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Klimawechsel und Kooperation verändern die Größe des Gehirns

Klimawechsel und Kooperation verändern die Größe des Gehirns
Warum ist das menschliche Gehirn so groß? Britische Forscher haben das berechnet und dabei eine erstaunliche Entdeckung gemacht.
Symbolbild
Der Mensch hat defintiv nicht das größte Gehirn auf unserem Planeten. Wale und Elefanten haben da deutlich mehr zu bieten. Doch in Relation zur Körpergröße ist das menschliche Gehirn gigantisch. Es ist sechsmal größer, als es aufgrund der Körperproportionen zu erwarten wäre. Und da stellt sich die Frage: Warum hat der Mensch ein so großes Gehirn entwickelt?
Es waren zwei Faktoren, die Einfluss auf das Hirnwachstum beim Menschen hatten, sagen Forscher der britischen Universität St. Andrews. Zum einen die Notwendigkeit, mit Klimaveränderungen und neuen Umweltbedingungen fertig zu werden. Und zum anderen die Anpassung an immer komplexere soziale Strukturen. Allerdings war das Zusammenspiel dieser Faktoren ganz anders als erwartet.

Computer überprüft zwei Hypothesen

Die Forscher haben mit neuen Computermodellen berechnet, wie und warum das menschliche Gehirn im Laufe der Jahrtausende immer größer geworden ist. Dabei überprüften sie zwei Hypothesen.
Die erste Hypothese war, dass es vor allem soziale Faktoren waren, die das menschliche Gehirn wachsen ließen. Der Mensch musste in zunehmendem Maße mit anderen Menschen kooperieren, er musste mit anderen kommunizieren und er musste voraussehen, wie andere Menschen "ticken" und reagieren.
Hypothese zwei lautete, dass es vor allem ökologische Probleme waren, die das menschliche Gehirn komplexer machten und größer werden ließen. Angetrieben von Klimaveränderungen musste der Mensch lernen, wo man Nahrung findet, wie man Nahrungsmittelvorräte anlegt, wie man Essen erhitzt und wie man Werkzeuge herstellt.

Kooperation lässt das Gehirn schrumpfen

Sollte stimmen, was die britischen Computer berechnet haben, dann haben die Forscher von St. Andrews eine überraschende Entdeckung gemacht. Wie es aussieht, waren es die ökologischen Herausforderungen, die das menschliche Gehirn wachsen ließen. Jede Klimaveränderung stellte den Menschen vor neue Probleme, die er lösen musste, um zu überleben. Und das ließ sein Gehirn wachsen. Ganz anders sah es bei den sozialen Faktoren aus. Sie sorgten eher dafür, dass das menschliche Gehirn wieder kleiner wurde.
Die Wissenschaftler erklären das so: Wenn man in einer Gruppe lebt und mit anderen Menschen kooperiert, dann kann man auch den Verstand der anderen Gruppenmitglieder nutzen. Und das senkt die Herausforderungen. Oder salopper formuliert: Wenn man Leute hat, die für die Nahrung sorgen (oder den Müll abholen), dann muss man sich darüber keine Gedanken machen.

Noch größeres Gehirn ohne Kooperation

Zu Ende gedacht, würde das bedeuten, dass der Mensch heute ein noch deutlich größeres Gehirn hätte, wenn er nicht mit anderen Menschen kooperieren würde. Er müsste sich um alles selbst kümmern, er müsste alles selbst wissen.
Doch große Gehirne haben einen entscheidenden Nachteil. Sie verbrauchen enorm viel Energie. Und die muss man erst mal in Form von Nahrung heranschaffen. Da war es offenbar ein evolutionärer Vorteil, Gemeinschaften zu bilden und das Wissen anderer zu nutzen, um die Größe und den Energiebedarf des Gehirns zu limitieren.
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