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25 Millimeter Eiszeit-Mensch. Neue Funde aus der Denisova-Höhle

25 Millimeter Eiszeit-Mensch. Neue Funde aus der Denisova-Höhle
Eine neue Technik namens ZooMS ermöglicht es, nun auch winzig kleine menschliche Fossilien aufzuspüren. Vier hat man jetzt in der Denisova-Höhle entdeckt.
Foto: © T. Higham, University of Oxford
Das gleiche Forscherteam, das vor einem Monat die Entdeckung des ersten Neandertaler-Denisova-Hybriden verkündete (Mutter Neandertalerin, Vater Denosiva-Mensch), hat in der russischen Denisova-Höhle im Altai-Gebirge vier weitere Knochenfragmente gefunden, die von ausgestorbenen Menschenformen stammen. Das meldet das Fachmagazin Nature.
Es handelt sich um winzige Knöchelchen, die unter Bergen von tierischen Überresten verborgen waren, wie sie bei archäologischen Grabungen regelmäßig anfallen. Dass man diese menschlichen Fossilien überhaupt entdeckt hat, verdankt man einer neuen Technik, die sich "Zooarchaeology by Mass Spectrometry" (kurz ZooMS) nennt.

Sensationelle neue Technik

Wenn Paläoanthropologen oder Archäologen Grabungen durchführen, dann finden sie in der Regel hunderte, wenn nicht gar tausende fragmentierte Knochenstücke. Die meisten sind nur wenige Millimeter groß. Und mit bloßem Auge ist nicht zu erkennen, ob sie von einem Höhlenbären, einem Mammut oder von einem Menschen stammen. Daher war es bislang nahezu unmöglich, in diesen Knochenbergen menschliche Überreste zu finden. Denn der Aufwand, jedes einzelne Mini-Fossil zu analysieren, wäre einfach zu groß und zu teuer.
Tom Higham von der Universität Oxford erklärt: "In der Denisova-Höhle zum Beispiel ist der größte Teil der Knochen von Hyänen zerbrochen worden. Daher ist eine Identifizierung mit bloßem Auge unmöglich. Und so liegen diese Fossilien in der Regel in irgendwelchen Kisten oder Regalen herum und sind zu nichts nutze."
Das hat sich durch ZooMS geändert. Die neue Technik ermöglicht es, relativ einfach Kollagen aus einem Knochenfragment zu extrahieren und in seine Pepside zu zerlegen. Und die Zusammensetzung dieser Pepside ist bei jedem Lebewesen anders und kann wie ein Fingerabdruck gelesen werden. Dadurch ist es jetzt möglich, mit vertretbarem Zeitaufwand sehr große Mengen dieser Mini-Knochen abzuarbeiten.

26 Milimeter Menschheitsgeschichte

Der Knochen des Neandertaler-Denisova-Hybriden (ein 13-jähriges Mädchen) war der erste, den man mit dieser neuen Technik in der Denisova-Höhle aufgespürt hat. Und wie erhofft, fanden die Forscher verwertbare DNA, die sie analysieren konnten. Ohne ZooMS wäre das nicht möglich gewesen.
Inzwischen hat man mit ZooMs vier weitere menschliche Knochen gefunden. Und einen davon hat Samantha Brown vom Max Planck Institut für Menschheitsgeschichte in Jena beim Jahrestreffen der "European Society for the Study of Human Evolution" in Portugal vorgestellt.
Es handelt sich um ein winziges Fragment, das nur 26 Millimeter lang ist. Aber man hofft, dass es verwertbare DNA enthält, mit der man bestimmen kann, von welcher Menschenart das kleine Fossil stammt und wie diese Person mit den bislang in der Denisova-Höhle gefundenen Neandertalern und Denisova-Menschen verwandt war. Insgeheim hoffen die Forscher, dass es sich vielleicht um den Vater oder die Mutter des Eiszeit-Mädchens handelt, das vor über 40.000 Jahren in der Denisova-Höhle gelebt hat.
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