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Neandertaler und Homo sapiens hatten häufiger miteinander Sex

Neandertaler und Homo sapiens hatten häufiger miteinander Sex
Europäer und Asiaten haben unterschiedlich viele Neandertaler-Gene. Bislang ein Rätsel. US-Forscher haben herausgefunden, woran das liegt.
Foto: © Veronique Pagnier, CC BY-SA 3.0 Lizenz
LIEBE UNTER NACHBARN Der moderne Mensch Homo sapiens und die Neandertaler hatten Sex und haben sich vermischt. Das belegen mehrere Gen-Studien, die seit dem Jahr 2010 durchgeführt wurden. Alle heutigen Europäer und Asiaten tragen Neandertaler-Gene in sich, die Zeugen dieses eiszeitlichen Techtelmechtels sind.
Doch es gibt noch offene Fragen. Eine lautet: Warum besitzen Asiaten 12 bis 20 Prozent mehr Neandertaler-DNA als ihre europäischen Vettern? Schließlich gab es in Asien nie Neandertaler. Ihre Gene müssen mit dem Homo sapiens nach Asien gelangt sein.

Zwei Erklärungsansätze

Bislang gibt es zwei Theorien, die versuchen, dieses Phänomen zu erklären. Eine lautet, dass sich der europäische Homo sapiens später noch einmal mit einer bislang unbekannten "Ghostspecies" (z.B. aus Afrika) vermischt hat, die nie Kontakt zum Neandertaler hatte. Durch die neuen "neandertalerfreien" Gene wurde das europäische Erbgut ein zweites Mal verändert. Die Zahl der Neandertaler-Gene im europäischen Homo sapiens nahm wieder ab.
Theorie zwei geht davon aus, dass es kein einzelnes großes Vermischungsereignis gab, sondern dass sich die Neandertaler immer wieder, über einen längeren Zeitraum und mit verschiedenen Homo sapiens-Gruppen vermischt haben. Oder einfacher ausgedrückt: Die Vorfahren der heutigen Asiaten haben häufiger das Bett mit dem Neandertaler geteilt als die frühen Europäer.

Komplexe längerfristige Interaktion

Um diese Frage zu klären, haben Forscher der Temple Universität in Philadelphia 20.000 komplexe genetische Datensätze und Populationsmodelle durch einen Computer gejagt und berechnen lassen, welche von beiden Theorien plausibler ist. Und das Ergebnis war eindeutig.
Studienleiter Joshua G. Schraiber: "Unsere Ergebisse deuten darauf hin, dass es eine komplexere und längerfristige Interaktion zwischen dem modernen Menschen und den Neandertalern gab, als bisher angenommen wurde."
Zwar können die Forscher nicht ausschließen, dass sich der europäische Homo sapiens später noch einmal mit einer anderen menschlichen Population vermischt hat, die zuvor keinen Kontakt zu den Neandertalern hatte, aber ihr Beitrag an der "Verwässerung" des europäischen Genpools kann nicht sehr groß gewesen sein.

Bis zu 20 Prozent mehr Neandertaler-Gene

Bislang gingen viele Gen-Experten davon aus, dass sich Neandertaler und Homo sapiens nur einmal vermischt haben. Und das soll vor 50.000 bis 60.000 Jahren im Nahen Osten passiert sein, als sich die beiden Menschenarten erstmals begegneten. Und der Homo sapiens soll die dabei geerbten Neandertaler-Gene anschließend nach Europa und Asien getragen haben.
Sollten Joshua G. Schraiber und seine Kollegen recht haben, dann hat es dieses eine große Vermischungszenario nie gegeben. Der moderne Mensch muss auf seiner langen Reise nach Europa und Asien immer wieder und an verschiedenen Orten Sex mit Neandertalern gehabt haben. Und weil das bei den Populationen, die schließlich Asien erreichten, häufiger geschah, besitzen heutige Asiaten 12 bis 20 Prozent mehr Neandertaler-Gene als moderne Europäer.

Regional unterschiedliche Vermischung

Nach Ansicht der amerikanischen Forscher haben die Neandertaler und der moderne Mensch eine 35.000 Jahre andauernde gemeinsame Geschichte, die begann, als erste Homo sapiens-Gruppen vor 75.000 Jahren Afrika verließen und sich in Richtung Norden ausgebreitet haben.
Sowohl im Nahen Osten als auch in Europa und Asien müssen kleinere Populationen beider Menschenarten längere Zeit im gleichen Gebiet gelebt haben, wo sie Kontakt zueinander hatten und gemeinsamen Nachwuchs zeugten. Und diese regional unterschiedliche Vermischung hat dazu geführt, dass in heutigen Asiaten mehr Neandertaler steckt als in modernen Europäern.
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