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Können fossile Zähne lügen? Eine junge Forscherin sagt: Ja!

Können fossile Zähne lügen? Eine junge Forscherin sagt: Ja!
Was haben diese fossilen Zähne gegessen? Viel Fleisch? Oder hauptsächlich Pflanzen? Das zu messen, ist offenbar schwieriger, als man bislang dachte.
Foto: © Public Domain
Der Isotopen-Analyse von fossilen Zähnen und Knochen verdanken die Paläoanthropologen viele neue Erkenntnisse. Zum Beispiel, dass der Paranthropus gar kein "Nussknackermensch" war, sondern sich hauptsächlich von Gräsern ernährt hat. Oder dass Neandertaler und früher Homo sapiens nahezu das gleiche gegessen haben - Mammutfleisch und ein wenig Grünzeug.
Bislang wurden diese Forschungsergebnisse nie angezweifelt. Doch jetzt hat eine Doktorantin des American Museum of Natural History und der Columbia Universität festgestellt, dass all diese Analyseverfahren mit einer Konstante arbeiten, die offenbar gar keine Konstante ist.

Wovon haben sich Urmenschen ernährt?

Isotopen-Analysen funktionieren (einfach erklärt) so: Man misst den Gehalt der stabilen Kohlenstoff-Isotope C12 und C13 in Pflanzen und Beutetieren und vergleicht ihn dann mit dem C12/C13-Gehalt in fossilen Zähnen oder Knochen. Und je nachdem, wie hoch der Anteil und das Verhältnis dieser beiden Isotope sind, kann man berechnen, wovon sich ein Mensch oder Hominide ernährt hat.
Um solche Berechnungen anstellen zu können, muss man natürlich wissen, wieviele Kohlenstoff-Isotope aus dem Körper eine Beutetieres oder einer Pflanze in den Zähnen und Knochen eines Menschen gespeichert werden, wenn er diese Nahrung zu sich nimmt. Und hier kommt die oben angesprochene Konstante ins Spiel - man nennt sie Anreicherungswert.
Bislang ging man davon aus, dass der Anreicherungswert bei jedem Menschen oder Tier gleich ist. Er soll konstant 14 Promille betragen. Wenn zum Beispiel eine Maus etwas isst, dann nimmt sie 14 Promille der Isotope auf, die in der Nahrung enthalten sind. Das Gleiche gilt für einen Menschen oder einen Elefanten. Immer 14 Promille. Der Anreicherungswert ist ein wesentlicher Teil der Gleichung, mit der Wissenschaftler berechnen, was ausgestorbene Hominiden oder Menschen gegessen haben.

Wie dumm. Die Konstante ist gar keine Konstante

Julia Tejada-Lara, die als Doktorantin am American Museum of Natural History und an der Columbia Universität tätig ist, bekam während ihrer Studien über Fautiere Zweifel, dass der Anreicherungswert wirklich immer gleich ist. Und nachdem sie zahlreiche Tests durchgeführt hatte, kam sie zu dem überraschenden Ergebnis, dass der Anreicherungswert keine Konstante, sondern eine Variable ist. Der Anreicherungswert hängt vom Körpergewicht ab.
Sollte die junge Dame richtig gemessen und gerecht haben, und das darf man annehmen, denn ihre Studie wurde im angesehenen Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht, dann entscheidet das Körpergewicht darüber, ob ein Lebewesen viel oder wenig Kohlenstoffisotope in seinen Zähnen und Knochen speichert. Bei den Faultieren zum Beispiel schwankten die Werte je nach Körpergewicht zwischen 10 und 15 Promille.

Falsche Interpretationen

"Das sind 5 Promille nur innerhalb einer einzigen Gruppe von Säugetieren", schreibt Tejada-Lara in ihrer Studie. "Und das kann einen großen Unterschied bei der Interpretation von Forschungsergebnissen machen - einschließlich der Ernährung unserer eigenen Linie, da es kleine und große Arten von Primaten gibt."
Sollte Julia Tejada-Lara recht haben, und zurzeit gibt es keinen Grund, an ihren Ergebnissen zu zweifeln, dann gehören alle Ernährungsstudien, die auf Isotopen-Untersuchungen basieren, noch einmal auf den Prüfstand. Vielleicht war der Paranthropus ja doch keine "menschliche Kuh" und der Neandertaler hatte einen ganz anderen Speiseplan als der frühe Homo sapiens.
Natürlich muss man abwarten, wie andere Forscher die Sache bewerten und was weitere Studien ergeben, aber zurzeit muss das Motto lauten: Traue keiner Zahn- oder Knochenanalyse, die auf Isotopen basiert. Die Ergebnisse könnten falsch sein.
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