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Diese monumentale Grabstätte wurde von Nomaden erschaffen

Diese monumentale Grabstätte wurde  von Nomaden erschaffen
Die Überreste einer Begräbnisstätte aus Kenia, die vor 5000 Jahren von nomadischen Viehhirten errichtet wurde. Sie war einmal von Megalithen und Steinkreisen umgeben.
Foto: © Katherine Grillo
FRÜHE BAUMEISTER Es bedarf keiner hierarchisch strukturierten Gesellschaft, um monumentale Bauten zu errichten. So lautet - grob umrissen - das Ergebnis einer Studie, die Archäologen des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena und der Stony Brook Universität in New York veröffentlicht haben.
Studienleiterin Elisabeth Hildebrand von der Stony Brook Universität und ihre Kollegen haben in Kenia in der Nähe des Turkana Sees eine 5000 Jahre alte Begräbnisstätte entdeckt, die einst von Megalithen, Steinkreisen und Steinhaufen umgeben war. Und die Menschen, die diese Grabstätte errichtet haben, waren noch nicht sesshaft, sondern lebten als nomadische Viehhirten. Eine faustdicke Überraschung.

Grabstätte mit Megalith-Säulen und Steinkreisen

Frühe Hirten schufen einen Plattformwall mit einem Durchmesser von etwa 30 Metern und hoben in der Mitte einen großen Hohlraum aus, in dem sie ihre Toten begruben, schreiben die Forscher. Nachdem der Hohlraum gefüllt und mit Steinen verschlossen war, stellten sie neben der Plattform große Megalith-Säulen auf, die teilweise aus einem Kilometer Entfernung herangeschafft wurden, und errichteten zusätzlich mehrere Steinkreise und Steinhaufen.
Die Forscher haben die fossilen Überreste von etwa 580 Individuen gefunden, die dicht gedrängt in der zentralen Höhle der Plattform abgelegt waren. Es handelt sich um Männer, Frauen und Kinder aller Altersstufen, die dicht an dicht lagen, ohne dass die Bestattung einzelner Individuen auf besondere Weise kenntlich gemacht wurde.
Nahezu alle Leichname wurden mit ihren persönlichen Schmuckstücken begraben und die Verteilung dieser Schmuckstücke war auf dem gesamten Friedhof annähernd gleich. Diese Faktoren weisen nach Ansicht der Forscher auf eine relativ egalitäre Gesellschaft ohne ausgeprägte soziale Schichten hin.

Bisherige Theorie müssen überdacht werden

Der in Kenia entdeckte Friedhof widerspricht nach Ansicht der Forscher der bisherigen Theorie, dass große öffentliche Projekte nur in hierarchisch gegliederten Gesellschaften möglich sind. Monumente galten in der Archäologie bislang als verlässlicher Faktor, dass man es mit einer komplexen Gesellschaft mit unterschiedlichen sozialen Strukturen zu tun hat.
"Diese Entdeckung stellt frühere Vorstellungen über die Erbauung von Monumenten in Frage", sagt Elizabeth Sawchuk, die an der Studie beteiligt war. "Diese Grabstelle liefert uns ein Beispiel für Monumentalität, die nicht nachweislich mit der Entstehung von Hierarchien verbunden ist, und zwingt uns, andere Erklärungen für solche Bauten in Betracht zu ziehen."

Veränderungen in Zeiten des Umbruchs

Warum verschiedene Hirtengruppen gemeinsam eine solche Grabstätte errichtet haben, darüber kann man nur spekulieren. Die Forscher vermuten, dass es damals eine Zeit des Umbruchs gab. Nomadisch umherziehende Viehhirten trafen auf verschiedene Gruppen von Fischern, Jägern und Sammlern, die bereits am Turkana See lebten.
Außerdem veränderte sich gerade das Klima. Es wurde immer trockener. Möglicherweise diente die große Grabstätte mit ihren Monumenten als Ort für gemeinsame Rituale, um Informationen auszutauschen und das Zusammenleben zu verbessern.
Elisabeth Hildebrand: "Diese Anlage ist die älteste bekannte Monumentalanlage in Ostafrika und wurde von den ersten Hirten der Region errichtet. Dieses Ergebnis lässt uns überdenken, wie wir soziale Komplexität definieren und welche Motive Menschen veranlassen, solche Architektur zu erschaffen."
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