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Dass der Mensch heute so alt wird, verdankt er 25 Mutationen

Dass der Mensch heute so alt wird, verdankt er 25 Mutationen
Spanische Genforscher haben 25 Mutationen entdeckt, die dafür sorgen, dass heutige Menschen doppelt so alt werden wie ein Neandertaler oder ein Schimpanse.
Symbolbild
Menschen können heute ungeheuer alt werden. Über 100 Jahre. Unsere nächsten lebenden Verwandten, die Schimpansen und Gorillas, bringen es selbst unter optimalen Bedingungen nur auf 40 bis 45 Jahre. Das gleiche gilt für den Neandertaler und den frühen Homo sapiens. Doch warum ist das so? Spanische Forscher glauben eine Antwort darauf gefunden zu haben.
Ursache für die hohe Lebenserwartung des heutigen Menschen ist ein Bündel von 25 genetischen Mutationen, die sich im Laufe der Zeit im Erbgut des Homo sapiens angesammelt haben, sagen Gen-Experten des Instituts für evolutionäre Biologie (IBE) in Spanien. Und vieles deutet darauf hin, dass diese Mutationen erst sehr spät aufgetreten sind.

Mit 40 Jahren war das Leben vorbei

Ob Vormensch Australopithecus oder Urmensch Homo erectus, keiner wurde älter als 40 Jahre. Nur wenig besser erging es dem Neandertaler und dem frühen modernen Menschen. Gerade mal 14 Prozent waren zum Zeitpunkt ihres Todes älter als 40 Jahre. Zu diesem Ergebnis kommt Erik Trinkaus von der Universität St. Louis, der 59 Neandertaler- und 62 Homo sapiens-Fossilien untersucht hat.
Heutige Menschen dagegen bringen es locker auf 70 oder 80 Jahre. Und weltweit gibt es 500.000 Menschen, die älter als 100 Jahre sind. Ein enorm langes Leben. Und das lässt sich allein mit besserer Ernährung und moderner Medizin nicht erklären.

Ein Bündel von Gen-Mutationen

Um herauszufinden, warum der heutige Mensch so alt wird, hat ein spanisches Forscherteam unter der Leitung von Arcadi Navarro und Gerard Muntane das Erbgut von 13 Primatenarten - inklusive Mensch - verglichen und ist dabei auf 25 Mutationen gestoßen, die nur der Mensch besitzt. Und weil sich diese Mutationen allesamt in Genbereichen befinden, die für Wundheilung, Gesundheit des Herzens und Blutgerinnung zuständig sind, glauben die spanischen Forscher, dass diese Mutationen den Unterschied ausmachen und den heutigen Menschen so alt werden lassen.
"Die Ergebnisse sind aussagekräftig, denn bei Arten, die länger leben, ist eine flexible und anpassungsfähige Kontrolle der Gerinnungsmechanismen erforderlich", sagte Gerard Muntane.
Arcadi Navarro: "Wir glauben, dass die von uns entdeckten Gene dazu beitragen, das Leben zu verlängern."
Und weil Neandertaler und früher Homo sapiens noch nicht so alt wurden, gehen die Forscher davon aus, dass diese Mutationen erst sehr spät aufgetreten sind - also in den letzten 40.000 Jahren.

Das hohe Alter ist nur ein Nebeneffekt

Dass der Mensch heute so alt wird, liegt also (auch) an den Genen - was erklären würde, warum es Regionen gibt, in denen sehr viele sehr alte Menschen leben (zum Beispiel in Japan) und warum die Mitglieder einer Familie oft ein ähnlich hohes Alter erreichen.
Doch warum haben sich die 25 Methusalem-Gene durchgesetzt und verbreitet? Welchen evolutionären Vorteil soll es haben, 100 Jahre oder älter zu werden? Gar keinen, sagen die spanischen Forscher. Jede Genmutation (bessere Blutgerinnung, gesünderes Herz, schnellere Wundheilung etc.) hat sich separat und völlig unabhängig voneinander entwickelt. Und jede war für ihren Träger vorteilhaft. Dass die Kombination dieser 25 Mutationen unter dem Strich zu einer höheren Lebenserwartung geführt hat, ist purer Zufall und unterliegt keinerlei Selektionsdruck.
Mit anderen Worten: Steinalt zu werden, hat evolutionsbiologisch keinerlei Sinn. Doch die Mutationen, die dieses hohe Alter bewirken, waren jede für sich ein großer Vorteil und haben sich deshalb ausgebreitet.
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Die meisten Arten zeigen keine gerichteten Veränderungen während ihrer Existenz auf Erden. Von ihrer Erscheinungsform im Fossilbericht her sehen sie fast genauso aus wie zum Zeitpunkt ihres Verschwindens.
Stephen Jay Gould

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