Startseite Antropus
Menschen. Urmenschen. Hominiden
Forscher. Fossilien. Artefakte
Menübutton

Little Foot sieht ganz cool aus. Aber wann kommt endlich die Studie?

Little Foot sieht ganz cool aus. Aber wann kommt endlich die Studie?
Ron Clarke und Little Foot. Das Fossil ist legendär, aber praktisch unerforscht. Das muss sich ändern. Aber Clarke bleibt bei seinem Schneckentempo.
Foto: © Wits University
"Warten auf Godot" lautet der Titel eines berühmten Theaterstücks von Samuel Beckett. Doch der Brite Ron Clarke, Professor für Paläoanthropologie an der südafrikanischen Universität Witwatersrand, hat ein ähnliches Stück geschrieben. Es heißt "Warten auf Little Foot".
Im Jahr 1997 entdeckte Ron Clark in einer südafrikanischen Höhle die fossilen Überreste eines Australopithecus, den er "Little Foot" nannte. Doch obwohl es sich um den vollständigsten Hominidenfund handelt, der älter als 1,6 Millionen Jahre ist, wissen wir auch zwanzig Jahren nach der Entdeckung so gut wie nichts über diesen potenziellen Vorfahren des Menschen.

Wie doch die Zeit vergeht

Okay, Little Food steckte in beinhartem Felsgestein fest und musste mühevoll freigelegt werden. Und Clarke ist als penibler Konservator bekannt, der sich viel Zeit nimmt. Darüber kam es zwischenzeitlich sogar zum Streit mit seinem Chef Lee Berger (Entdecker von Australopithecus sediba und Homo naledi), der Clarke vorübergehend sogar feuerte. Die Wits Universität konnte diesen Konflikt nur lösen, indem sie Clark einen eigenen Fachbereich einrichtete und wieder einstellte.
Doch Clarke blieb auch nach diesem dramatischen Zwischenfall bei seinem gemächlichen Arbeitstempo. Und alles, was wir zurzeit über Little Foot wissen, ist, dass es sich um einen bislang unbekannten Australopithecus handeln soll (A. prometheus) und dass das Fossil 3,6 Millionen Jahre ist.
Allerdings ist auch diese Datierung umstritten, denn Little Foot hat in den letzten zwanzig Jahren mehrmals sein Geburtsdatum geändert. Anfangs hieß es, der Fund sei 3,0 bis 3,5 Millionen Jahre alt, dann jünger als 2,5 Millionen Jahre, dann älter als 4,0 Millionen Jahre und schließlich 3,6 Millionen Jahre. Doch Andy Herries, Datierungsexperte an der Universität Melbourne, der an der Erforschung von Little Foot beteiligt war, glaubt, dass auch dieses Alter "auf sehr dünnem Eis" steht.

Wann gibt es endlich eine Studie?

Inzwischen sind die Fossilien freigelegt und konserviert. Und im Dezember 2017 wurde Little Food medienwirksam der Öffentlichkeit präsentiert. Es handelt sich tatsächlich um ein beeindruckend vollständiges Fossil. Doch eine wissenschaftliche Studie steht nach wie vor aus.
In einer Presseerklärung kündigte die Wits Universität an, dass Clarke und ein Team internationaler Experten gerade dabei sind, umfassende wissenschaftliche Studien durchführen. Und "in naher Zukunft" soll eine Reihe wissenschaftlicher Artikel in international anerkannten Fachzeitschriften folgen. Insider munkeln, noch im Jahr 2018. Doch wer Ron Clarke kennt, muss Zweifel haben. Denn solche Ankündigungen gab es schon mehrmals, zuletzt im Jahr 2012. Und jedes mal folgte - nichts.

Wer beendet "Warten auf Little Foot"?

Ron Clarke sollte sich beeilen. Der gute Mann ist inzwischen 74 Jahre alt. Also in einer Lebensphase, in der man selbst ruckzuck zum Fossil werden kann. Und dann müsste ein anderer Autor "Warten auf Little Foot" zu Ende schreiben.
Sollte Lee Berger den Job übernehmen, dem ja oft vorgeworfen wird, viel zu schnell zu arbeiten und dabei wichtige Details zu übersehen, dann dürfte die Sache in nur wenigen Monaten erledigt sein. Aber das Tempo, mit dem Ron Clark arbeitet, ist ebenfalls inakzeptabel.
Der geheimnisvolle Mongolanthropus war ein Homo sapiens
Der Neandertaler konnte seine Holzspeere auch werfen - vielleicht
Button Über Charles Darwin und die Evolutionstheorie
Button Wie funktioniert eigentlich Evolution?
Button Fossilien sind seltener als Diamanten
Button Menschen und Hominiden nach Gattung und Art
PALÄO UPDATE
Fit für die Arktis: Denisova Gene haben Inuit winterfest gemacht

EVOLUTION & MEINUNG

Die größte Tragödie in der Wissenschaft überhaupt ist der Tod einer wunderschönen Hypothese durch die Hand einer hässlichen Tatsache.
Thomas Henry Huxley

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren

Forscher sicher: Die Neandertaler waren Jäger und keine Fischer
PALÄO NEWS
Der Megalith-Steinkreis stammt aus der französischen Bretagne
Welche Menschenart hat diese einfachen Werkzeuge hinterlassen?
Erster Neandertaler-Fund in der spanischen Sierra de Atapuerca
Übersicht: Alle neuen Beiträge in chronologischer Reihenfolge »