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Junge Frau aus Schweden starb schon vor 5000 Jahren an der Pest

Junge Frau aus Schweden starb schon vor 5000 Jahren an der Pest
Die Pest ist älter als gedacht. Sie wütete bereits vor 5000 Jahren im heutigen Schweden. Zwei Forscher haben einen neuen, bislang unbekannten Stamm von Yersinia pestis entdeckt.
Symbolbild, CC0
PESTIALISCH Dänische und französische Biologen sind auf einen bislang unbekannten Pest-Erreger gestoßen, der die frühen Bauernkulturen in Europa schwer dezimiert haben könnte. Die genetischen Überreste dieses Bakteriums steckten in den Zähnen einer 20-jährigen Frau, die vor 5000 Jahren im schwedischen Frälsegarden bestattet wurde, sowie in einem zweiten Fossil, das man im gleichen Grab entdeckt hat.
Es handelt sich um einen Zufallsfund, schreiben Simon Rasmussen von der Universität Kopenhagen und Nicolas Rascovan von der Universität Aix-Marseille im Fachmagazin Cell. Eigentlich haben sie nur nach "ganz normalen" Krankheitserregern aus der Jungsteinzeit gesucht. Doch dabei sind sie auf den bislang unbekannten Pest-Erreger gestoßen.

Der Mutterstamm muss noch viel älter sein

Das neu entdeckte Pest-Bakterium hat sich vor etwa 5700 Jahren vom bereits bekannten Pest-Erreger Yersinia pestis abgespalten und einen neuen Stamm gebildet, sagen die Forscher. Es muss also einen Mutterstamm gegeben haben, der noch älter ist. Damit verschiebt sich die Geburtsstunde der Pest immer weiter in die Vergangenheit.
Bislang dachte man, dass sich die erste große Pest-Pandemie vor 4800 Jahren ereignete, als das sibirische Steppenvolk der Yamnaja weite Teile Europas eroberte. Eine zweite große Pandemie folgte im Römischen Reich (Justinianische Plage). Beide Pandemien wurden vom klassischen Pest-Erreger Yersinia pestis ausgelöst. Doch wie es aussieht, gab es mindestens zwei weitere Pest-Erreger, die schon vor Yersinia pestis ihr Unwesen trieben.

Pest und Bauernkultur. Passt das?

Die beiden Toten aus dem 5000 Jahre alten Grab in Schweden waren beide mit dem bislang unbekannten Erreger infiziert und sind wahrscheinlich daran gestorben, sagen die Forscher. Die Tatsache, dass sie gemeinsam in einem Grab bestattet wurden, spricht dafür, dass bereits in den Bauernsiedlungen der Jungsteinzeit die Pest gewütet haben muss.
Doch woher kam diese frühe Pest? Und wie hat sie sich ausgebreitet? Weit verstreute Bauernhöfe, auf denen nur wenige Menschen leben, sind nicht unbedingt der perfekte Nährboden für eine Seuche. Die Erreger fühlen sich normalerweise dort wohl, wo viele Menschen auf engem Raum leben, die hygienischen Verhältnisse schlecht sind und sich Ratten eingenistet haben.

Die Ur-Pest entwickelte sich in Südosteuropa

Rasmussen und Rascovan haben da eine Idee. Sie glauben, dass sich "ihr" Pest-Erreger in Südosteuropa entwickelt hat, wo es vor 5700 Jahren zwar noch keine großen Städte gab, aber wo tausende Menschen auf relativ engem Raum zusammenlebten. Sie bezeichnen diese Siedlungen als "Megasettlements".
In diesen Großsiedlungen lebten viele Menschen, die jeden Tag engen Kontakt hatten, und es gab keinerlei sanitäre Einrichtungen, so die Forscher. Und die Getreidevorräte lockten Ratten an - den natürlichen Wirt der Pest, denn das tödliche Bakterium wird von Rattenflöhen übertragen.
"Solche Megasiedlungen sind ein Lehrbuchbeispiel für einen Ort, an dem sich solche Erreger entwickeln und ausbreiten", sagt Simon Rasmussen.
Vor 5400 Jahren kollabierten diese südosteuropäischen Großsiedlungen, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Sie wurden aufgegeben und niedergebrannt. Und die Menschen, die dort gelebt hatten, starben oder verließen die Region. Wahrscheinlich hatten sie eine todbringende Seuche im Gepäck.
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Richard Lewontin

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