HOMO SAPIENS
Button
Menschen. Urmenschen. Hominiden
Forscher. Fossilien. Artefakte
Menübutton
SKULL.X - Der Paläo Blog

US-Forscher entdecken den kleinsten Menschenaffen der Welt

US-Forscher entdecken den kleinsten Menschenaffen der Welt
Diese Zähne aus Kenia stammen vom kleinsten Menschenaffen, der jemals gelebt hat, sagen US-Forscher. Sie haben ihn Simiolus minutus benannt.
Foto: © Stony Brook University
Forscher der Stony Brook Universität und der Yale Universität scheinen einen neuen Menschenaffen entdeckt zu haben. Nach der Analyse von fossilen Zähnen aus Kenia kommen sie zu dem Ergebnis, dass es sich um eine bislang unbekannte Gattung und Art handelt. Sie haben die neue Spezies "Simiolus minutus" getauft.
Der Simiolus minutus lebte nach Angaben der Forscher vor 12,5 Millionen Jahren und brachte wahrscheinlich weniger als 3,5 Kilogramm auf die Waage. Damit handelt es sich um den kleinsten Menschenaffen, der jemals gelebt hat. Im Vergleich zu Mensch, Schimpanse, Orang-Uran und Gorilla war er ein Winzling.

Die Blütezeit der Menschenaffen im Miozän

Die Menschenaffen sind ein schönes Beispiel dafür, wie sich die Kräfteverhältnisse innerhalb von Tierfamilien im Laufe der Zeit verändern können. Im frühen und mittleren Miozän, also in der Zeit vor 23 bis 12 Millionen Jahren, gab es jede Menge Menschenaffen. Sie waren mit rund 100 Arten die dominierende Spezies im Reich der Affen und deutlich häufiger zu finden als die "gewöhnlichen Affen". Menschenaffen gab es damals nicht nur in Afrika und Asien, sondern auch in Europa.
Doch irgendwann wendete sich das Blatt. Fast alle Menschenaffen starben aus. Übrig blieb nur jene Linie, aus der sich die heutigen Gorillas, die Orang-Utans, die Schimpansen, der Mensch und die Gibbons entwickelten. Parallel dazu vermehrten sich die "gewöhnlichen Affen" und brachten eine Vielzahl neuer Arten hervor. Man nimmt an, dass die kleinen Affen besser mit einem Klimawechsel zurecht kamen als ihre Vettern ohne Schwanz.

Das Gegenstück zum Gigantopithecus

Der größte Menschenaffe, der jemals gelebt hat, war der Gigantopithecus. Er lebte vor 7 bis 2 Millionen Jahren in Asien. Einige Fossilien aus China könnten sogar nur 100.000 Jahre alt sein. Sollte das stimmen, dann war der 600 Kilogramm schwere und 3 Meter große Koloss sogar noch ein Zeitgenosse des frühen modernen Menschen Homo sapiens.
Nun scheint man das Gegenstück zum Gigantopithecus gefunden zu haben. Der Simiolus minutus, der vor 12,5 Millionen Jahren in Afrika lebte, war gerade mal so groß wie ein neugeborenes Menschenkind. Ein primater Winzling.

Durch Nahrungskonkurrenz ausgestorben

Viel konnten die Forscher nicht aus den alten Zähnen herauslesen. Allerdings sind Studienleiter James Rossie und seine Kollegen der Meinung, dass sich der Simiolus minutus hauptsächlich von Pflanzenblättern ernährt hat. Und damit stand er in direkter Nahrungskonkurrenz zu den ersten Schlank- und Stummelaffen (Colobinae), mit denen er sich damals den Lebensraum teilte.
Nach Ansicht der Forscher könnte diese Nahrungskonkurrenz erklären, warum der Mini-Menschenaffe ausgestorben ist - und möglicherweise viele andere Menschenaffen, die im Miozän gelebt haben. Die "eigentlichen Affen" haben sich damals so stark vermehrt, dass nicht mehr genug Nahrung für die Menschenaffen übrig blieb. Nur ganz wenige Arten haben diesen Machtwechsel überlebt - darunter die Vorfahren des Menschen.
SKULL.X - Der Paläo Blog
Button Über Charles Darwin und die Evolutionstheorie
Button Wie funktioniert eigentlich Evolution?
Button Fossilien sind seltener als Diamanten
Button Menschen und Hominiden nach Gattung und Art
Wo sich Neandertaler, Denisovas und Homo sapiens begegnet sind
Vor 9000 Jahren sind alle Südamerikaner ausgestorben
Harte Winter: Die Kinder der Neandertaler waren häufig krank

EVOLUTION & MEINUNG

Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen.
Richard Dawkins

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren

Die frustrierend große Lücke im Stammbaum des Menschen
Ist die Evolution berechenbar oder nur ein planloses Chaos?
Übersicht: Alle neuen Beiträge in chronologischer Reihenfolge »