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Gab es schon vor 12.000 Jahren die ersten Krankenhäuser?

Gab es schon vor 12.000 Jahren die ersten Krankenhäuser?
Die Isolation und Versorgung von Kranken war ein wichtiger Schritt für den Homo sapiens, um immer komplexere Gesellschaften zu bilden.
Foto: © Elapied, CC BY-SA 2.0 fr Lizenz
Schon vor 12.000 Jahren gab es erste Krankenhäuser. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der britischen Durham Universität, nachdem sie die "Krankenblätter" von ausgestorbenen und archaischen Menschenarten miteinander verglichen haben.
Die organisierte Krankenversorgung ist damit älter als die sesshafte Lebensweise des Neolithikums mit Ackerbau und Viehzucht, so das Forscherteam unter der Leitung von Dr. Sharon Kessler. Und erst dieser Kultursprung ermöglichte es den damaligen Gesellschaften, zu wachsen und komplexere Strukturen zu entwickeln.

Fossile Belege für Krankenversorgung

Krankenbetten oder gar prähistorische Injektionsnadeln haben die Forscher nicht gefunden. Aber sie haben die Fossilien von Homo habilis, Homo erectus, Homo heidelbergensis, Homo neandertalensis und Homo sapiens nach Spuren von behandelten oder verheilten Krankheiten und Verletzungen abgesucht, die auf eine medizinische Versorgung schließen lassen, und dann die Anzahl dieser behandelten Krankheiten auf Populationsgrößen zwischen 50 und 200 Menschen hochgerechnet.
Die Forscher wollten herausfinden, ab welchen Zeitpunkt der Mensch damit begann, seine Kranken systematisch zu isolieren und zu versorgen. Und dazu nutzte das Team auch paläogenomische und humanökologische Daten sowie Computermodelle, die heutzutage dazu dienen, die Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu berechnen.

Isolation und Behandlung gefährlicher Krankheiten

Ergebnis der Analyse: Es war der moderne Mensch Homo sapiens, der vor 12.000 Jahren damit begann, kranke Mitglieder seiner Sippen von den gesunden Mitgliedern eines Clans zu isolieren und medizinisch zu versorgen. Als "Ärzte" und Krankenpfleger sollen dabei die Eltern, die Geschwister und die Cousins des Erkrankten fungiert haben.
Dr. Sharon Kessler: "Unsere Modelle zeigen, dass frühe Homo sapiens-Populationen durch diese Art der Krankenversorgung die Verbreitung von Krankheiten eindämmen konnten. Und zwar auf das Niveau von deutlich kleineren Populationen."

Grundlage für die ersten Zivilisationen

Die Forscher kommen im Fachmagazin Scientific Reports zu dem Ergebnis, dass die Erfindung des "Krankenhauses" vor 12.000 Jahren ein wichtiger Faktor war, damit der moderne Mensch eine größere soziale Komplexität entwickeln konnte. Durch die Isolation der Kranken verhinderte man, dass sich in immer größeren Populationen, in denen immer mehr Menschen auf engem Raum zusammenlebten, Krankheiten ausbreiteten.
"Die Krankenfürsorge hat sich als Teil einer einzigartigen Reihe von kognitiven und soziokulturellen Spezialisierungen entwickelt", schreiben die Forscher in ihrer Studie. Nur dadurch, dass man die Ausbreitung potenziell tödlicher Krankheiten eindämmte, war es erstmals möglich, größere Gemeinschaften zu bilden, was schließlich zur Entstehung der ersten Zivilisationen führte.
Wie gesagt, die neue Studie basiert nicht auf sensationellen neuen Fossilfunden oder Artefakten, sondern auf statistischen Berechnungen. Es handelt sich also um eine So-könnte-es-gewesen-sein-Studie. Ob es wirklich so war, muss erst noch bewiesen werden.
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