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Vor 9000 Jahren sind alle Südamerikaner ausgestorben

Vor 9000 Jahren sind alle Südamerikaner ausgestorben
Aus dieser Höhle in Brasilien stammt ein 9.600 Jahre altes menschliches Fossil, dessen Erbgut man für die neue Studie analysiert hat.
Foto: © Andre Strauss
EINFACH NUR GENETISCH Die ersten Amerikaner, die vor 14.000 Jahren die Beringstraße zwischen Sibirien und Alaska überquert und Nordamerika besiedelt haben, sind definitiv bis nach Mittel- und Südamerika vorgedrungen. Allerdings sind diese Menschen vor 9000 Jahren in Mittel- und Südamerika komplett ausgestorben und durch eine andere Population ersetzt worden.
Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Gen-Studie, die Forscher des Max Planck Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena zusammen mit amerikanischen und brasilianischen Kollegen in der Fachzeitschrift Cell veröffentlicht haben. Für ihre Studie haben die Forscher das Erbgut von 49 prähistorischen Nord-, Mittel- und Südamerikanern analysiert.

Direkte Verwandtschaft mit den Clovis-Indianern

Zunächst konnten die Gen-Experten nachweisen, dass die Menschen, die vor 11.000 bis 9000 Jahren in Mittel- und Südamerika gelebt haben, von jenen Menschen abstammen, die vor 13.000 Jahren in Nordamerika weit verbreitet waren und deren Hinterlassenschaften man als Clovis-Kultur bezeichnet.
"Eine Schlüsselentdeckung war, dass ein etwa 12.800 Jahre altes, mit der Clovis-Kultur verbundenes Individuum aus Nordamerika unzweifelhaft eine markante Abstammung mit den ältesten analysierten chilenischen, brasilianischen und belizischen Individuen teilt", erklärt Cosimo Posth vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. "Dies unterstützt die These, dass die Menschen, welche die Clovis-Kultur in Nordamerika verbreiteten, auch nach Mittel- und Südamerika gelangt sind."

Vor 9000 Jahren verschwinden die nordamerikanischen Gene

Doch dann machten die Forscher eine überraschende Entdeckung. Ab der Zeit vor 9000 Jahren verschwanden die Gene der sogenannten Clovis-Indianer komplett aus dem Erbgut der Menschen in Mittel- und Südamerika. In keinem Fossil aus der Zeit danach und auch bei den heutigen Ureinwohnern von Chile, Brasilien und Belize ließen sich noch Clovis-Gene nachweisen.
David Reich von der Harvard Medical School: "Dies ist unsere zweite wichtige Entdeckung: Wir haben gezeigt, dass es auf dem gesamten Subkontinent einen Austausch der Bevölkerung gab, der vor mindestens 9 000 Jahren begann."

Vollständiger Bevölkerungsaustausch

Spätestens vor 9000 Jahren muss sich in Mittel- und Südamerika eine neue Bevölkerungsgruppe ausgebreitet haben, die nicht mit den nordamerikanischen Clovis-Indianern verwandt war. Und wie es aussieht, stammen alle heutigen Ureinwohner Mittel- und Südamerikas von dieser Population ab.
Woher diese Menschen kamen und wie es ihnen gelang, die Urbevölkerung Südamerikas komplett zu ersetzen, muss noch erforscht werden. Die Genetiker sprechen in diesen Zusammenhang von einem vollständigen Bevölkerungsaustausch.
Wie es aussieht, waren die spanischen Konquistadoren nicht die ersten, die Mittel- und Südamerika erobert haben. Vor etwa 9000 Jahren muss etwas ähnliches passiert sein. Ob das ebenfalls mit Waffengewalt geschah oder ob die Zuwanderer tödliche Krankheiten im Gepäck hatten, gegen die die ersten Mittel- und Südamerikaner keine Abwehrkräfte besaßen, darüber kann man zurzeit nur spekulieren.
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