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Wahrscheinlich stammt jeder zweite Europäer von einem Jamnaja ab

Wahrscheinlich stammt jeder zweite Europäer von einem Jamnaja ab
Vor 4500 Jahren hat sich der Gen-Pool der Europäer dramatisch verändert. In der frühen Bronzezeit eroberte ein nomadisches Steppenvolk den Kontinent.
Symbolbild
Vor 4500 Jahren wurde Europa von einem südrussischen Steppenvolk, das man als Jamnaja-Kultur bezeichnet, regelrecht überrollt. In nur wenigen hundert Jahren wurde die Hälfte der europäischen Bevölkerung durch die Jamnaja ersetzt. In Großbritannien waren es sogar 90 Prozent. Und in Spanien wurden alle Männer ausgerottet.
So lautet das Ergebnis einer Gen-Studie, die David Reich von der Harvard Medival School bei einem Symposium in London vorgestellt hat, das vom Wissenschaftsmagazin New Scientist organisiert wurde. David Reich und seine Kollegen haben das Erbgut von Menschen analysiert, die seit der frühen Bronzezeit in Europa gelebt haben.

In Spanien sind alle Männer verschwunden

Vor 4500 Jahren erreichten die Jamnaja das heutige Großbritannien. Und in kurzer Zeit haben sie 90 Prozent des dortigen Genpools ersetzt. Möglicherweise haben die Zuwanderer Krankheiten eingeschleppt, gegen die die britische Urbevölkerung keine Abwehrkräfte besaß.
In Spanien dagegen scheint es eine aggressive Eroberung gegeben zu haben. In relativ kurzer Zeit verschwanden die Y-Chromosomen der spanischen Männer aus dem Genpool. Offenbar wurden sie getötet oder versklavt. Und die Jamnaja vermischten sich anschließend mit den Frauen der Urbevölkerung.
"Die Jamnaja haben sich damals über ein riesiges Gebiet von der Mongolei bis nach Europa ausgebreitet. Und viele heutige Europäer stammen von ihnen ab", sagt David Reich.

Die Nomaden mit den Hügelgräbern

Wer waren diese südrussischen Steppenbewohner, die Europa in so kurzer Zeit erobert und besiedelt haben? Und warum waren sie so erfolgreich?
Die Jamnaja waren ein Nomadenvolk, das erstmals vor etwa 5000 Jahren auftauchte und ursprünglich im Bereich des Schwarzen Meeres lebte. Zu ihren typischen Hinterlassenschaften gehören Hügelgräber, in denen sie ihre Toten bestatteten.
Kulturelle Hinterlassenschaften der Jamnaja lassen vermuten, dass sie den Europäern der frühen Bronzezeit technologisch überlegen waren. Sie kannten bereits das Rad und verfügten über domestizierte Pferde. Dadurch waren sie sehr mobil und konnten schnell große Entfernungen zurücklegen.
Ein weiterer Vorteil der Jamnaja bestand offenbar darin, dass 90 Prozent der "Zuwanderer" Männer waren. Und die paarten sich mit den europäischen Frauen, nachdem sie die Männer der Urbevölkerung besiegt und ausgerottet hatten.

In Asien weniger erfolgreich

In Asien waren die Jamnaja nicht so erfolgreich, sagen David Reich und sein Genetiker-Team. Sie haben nur wenige Spuren im Erbgut der dortigen Menschen hinterlassen. Offenbar gab es dort Völker, die den Invasoren Paroli bieten konnten und eine Eroberung verhindert haben.
Im heutigen Europa sah das ganz anders aus. Rund die Hälfte der Urbevölkerung wurde zu Beginn der Bronzezeit durch die Jamnaja ersetzt. Das betraf vor allem die Männer. Und so entstand eine - zumindest genetisch gesehen - völlig neue Bevölkerung. Jeder zweite Europäer hat wahrscheinlich einen Jamnaja in seiner Ahnenreihe.
Falls nun jemand um die europäische Urbevölkerung trauern sollte - auch die waren "nur" Zuwanderer. Die meisten Europäer der frühen Bronzezeit stammten von Ackerbauern ab, die vor etwa 8000 Jahren aus Kleinasien "eingereist" waren.
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