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Älteste Felszeichnung der Welt oder ein zufällig entstandenes Muster?

Älteste Felszeichnung der Welt oder ein zufällig entstandenes Muster?
Südafrikanische Forscher sind davon überzeugt, die älteste Felszeichnung der Welt entdeckt zu haben. Zumindest ein Bruchstück davon. Doch es gibt Zweifel.
Foto: © Henshilwood et al.
Forscher der Universität Witwatersrand glauben die älteste Felszeichnung der Welt entdeckt zu haben. Die geometrischen Linien befinden sich auf einem Stein aus Silikat, der aus der südafrikanischen Bomblos Höhle stammt und von Dr. Luca Pollarolo entdeckt wurde.
Das vermeintliche Kunstwerk besteht aus sechs Zick-Zack-Linien, die nach Ansicht der Forscher Teil eines größeren Bildes waren und mit einem Ockerstein aufgetragen wurden. Der Fund wurde auf ein Alter von 70.000 Jahren datiert und ist damit 30.000 Jahre älter als bisherige Felszeichnungen aus Afrika, Europa und Südostasien.

Ein bemalter Stein aus der Bomblos Höhle

Analysiert wurde das Artefakt von einem Forscherteam unter der Leitung von Professor Christopher Henshilwood, der die Bomblos Höhle, in der vor 100.000 bis 70.000 Jahren frühe moderne Menschen gelebt haben, bereits seit dem Jahr 1991 untersucht.
Nachdem die Forscher durch elektronenmikroskopische Aufnahmen ausschließen konnten, dass die gezackten Linien Teil des Gesteins und damit natürlich entstanden sind, stellten sie fest, dass die Linien mit einem 1 bis 3 Milimeter dicken Ockerstein aufgetragen wurden. Und da sie ziemlich abrupt enden, vermuten die Wissenschaftler, dass die gezackten Linien Teil einer komplexeren Felszeichnung waren, die sich über eine größere Fläche erstreckte.

Die Symbole werden immer älter

"Bislang nahm man an, dass die ältesten symbolischen Zeichnungen aus Europa stammen, 40.000 Jahre alt sind und vom Homo sapiens hinterlassen wurden, der damals den Kontinent besiedelte und den Neandertaler verdrängt hat", sagt Professor Henshilwood. "Doch neuere archäologische Funde aus Afrika, Europa und Asien lassen vermuten, dass die Produktion und der Gebrauch von Symbolen deutlich älter sind."
Henshilwood und seine Kollegen verweisen auf 64.000 Jahre alte Höhlenmalereien, die der Neandertaler in einer spanischen Höhle hinterlassen haben soll, und auf Zick-Zack-Ritzungen auf einer 540.000 Jahre alten Muschelschale von der Insel Java, die ein Homo erectus bearbeitet haben muss.

Frühe Kunst oder zufällig entstandene Muster?

Womit wir dann auch bei einem heiklen Thema wären. Es geht um die Zick-Zack-Linien. Archäologen und Paläoanthropologen haben in den letzten Jahren zahlreiche Tierknochen, Steinwerkzeuge und Muscheln ausgegraben (oder in Museen entdeckt), auf denen Gravuren und geometrische Muster zu erkennen sind. Und in fast allen Fällen hat man diese eher schlichten Strukturen als frühe Kunst gedeutet und den Menschen der Steinzeit damit eine komplexe Geisteswelt bescheinigt.
Der amerikanische Paläoanthropologe John Hawks von der Universität Wisconsin hat da so seine Zweifel. Er hält es für möglich, dass viele dieser geometrischen Linien und Gravuren gar keinen tieferen Sinn haben, sondern dass sie das zufällige Nebenprodukt ganz alltäglicher Verrichtungen sind - zum Beispiel Ockerreste von einem Stein zu kratzen, auf dem man zuvor mit Ocker gearbeitet hat.
Hawks schreibt auf seinem Weblog: "Ich denke nicht, dass wir diese Kritzeleien (Doodlings) als bedeutungslos abtun sollten. Aber ich glaube auch nicht, dass wir sie als besonders bedeutungsvoll promoten sollten."

Alles eine Frage des Blickwinkels

Die Frage lautet: War das frühe Kunst oder handelt es sich um zufällige Strukturen, die durch den Gebrauch von Steinwerkzeugen entstanden sind? Die meisten Forscher bevorzugen die Interpretation als Kunst. Denn eine Story mit dem Titel "Älteste Felszeichnung der Welt entdeckt" lässt sich natürlich besser vermarkten als eine Studie mit dem Titel "Hier haben Menschen vor 70.000 Jahren etwas mit zwei Steinen und Ocker gemacht".
Bislang fehlt der Beweis, dass die geometrischen Ritzspuren und Zick-Zack-Linien auf Knochen, Muscheln und Steinen wirklich prähistorische Kunst waren. Und so lange das der Fall ist, sollten die Forscher vielleicht etwas behutsamer an die Sache herangehen und deutlich machen, dass es auch andere Interpretationen für ihre Fundstücke gibt.
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