt. Wozu sie diente, ist unklar
Übersicht: Alle neuen Beiträge in chronologischer Reihenfolge »