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Verraten fossile Zähne, ob sie von einem Mann oder einer Frau sind?

Verraten fossile Zähne, ob sie von einem Mann oder einer Frau sind?
Man sieht es ihm nicht an, aber dieser Zahn ist 7300 Jahre alt. US-Forscher haben eine neue Technik entwickelt, um ihm das Geschlecht seines Besitzers zu entlocken.
Foto: © Jelmer Eerkens, UC Davis
UND ES WARD PROTEIN Mann oder Frau? Oft ist es schwierig, das Geschlecht eines Fossils zu bestimmen. Zwar gibt es einige Methoden, um das herauszufinden, aber die funktionieren nicht bei jedem Fund. Vor allem dann, wenn es sich um Kiefer und Zähne handelt, die man ohne weitere Körperknochen ausgegraben hat.
Damit ist nun Schluss, sagen Forscher der University of California in Davis. Sie haben eine neue Technik entwickelt, bei der sie mittels Massenspektrometrie (Moleküle werden zu Gasen erhitzt, ionisiert und durch ein elektrisch geladenes Feld geschickt) nach Amelogenin-Proteinen suchen. Und das Amelogenin gibt Aufschluss darüber, ob der Zahn von einem Mann oder einer Frau stammt.

Klassische Verfahren, um das Geschlecht zu bestimmen

Es gibt eigentlich nur zwei zuverlässige Methoden, um das Geschlecht eines Fossils zu bestimmen. Wenn man Hüftknochen findet, kann man daran ablesen, ob sie von einem Mann oder einer Frau stammen. Diese Methode hat allerdings den Nachteil, dass sie bei Kindern und Heranwachsenden nicht funktioniert, denn in diesem Alter sind die geschlechtspezifischen Unterschiede noch nicht so ausgeprägt.
Methode zwei ist die DNA-Analyse. Allerdings sind solche Tests sehr aufwändig und teuer. Und nicht jedes Fossil enthält verwertbare DNA, die man untersuchen kann.
Ansonsten ist es überaus schwierig, zu bestimmen, ob ein Knochen von einer kräftigen Frau oder einem kleinwüchsigen Mann stammt. Und so streiten Archäologen und Paläoanthropologen regelmäßig darüber, wie ein Fossil einzuordnen ist. Sogar bei der berühmten Mrs. Ples (Australopithecus africanus) wird darüber diskutiert, ob sie nicht vielleicht ein Mann war.

Das Geschlecht steckt im Protein Amelogenin

Da Zähne zu den häufigsten Fossilien gehören, haben die kalifornischen Forscher unter der Leitung des Anthropologen Jelmer Eerkens einen anderen Weg gewählt, um das Geschlecht eines Menschen zu bestimmen. Sie suchen in den Zähnen nach dem Protein Amelogenin und machen sich dabei zunutze, dass es zwei Varianten dieses Proteins gibt. Es gibt eine X-Variante, die man bei Männern und Frauen findet, und eine Y-Variante, die nur Männer besitzen.
Findet man in einem Zahn nur Amelogenin X, dann kann man ziemlich sicher sein, dass er von einer Frau stammt, sagen die amerikanischen Forscher. Findet man zusätzlich Amelogenin Y, dann muss der Zahn von einem Mann stammen.
Jelmer Eerkens und seine Kollegen sind ziemlich begeistert von ihrer neuen Technologie. Man braucht keinen Anatomie-Experten, sie ist billiger als eine DNA-Analyse und man benötigt nicht mal einen sterilen Reinraum, um den Zahntest durchzuführen. Und erste Versuche mit Fossilien, die bis zu 7300 Jahre alt waren, sind sehr positiv verlaufen.

Probleme in der Forensik

Es gibt aber auch einen Haken, den Eerkens und Co. in ihrer Studie leider nicht erwähnen. Kriminal-Forensiker nutzen eine ähnliche Methode seit Jahren, um das Geschlecht von Verbrechensopfern zu bestimmen. Und dabei ist ihnen aufgefallen, dass das Protein Amelogenin sehr anfällig für Mutationen ist. Und das kann zu falschen Resultaten führen. Es sind mehrere Fälle dokumentiert, in denen die Geschlechtsbestimmung mittels Amelogenin gründlich in die Hose ging (Balitzki et al. / Rechtsmedizin, Ausgabe 1 / 2014).
Man muss also abwarten, wie zuverlässig der neue Zahntest ist. Sollte er zuverlässig sein, dann wäre er eine große Hilfe für alle Archäologen und Paläoanthropologen. Denn es spielt eine große Rolle, ob ein Fossil von einer Frau oder von einem Mann stammt. Die geschlechterspezifischen Größenunterschiede zwischen Männern und Frauen sind zum Teil erheblich. Beim modernen Menschen Homo sapiens zum Beispiel betragen sie etwa 10 Prozent. Und bei unseren affenähnlichen Vorfahren waren sie wahrscheinlich noch deutlich größer.
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