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Verdanken wir dem Paranthropus boisei den Herpes genitalis?

Verdanken wir dem Paranthropus boisei den Herpes genitalis?
Verdankt der Mensch dem Paranthropus boisei den Herpes genitalis? Übertrug der Hominide das Virus vom Schimpansen auf den Homo erectus?
Foto: © University of Cambridge
Der heutige Mensch leidet unter zwei Herpes-Stämmen: dem Lippen-Herpes (HSV1) und dem Genital-Herpes (HSV2). Den Lippen-Herpes hat der Mensch vor 7 Millionen Jahren von seinen affigen Vorfahren geerbt. Doch der Genital-Herpes ist jünger. Er muss vor 3 bis 1,4 Millionen Jahren von den damals lebenden Menschenaffen auf die Vorfahren des Menschen übergesprungen sein.
Bislang war unklar, wie das geschehen ist. Einige Forscher glauben, dass die aufrecht gehenden Vorfahren des Menschen noch Sex mit anderen Menschenaffen hatten. Doch Wissenschaftler der Universitäten Cambridge and Oxford Brookes kommen im Fachjournal "Virus Evolution" zu einem anderen Ergebnis. Sie glauben, dass es eine "intermediäre Homininen-Art" war, die den Herpes genitalis vom Schimpansen auf den Menschen übertragen hat - der Paranthropus boisei.

Ein ausgestorbener Seitenarm der Evolution

Der Paranthropus war ein aufrecht gehener Hominide, der zwar ein enger Verwandter der Australopithecinen war, aber ansonsten wenig mit der Entstehung des Menschen zu tun hatte. Der Paranthropus entstand vor 2,7 Millionen Jahren, brachte drei Arten hervor (P. aethiopicus, P. boisei und P. robustus) und starb vor 1,2 Millionen Jahren aus, ohne eine Nachfolge-Art zu hinterlassen. Er endete also in einer evolutionären Sackgasse.
Doch sollten die Forscher recht haben, dann hinterließ der Paranthropus dem Menschen ein unangenehmes Erbe - den Herpes genitalis. Der Paranthropus boisei (2,4 - 1,5 Mio) soll als Zwischenstufe zwischen Schimpanse und Mensch dafür gesorgt haben, dass sich der Urmensch Homo erectus mit dem Virus infiziert hat.

Kontakt mit Schimpansen-Kadavern

Die Virologin Dr. Charlotte Houldcroft von der Universität Cambridge und ihre Kollegen stellen sich das ungefähr so vor: In den Wäldern Ostafrikas lebten damals Schimpansen, in der Savanne der Urmensch Homo erectus und im Randgebiet dieser beiden Lebensräume hatte der Paranthropus boisei seine Nische gefunden.
Indem der Paranthropus boisei mit Schimpansen-Kadavern in Kontakt kam, fing er sich den Herpes genitalis ein. "Wahrscheinlich durch Verletzungen oder offene Wunden", so die Forscher. Und diesen Virus übertrug er dann auf den in der Savanne lebenden Urmenschen Homo erectus.

Hatten Paranthropus und Homo erectus Sex?

Dr. Charlotte Houldcroft: "Damit solche Viren die Artenbarriere überspringen können, bedarf es einer genetischen Mutation und eines signifikanten Flüssigkeitsaustausches. Im Falle der frühen Hominini bedeutete dies, entweder durch Fleischkonsum oder durch Geschlechtsverkehr - oder möglicherweise durch beides."
Sollten die britischen Forscher mit ihrer Theorie richtig liegen, dann diente der Paranthropus boisei in der Zeit vor 2,0 bis 1,4 Millionen Jahren als artenübergreifender Vermittler von Viren zwischen Schimpanse und Mensch, ohne dass die beiden Spezies direkten Kontakt hatten.
Voraussetzung wäre allerdings gewesen, dass der Homo erectus den Paranthropus gejagt und gegessen hat oder Sex mit ihm hatte. Und beides wären völlig neue Erkenntnisse, für die es bislang keinerlei fossile Belege gibt. Aber ausschließen kann man es natürlich auch nicht.
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