Menschen. Urmenschen. Hominiden
Forscher. Fossilien. Artefakte
Menübutton

Denisova-Mensch trug eine schicke "Tiara" aus Mammut-Elfenbein

Denisova-Mensch trug eine schicke Tiara aus Mammut-Elfenbein
Die Überreste einer 45.000 bis 50.000 Jahre alten "Tiara" aus Mammut-Elfenbein. Die Knochen sind gelocht und waren mit Lederbändern verbunden.
Foto: © Novosibirsk Institute of Archeology and Ethnography
KUNST AM KOPF Spannender Fund aus der sibirischen Denisova-Höhle. Russische Archäologen sind bei Grabungen auf eine Tiara (Stirnreif) aus Mammut-Elfenbein gestoßen. Sie vermuten, dass sie vor 45.000 bis 50.000 Jahren von einem Denisova-Menschen hergestellt und getragen wurde.
"Wir haben eine ganze Sammlung von Mammut-Elfenbein gefunden, insgesamt dreißig Stücke", sagte Alexander Fedorchenko vom Novosibirsk Institute of Archeology and Ethnography der Siberian Times. "Darunter Perlen, drei Ringe, Teile von Armbändern und Pfeilspitzen. Aber diese Tiara zu finden, ist für Sibirien eine unglaubliche Entdeckung."

Das Stirnband wurde von einem Mann getragen

Die Datierung hat ergeben, dass der Fund zwischen 45.000 und 50.000 Jahre alt ist. Damit ist er 20.000 Jahre älter als alle anderen Artefakte dieser Art in der Region. Möglicherweise handelt es sich sogar um den ältesten Stirnreif auf der Welt, so die Forscher.
Wozu das Stirnband aus der Eiszeit diente, ist nicht so ganz klar. Religiöse Symbole oder Ornamente, wie das bei 20.000 bis 28.000 Jahre alten Funden der Fall ist, besitzt es nicht. Möglicherweise diente es als Stammeszeichen. Oder es erfüllte einfach nur einen praktischen Zweck: Nämlich die langen Haare nach hinten zu binden. Für diese Theorie spricht, dass der Stirnreif für einen sehr großen Kopf hergestellt wurde, der nur zu einem Mann passen kann.

In Wasser aufgeweicht und gebogen

Wie wurde das Stirnband hergestellt und getragen? Die russischen Forscher vermuten, dass das Mammut-Elfenbein zunächst in Wasser aufgeweicht und dann im rechten Winkel gebogen wurde. Anschließend wurden Löcher in die Einzelteile gebohrt und durch Lederbänder miteinander verbunden.
Die Mammut-Bestandteile des Stirnbandes weisen zahlreiche Verschleiß-Spuren auf, die darauf hindeuten, dass es längere Zeit getragen wurde, bevor es zerbrach und in der Denisova-Höhle weggeworfen wurde. Dort hat man auch mehrere Bruchstücke von Mammut-Elfenbein gefunden, die offenbar übrig blieben, als das Stirnband hergestellt wurde.

Warum ein Denisova-Mensch und kein Neandertaler?

Warum die russischen Forscher glauben, dass das Stirnband von einem Denisova-Menschen getragen wurde und nicht von einem Neandertaler, haben sie leider nicht verraten. Möglicherweise lag es am Umfang der Tiara, die für einen sehr großen Kopf hergestellt wurde. Und von den Denisovas weiß man, dass sie extrem große Zähne besaßen, was möglicherweise auf einen ungewöhnlich großen Schädel schließen lässt.
Mensch und Hund haben schon vor 11.500 Jahren gemeinsam gejagt
Die Hobbits sind durch einen Vulkanausbruch ausgestorben
Button Über Charles Darwin und die Evolutionstheorie
Button Wie funktioniert eigentlich Evolution?
Button Fossilien sind seltener als Diamanten
Button Menschen und Hominiden nach Gattung und Art
PALÄO UPDATE
Was wir ganz dringend brauchen, sind Fossilien von Affe X

EVOLUTION & MEINUNG

Mich erstaunen Leute, die das Universum begreifen wollen, wo es schwierig genug ist, in Chinatown zurechtzukommen.
Woody Allen

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren

Hybriden: (Un)Heimliche Begegnung mit einer vierten Menschenart
PALÄO NEWS
Osterinsel: Wo Statuen stehen, da gibt es auch Trinkwasserquellen
Der moderne Mensch Homo sapiens hat sich selbst domestiziert
40 Jahre Lucy. Die Erstbeschreibung eines legendären Fossilfundes
Übersicht: Alle neuen Beiträge in chronologischer Reihenfolge »