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30.000 Jahre Kunst und was sie mit dem Gehirn des Menschen macht

30.000 Jahre Kunst und was sie mit dem Gehirn des Menschen macht
Warum produziert der Mensch seit über 30.000 Jahren Kunst? Offenbar hat sich damals ein Hirnareal verändert, dass man als Default Mode Network bezeichnet.
Foto: © Symbolbild
DIE VORFAHREN PICASSOS Ob Wandmalerei oder Elfenbeinfiguren, seit mehr als 30.000 Jahren produziert der Mensch Kunst. Und bis heute ist nebulös, warum er das tut. Was bringt ihm Kunst? Welche Gefühle löst Kunst beim Menschen aus, wenn er sie betrachtet?
Ein internationales Forscherteam, zu dem auch Edward A. Vessel vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt gehörte, hat sich mit dieser Frage beschäftigt und bringt ein wenig Licht in diese abgelegene Ecke der Evolution.

Ungewöhnliche Hirnreaktionen

Vessel und seine Kollegen haben mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), einer bildgebenden Technik zur Beurteilung der Hirnaktivität, untersucht, was im Gehirn vor sich geht, wenn sich Menschen Kunstwerke anschauen.
Dabei haben sie festgestellt, dass ein Hirnareal, das man als Default Mode Network (DMN) bezeichnet, starke Reaktionen zeigt, wenn sich Menschen Kunstwerke anschauen, die sie ästhetisch ansprechend finden. Fühlen sie sich von einem Kunstwerk nicht angezogen, dann bleibt das DMN in seinem normalen Ruhezustand.

Stimulation durch ästhetische Kunst

Das Default Mode Network reagiert normalerweise nicht auf äußere Reize. Es ist nach innen gerichtet, ermöglicht es dem Menschen, Zukunftspläne zu schmieden und Tagträume zu haben. Es ist für Denkprozesse zuständig, die sich ohne äußere Reize abspielen. Das ändert sich allerdings, wenn wir Kunstwerke betrachten, die uns gefallen.
"Finden wir ein Kunstwerk ästhetisch ansprechend, werden Teile des DMN wieder aktiv, obwohl der Fokus auf der Außenwelt - dem Kunstwerk - liegt", erklärt Edward A. Vessel.
Dabei handelt es sich nach Ansicht der Forscher um einen "außergewöhnlichen Prozess im menschlichen Gehirn, der sowohl äußere Reize als auch mentale und emotionale Reaktionen verarbeitet."

Bewegende ästhetische Erfahrungen

Kunstwerke lösen also Reaktionen in Bereichen unseres Gehirns aus, die normalerweise nicht auf äußere Reize reagieren. Allerdings gilt das nur für Kunst, die uns anspricht und nachhaltig beeindruckt. Bei "schlechter Kunst" bleibt das DMN inaktiv.
"Wir konnten beobachten, dass dieser Hirnzustand relativ selten eintrat und wahrscheinlich ein Merkmal für bewegende ästhetische Erfahrungen ist", sagt Vessels Co-Autorin Amy Belfi von der Missouri University of Science and Technology.
Dass der Mensch vor über 30.000 Jahren damit begann, Kunst zu produzieren, könnte also daran liegen, dass sich damals eine neue geistige Fähigkeit entwickelt hat - nämlich äußere Reize in Hirnarealen zu verarbeiten, die normalerweise für Phantasie und Tagträume zuständig sind. Unklar ist noch, warum das nur einigen "auserwählten" Kunstwerken gelingt, während "schlechte" Kunst diese Hirnregionen nicht aktiviert.
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EVOLUTION & MEINUNG

Mir ist bis heute noch kein Problem - wie kompliziert auch immer - begegnet, dass sich nicht durch den richtigen Blickwinkel noch stärker verkomplizieren ließe.
Paul Alderson

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