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Beinahe ein Mensch, aber die Sache ist irgendwie dumm gelaufen

Beinahe ein Mensch, aber die Sache ist irgendwie dumm gelaufen
Rekonstruktion eines Paranthropus. Dass er kein Mensch wurde, verdankt er seinem mächtigen Gebiss und einer falschen Entscheidung.
Foto: © John Gurch, Tim Evanson; CC BY-SA 2.0 Lizenz
Heute wollen wir an einen Hominiden erinnern, der beinahe ein Mensch geworden wäre, aber vor 2,8 Millionen Jahren falsch abbog und in einer evolutionären Sackgasse endete. Man nennt ihn Paranthropus. Manche sagen auch Nussknackermensch. Aber das ist falsch, denn zum Menschen hat es für den Paranthropus nie gereicht.
Der Paranthropus stammt wie der Mensch vom aufrecht gehenden Menschenaffen Australopithecus ab. Doch als es darum ging, sich zwischen Gehirn und Gebiss zu entscheiden, entschied sich der Paranthropus fürs Gebiss. Und das war, zumindest aus heutiger Sicht, ein Fehler.

Dramatische Klimaveränderung

Warum wurde Australopithecus Adam zum cleveren Menschen, während Australopithecus Bernd zum wohl eher tumben Paranthropus mutierte? Wir wissen es nicht. Aber es gibt eine Theorie. Und die argumentiert durchaus plausibel.
Vor 2,8 Millionen Jahren, so die Forscher, kam es in der Südhälfte Afrikas zu einer dramatischen Klimaveränderung. Es wurde extrem trocken (so wie zurzeit in Europa). Und dadurch veränderte sich das Nahrungsangebot. Die weichen, saftigen Pflanzen und Früchte, von denen sich der Australopithecus ernährte hatte, wurden weniger. Dafür breiteten sich hartfaserige Pflanzen aus, die extrem schwer zu kauen waren.

Aufspaltung in zwei Entwicklungslinien

Der Australopithecus steckte in Schwierigkeiten. Ihm ging die Nahrung aus. Doch die Evolution fand eine Lösung. Oder besser gesagt zwei. Australopithecus Adam nahm Steine in die Hand und zerkleinerte die hartfaserigen Früchte. Den Brei bekam er herunter und er überlebte. Er hatte seinen Grips benutzt und entwickelte sich danach zum Menschen.
Australopithecus Bernd überließ die Sache der Evolution. Über einen langen Zeitraum voller Entbehrungen und tragischer Todesfälle entwickelte er riesige Zähne und mächtige Kiefer, mit denen er die hartfaserige Kost kauen konnte. Auch das klappte. Auch Bernd überlebte. Doch er hatte nicht sein Gehirn benutzt wie Adam. Und das war ein Fehler.
Salopp könnte man sagen: Die schlauen Australopithecinen haben das Nahrungsproblem mit Köpfchen gelöst, während die weniger Begabten die Sache dem Zufall, oder sagen wir besser der Selektion überließen. Und so entstanden zwei völlig unterschiedliche Entwicklungslinien.

Kein Fehlschlag der Evolution

Den Paranthropus als Fehlschlag der Evolution zu bezeichnen, wäre ungerecht. Schließlich existierte er noch stolze 1,5 Millionen Jahre. Er hat Homo rudolfensis, Homo habilis und Homo naledi überlebt und war ein Zeitgenosse des Homo erectus. Der "tumbe Bruder" der Gattung Homo ließ sich von den frühen Menschenformen nicht so leicht unterkriegen.
Und wer weiß, vielleicht war der Paranthropus trotz seines kleinen Gehirns (500 ccm) gar nicht mal so dumm. Schließlich stammen viele der frühen Werkzeugfunde aus Sedimentschichten, in denen man ausschließlich Paranthropus-Fossilien, aber keine menschlichen Überreste gefunden hat. Vielleicht konnte der Paranthropus mehr, als nur Nüsse knacken.

Ein bisschen zu viel angepasst

Wie auch immer, vor 1,2 Millionen Jahren starb der Paranthropus aus. Wahrscheinlich fiel er einer weiteren Klimaveränderung zum Opfer. Seine Zähne und sein Gebiss waren inzwischen so hochgradig auf hartfaserige Nahrung spezialisiert, dass er sich kein zweites Mal anpassen konnte. Und ein großes Gehirn, mit dem er seine Probleme hätte lösen können, hatte er leider nicht entwickelt. Er hatte sich zu sehr auf seine Zähne verlassen.
Die Gattungsbezeichnung Paranthropus setzt sich aus den griechischen Worten Anthropus und Para zusammen. Anthropus bedeutet Mensch, Para steht für neben - also Nebenmensch. Und das trifft es ganz gut. Hätte der Paranthropus vor 2,8 Millionen Jahren seinen Grips und nicht sein Gebiss benutzt, dann hätte er durchaus ein Mensch werden können. In diesem Sinne: Ruhe in Frieden, Bruder aus der Steinzeit.
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