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Die Primaten sind anders. Über die Erfindung des Fingernagels

Die Primaten sind anders. Über die Erfindung des Fingernagels
Die Primaten besitzen ein einzigartiges Merkmal - sie haben Fingernägel statt Krallen. Doch wie und warum sie entstanden sind, ist nach wie vor rätselhaft.
Foto: © Rufus46, CC BY-SA 3.0 Lizenz
Ein Merkmal, das alle Primaten einschließlich Mensch von den anderen Säugetieren unterscheidet, sind die Fingernägel. Doch wann und warum sind sie entstanden? Und welchen evolutionären Vorteil boten sie den frühen Primaten, so dass sie sich evolutionär durchgesetzt haben?
Die meisten höher entwickelten Säugetiere besitzen Krallen. Sie dienen der Fellpflege und der Beseitigung von Parasiten, die sich dort einnisten. Raubtiere nutzen sie auch für die Jagd. Doch die Primaten sind einen anderen Weg gegangen. Sie haben Fingernägel entwickelt. Und die sind einzigartig im Tierreich.

Vier Fingernägel und eine Putzkralle

Der älteste Nachweis für Fingernägel ist 55,8 Millionen Jahre alt. Sie stammen von einem Urprimaten mit dem Namen Teilhardina brandti, dessen Fossilien man im US-Bundesstaat Wyoming gefunden hat. Und dieser Urzeit-Primat besaß einen seltsamen anatomischen Mix. Er hatte an vier Fingern Nägel, aber an einem noch eine Kralle. Bis dato ging man davon aus, dass die Primaten von Anfang an ausschließlich Fingernägel hatten.
Es gibt auch heute noch Affen, die eine "Putzkralle" besitzen - zum Beispiel Feuchtnasenaffen und Koboldmakis. Und die gängige Theorie lautete bislang, dass sich diese Putzkralle erst nach der Entstehung der Primaten und nur bei einigen Affenarten entwickelt hat. Doch die Tatsache, dass bereits Teilhardina brandti eine Putzkralle besaß, lässt darauf schließen, dass die Evolution der Primatenfinger deutlich komplizierter war.
Die großen Menschenaffen (Gorilla, Schimpanse, Orang-Utan) und der Mensch besitzen keine Putzkralle (mehr). Sie haben ausschließlich Fingernägel. Ob sie nie eine Putzkralle besaßen oder ob ihre Vorfahren dieses anatomische Merkmal wieder abgelegt haben, ist seit der Entdeckung des Teilhardina brandti unklar.

Krallen sind auf Bäumen eher hinderlich

Es gibt mehrere Theorien darüber, warum die Primaten Fingernägel entwickelt haben. Die meisten Experten gehen davon, dass es mit dem Klettern auf Bäumen zu tun hatte. Lange Krallen sind da eher hinderlich. Außerdem sind kurze Fingernähel nützlich, wenn man kleine Gegenstände greifen will.
Doch warum besitzen die Menschenaffen und der Mensch keine Putzkralle (mehr)? Schließlich haben alle heutigen Menschenaffen ein dichtes Fell und man nimmt an, dass auch die Vorfahren des Menschen - zum Beispiel der Australopithecus - noch dicht behaart waren.
Auch darauf haben die Forscher eine Antwort. Sie sagen: Weil wir uns haben. Die Vorfahren des Menschen und die heutigen Menschenaffen haben irgendwann damit begonnen, in sozialen Gemeinschaften zu leben. Und da konnte man seinen Nachbarn bitten, die Fellpflege zu übernehmen. Man brauchte keine Putzkralle (mehr).

Schwieriges Forschungsobjekt

Alles in allem muss man sagen, dass die Entstehung der Fingernägel wenig erforscht ist. Das hat vor allem damit zu tun, dass Krallen und Fingernägel aus Hornzellen bestehen - also aus organischem Material, das schnell zerfällt und fossil nicht erhalten ist.
Wahrscheinlich sind die Fingernägel entstanden, als die ersten Primaten den Erdboden verließen und anfingen, auf Bäumen herumzuklettern. Und die 55,8 Millionen Jahre alten Fossilien von Teilhardina brandti lassen vermuten, dass es dabei mehrere Entwicklungslinien gab. Einige Primaten haben die Krallen komplett abgelegt, andere bewahrten sich die Putzkralle. Die Gattung Homo gehört zweifelsfrei zu den Nur-Fingernäglern - es sei denn, man heißt John Silver und hat sich eine gewaltige Putzkralle aus Metall anfertigen lassen.
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