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Am Anfang war das Alien. Wer glaubt eigentlich an derlei Dinge?

Am Anfang war das Alien. Wer glaubt eigentlich an derlei Dinge?
Psychologie-Professor Josh Hart glaubt herausgefunden zu haben, wie Menschen ticken, die an Verschwörungstheorien glauben. Sie sollen unter Schizotypie leiden.
Foto: © Union College Communications
Es gibt ja Leute, die glauben, dass der Mensch nicht durch Evolution entstanden ist, sondern weil sich Alien-Raumfahrer mit archaischen Menschenaffen gepaart haben. Andere sind davon überzeugt, dass Außerirdische das Erbgut von Menschenaffen manipuliert haben, um der Evolution auf die Sprünge zu helfen.
Psychologie-Professor Josh Hart vom amerikanischen Union College in New York hat sich gefragt, was das für Menschen sind, die so denken. Und was unterscheidet solche Verschwörungstheorien eigentlich von Religionen?

Es sind Kauze und Exzentriker

Josh Hart und seine Studentin Molly Graether haben 1200 Amerikaner zuerst zu ihren perönlichen Lebensumständen, Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmalen befragt. Anschließend wollten sie von den Probanden wissen, was sie von einigen der weitverbreitetsten Verschwörungstheorien halten.
"Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass der stärkste Prädiktor für Verschwörungstheorien eine Konstellation von Persönlichkeitsmerkmalen ist, die man als Schizotypie bezeichnet", sagt Hart.
Die Schizotypie oder auch schizotypische Persönlichkeitsstörung ist eine wenig erforschte, abgeschwächte Form von Schizophrenie, die nur selten zu einer echten Psychose wird. Es handelt sich um misstrauische, einzelgängerische Menschen, die übersensibel sind und unter einer Reizüberflutung leiden. Der Volksmund bezeichnet sie gerne als Kauze oder Exzentriker.

Menschen sehen Muster, wo gar keine sind

Laut Professor Hart glauben vor allem Menschen an Verschwörungstheorien, die unsere Welt als einen bösen, gefährlichen Ort wahrnehmen. Und sie sehen sinnvolle Strukturen und logische Muster, wo gar keine sind. Das können zufällig aneinander gereihte Worte sein oder geometrische Figuren, die von einem Zufallsgenerator über einen Computerbildschirm bewegt werden. Der Verschwörungstheoretiker wird einen Sinn darin erkennen.
Josh Hart: "Mit anderen Worten, diese Menschen erkennen Bedeutungen und Muster, wo andere nichts sehen."

Jemand muss dafür verantwortlich sein

Verschwörungstheorien unterscheiden sich laut Professor Hart in einem markanten Merkmal von Weltanschauungen und Religionen. Sie sind grundsätzlich düster. Sie enthalten niemals eine positive Botschaft wie zum Beispiel religiöse oder spirituelle Überzeugungen.
"Auf den ersten Blick erscheint das rätselhaft", sagt Hart. "Aber wenn sie eine Person sind, die auf die Welt blickt und eine chaotische, boshafte Landschaft voller sinnloser Ungerechtigkeit und Leid sieht, dann ist es wahrscheinlich tröstlich, wenn man sich vorstellt, dass es jemanden gibt, der dafür verantwortlich ist. Und wenn 'da etwas vor sich geht', dann kann man vielleicht auch etwas dagegen zu tun."
Verschwörungstheoretiker sind also Menschen, die sich nicht damit abfinden können, dass das Leben auf der Erde von Zufall und Chaos gesteuert wird. Sie müssen jemanden dafür verantwortlich machen. Das Ganze muss einen Sinn ergeben. Und für solche Menschen sind die chaotisch anmutenden Mechanismen der Evolution und "Der liebe Gott" natürlich keine Option. Dann schon lieber Aliens, die das Erbgut von Affen manipuliert haben.

Am Anfang war der Müll

Wie es aussieht, sind auch Wissenschaftler nicht vor solchen Gedanken gefeit. So entwickelte der amerikanische Astrophysiker Thomas Gold in den 1960er Jahren die Theorie, dass das Leben auf die Erde gelangt ist, weil Alien-Astronauten bei einer Landung ihren Müll zurückgelassen haben. Diese Abfälle sollen Bakterien enthalten haben, aus denen sich vor 3,5 Milliarden Jahren das erste Leben auf unserem Planeten entwickelte.
Für Gold muss diese Theorie damals plausibler geklungen haben als die vorherrschende Lehrmeinung, dass das Leben durch einen astronomisch unwahrscheinlichen Zufall entstanden ist - nämlich dass sich vor 3,5 Milliarden Jahren in der Ursuppe herumschwimmende tote Atome zufällig zu den ersten Aminosäureketten zusammengeschlossen haben und durch Blitze zum Leben erweckt wurden. Oder ist das auch nur eine Verschwörungstheorie?
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EVOLUTION & MEINUNG

Es gibt vielleicht wissenschaftliche Gesetze über die Evolution, aber Darwins Theorie, eine Evolution durch natürliche Auslese betreffend, ist hoffnungslos metaphysisch.
Richard Lewontin

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